Kostenstreit bei Tunnelbau: Es geht um Millionenbeträge
Bauunternehmen Bögl will gekürzte Rechnungen des Regierungspräsidiums nicht hinnehmen
Trotz Wintereinbruchs gehen die Bauarbeiten an der Ortsumfahrung Oberkirch/Lautenbach mit großen Schritten voran. Doch während es auf der Tunnelbaustelle scheinbar reibungslos läuft, knirscht es hinter den Kulissen gewaltig. Baufirma und Regierungspräsidium streiten allem Anschein nach um Millionenbeträge.
Beim Geld hört der Spaß auf: Der Spruch hat auch auf Großbaustellen seine Richtigkeit. Zwar laufen die Bauarbeiten am Herzstück der großen Umfahrung Oberkirch/Lautenbach, dem rund einen Kilometer langen Tunnel, mittlerweile nach Plan und trotz aller Verzögerungen ist bereits Halbzeit Doch weihnachtliche Harmonie scheint zwischen dem Regierungspräsidium Freiburg (RP) als Bauherrn und der ausführenden Firma Max Bögl dennoch nicht aufkommen zu wollen. Zu weit liegen RP und Bögl bei der Abrechnung der bisher geleisteten Arbeit auseinander: Von Millionen Euro ist die Rede.
Wolfgang Wittig, Bauleiter bei Bögl und verantwortlich für die Tunnelarbeiten, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass das Regierungspräsidium Rechnungen des Baukonzerns seit Monaten gekürzt hat. Mittlerweile gehe es um eine Summe von rund drei Millionen Euro, die Bögl für Austauschbohrungen in Rechnung gestellt, aber nicht vergütet bekommen haben soll. »Wir haben mehrfach nachgefragt, wie diese Kürzungen begründet werden«, sagt Wittig, »eine Antwort haben wir bis heute nicht bekommen.«
Frist gesetzt
Vor Kurzem hat das Unternehmen Max Bögl dem Regierungspräsidium auch eine Frist gesetzt und droht gar mit einem Baustopp: Falls es bis heute, 10. Dezember, nicht zu einer Einigung komme, überlege man, die Arbeiten einzustellen. Das Regierungspräsidium hat zwischenzeitlich zwar einem Gesprächstermin Mitte Dezember mit dem Neumarkter Baukonzern zugestimmt, will sich aber durch die Bögl-Forderungen nicht unter Druck setzen lassen: »Wir bezahlen immer die erbrachte Leistung«, zeigt sich Andreas König, verantwortlicher Mann beim RP für den Oberkircher Tunnelbau, verwundert über die Haltung des Bauunternehmens: »Wir ziehen bei Rechnungen nur dann etwas ab, wenn es gerechtfertigt ist.« Das habe man auch immer begründet. Zu den kursierenden Millionenbeträgen wollte König allerdings keine Stellung beziehen: »Das sind laufende Verhandlungen, dazu sage ich nichts.«
Angst vor einem Rechtsstreit scheinen beide Parteien nicht zu haben: Während Bögl bereits einen Rechtsbeistand einbezogen hat, sieht König die Angelegenheit pragmatisch: »Es gibt nahezu keine Baustelle, wo die Rechnung einer Firma bezahlt wird, ohne dass man sich darüber unterhalten hat. Die wenigsten landen vor Gericht.« König bestätigt jedoch: »Im vorliegenden Fall gibt es Positionen, bei denen wir uns nicht einig sind.«
Es sind wohl die in Rechnung gestellten Summen für die Austauschbohrungen, die zum Stein des Anstoßes avancieren. Die Austauschbohrungen wurden nötig, nachdem das Einrammen der Spundwände aufgrund der vorgefundenen Bodenqualität ungeahnte Schwierigkleiten bereitete (wir berichteten mehrfach). Das Prozedere führte zu Verzögerungen beim Tunnelbau von fast einem halben Jahr. Erst nach mehreren Gutachten einigten sich die Parteien auf Austauschbohrungen, die vom Regierungspräsidium genehmigt wurden. An dieser Auffassung hat sich auch nichts geändert: In allen Docks wurden Vorbohrungen zugelassen, über die abgerechnete Menge streiten sich jetzt die »Gelehrten«. Auch, weil der Bauherr, laut König, in allen Arbeitsfeldern vor den Austauschbohrungen einen vorherigen Aushub des Erdreichs bestellt habe. Durch den Aushub verringern sich die benötigten Meter bei den Austauschbohrungen und damit natürlich auch die Kosten. Ob Bögl den Voraushub in allen Docks auch bewerkstelligt hat, wollte König nicht bewerten.
Kein Baustopp
Einen Baustopp wird es nach Ansicht des Tunnelprojektleiters auf jeden Fall nicht geben, davon ist König überzeugt: »Streitigkeiten dürfen nicht zu einer Einstellung der Arbeiten führen«, zitiert er die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen). Deshalb geht man vonseiten des Regierungspräsidiums davon aus, dass die Arbeiten am Tunnel nach der vereinbarten Weihnachtspause vom 22. Dezember bis 9. Januar vertragsgemäß weitergehen. Denn im Großen und Ganzen ist man mit dem Bauverlauf und der erbrachten Qualität zufrieden. König: »Eigentlich sind wir auf einem sehr guten Weg.«
Blick auf die Tunnelbaustelle: Rund 430 Meter des gut einen Kilometer langen Bauwerks sind geschafft.
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