Wie ein Treffen mit alten Bekannten

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Baseler Euro-Theater Setzte mit Loriot-Sketchen Glanzpunkt im Oppenauer Kulturprogramm / Sprachreinheit im Fahrplan

Im Rahmen der Reihe »Kulturelles Oppenau« bot das Baseler Euro-Theater eine gelungene Auswahl von Loriot-Sketchen, viele bekannt und oft im Fernsehen wiederholt. Trotzdem, das Schmunzeln, das Raunen, das Lachen kam unweigerlich.

 

Ein richtiggehendes Feuerwerk von Pointen des Altmeisters Loriot brannten Isolde Polzin, Mario Donelli, Dietlind Ballmann, Nico Deleu, Ursina Früh und Dieter Ballman, der auch die Regie führte, in der Oppenauer Bimmerle-Halle ab. Der Abend mit Loriots Sketchen war wie ein Treffen mit alten Bekannten Dies traf um so mehr zu, da sich das Ensemble entschied, die Sketche »Loriot-gerecht« zu spielen, anstatt sie in künstlerischer Freiheit großzügig zu interpretieren.
Loriots Werk hat neben dem verschmitzten oder dem krachenden Lacher auch das Anliegen, Menschen so zu zeigen, wie sie sich im Alltag verhalten: oft spießig und das alleine wirkt lächerlich genug. Dieses Spießertum war auch eine Art roter Faden, der die 20 Sketche des Abends durchzog.
Zum Auftakt nahm das Ensemble das Getue bei den Polit-Talk-Shows auf die Schippe; ein herrlicher Ulk, der das Verhalten der Teilnehmer bei dieser Sendeform gekonnt ad absurdum führte. Es folgten bekannte, auch weniger bekannte Sketche, unter anderem natürlich jene mit englischen Worten und daher vielen »th«s gespickte Inhaltsangabe einer Fernsehserie, ein wahrer Zungenbrecher.
»Szenen einer Ehe«
Ein Abschnitt des Abends war als »Szenen einer Ehe« zusammengefasst und betitelt, immer wieder ging es darum, dass die Partner, oft zwar wohlmeinend, aber unfähig zur Kommunikation, aneinander vorbeireden. Und oft genug explodieren, wenn der Partner, die Partnerin doch zu wohlmeinend nervt. So, wie es dann in einigen Szenen herausbrach.
Es begann mit der angestrebten Verlobung, die wegen der »Nudel« scheiterte und die mit dem Kultsatz »Hildegard, sagen Sie nichts!« in aller Erinnerung ist.

Eine gewisse Gleichgültigkeit zwischen den Partnern führt auch zu Beziehungsproblemen, hervorragend dargestellt in einer Szene, in der die Frau wissen will, in welchem »schönen« Kleid sie ihren Gatten denn begleiten soll. Welches ist ihm unwichtig, Hauptsache, sie trägt ein Kleid.
Auch der Kulturbetrieb wurde herrlich auf den Arm genommen. Gelobt für die »Reinheit der Sprache« wurde eine Neuerscheinung mit großem Pathos verlesen: ein Fahrplan mit Ortsangabe, Ankunfts- und Abfahrtszeit.
Der abschließende Höhepunkt war Rentner Erwin Lindemann im Fernseh-Interview. Mit jeder gescheiterten Aufnahme verhaspelt er sich mehr und mehr, er bringt alles durcheinander. Die einfache Aussage, dass er Rentner ist und im Lotto gewonnen hat und welche Pläne er hat, bringt er in allen möglichen Variationen, er kann sich nicht mehr konzentrieren.
Perfektionist Loriot
Die Entscheidung, »Loriot-gerecht« zu spielen, ist heikel, das Publikum kann schnell versucht sein, mit den originalen Loriot TV-Sendungen zu vergleichen. Dort wurde jede Szene x-mal geprobt, bis jedes Detail saß, wie man vom Perfektionisten Loriot weiß.
In einer Live-Bühnen-Darbietung geht das so nicht. Da muss jedes Wort, jede Geste sitzen; diese Herausforderung hat das Ensemble des Baseler Euro-Theaters ausgezeichnet gelöst. Der Applaus mit mehreren Vorhängen bestätigte, dass dies gelungen war.

 

»Hildegard, sagen Sie jetzt nichts!«: Loriots Klassiker wie »Die Nudel« waren Lachgaranten.

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Veröffentlicht in Oppenau

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