Riesiges Interesse an DSL
Netzbetreiber informiert fast 300 Sasbachwaldener / Nicht jeder will dasselbe Paket für sein Haus
In den Paketen, die die Betreiberfirma des neuen Breitbandnetzes im Blumendorf geschnürt hat, steckt manche Überraschung. Das Interesse an den ersten konkreten Infos für die Bürger am Montag war riesig, die Begeisterung hielt sich bei einigen in Grenzen.
Mit fast 300 Interessierten war das Kurhaus voll belegt. Der Nikolaustag brachte an den Tag, wann denn nun wirklich mit Lichtgeschwindigkeit kommuniziert werden kann Wolfgang Greven und Hans-Jürgen Tscheulin von der neu gegründeten Telsakom GmbH mit Sitz in Sasbachwalden legten die Fakten auf den Tisch.
Das neue Glasfasernetz der Gemeinde ist 44 Kilometer lang und erschließt 47 Straßen. Bei 425 der 540 Gebäude, die den Anschluss wünschen, ist das Leerrohr inzwischen. Bei 311 von ihnen liegt auch die Glasfaser bereits am Haus. Jede Woche werden es derzeit 50 bis 100 Häuser mehr, bei denen die hochmoderne Technologie ankommt. »Glasfaser ist die leistungsstärkste Technologie und ermöglicht alles bis hin zum 3D-Fernsehen«, erklärte Wolfgang Greven.
Er und sein Partner werden das Netz übernehmen und darauf Dienste anbieten. Auch die Telekom und 1&1 sollen diese Möglichkeit bekommen. Dass die Telekom Bitstrom bei einem kleinen Netzbetreiber einkauft, sei bislang in Deutschland einmalig und noch nicht unter Dach und Fach, ebenso wenig wie bei 1&1.
Den Zeitplan für das FTTB-Netz (»fibre to the building«) gab Greven so an: Die Bestellung der neuen Tarife soll im Februar beginnen, die Anschlüsse sollen bis März geschaltet sein und im April sei mit der Montage der nötigen Endgeräte in den Häusern zu rechnen. Im ersten Quartal 2011 muss auch die Frage des »Backbone« gelöst werden. Das Saschwaller Glaskabel braucht einen Anschluss an die Welt. Und der liegt in einem Hauptverteilerraum in der Plaukelmatte in Achern.
Basispreis: 59,90 Euro
Ob die Telekom die Verbindung dorthin herstellt oder ob das in Eigenregie geschieht, werde geklärt. Den Basispreis für Internet, Telefon und TV gab Hans-Jürgen Tscheulin mit 59,90 Euro an. Für Zweitwohnungen geht es auch 20 Euro günstiger pro Monat, allerdings ohne Flatrate. Für Geschäftskunden soll der Anschluss ab 99,90 Euro kosten.
Der Preis schien einigen Zuhörern zu hoch: »Das ist ja Irrsinn«, meinte die Besitzerin einer Ferienwohnung. Ein anderer meinte, in München sei es billiger. »Sie bekommen einen echten Porsche vor die Tür gestellt«, machte Wolfgang Greven deutlich. »Ich will aber gar keinen Porsche«, monierte eine Frau. »Also ich warte darauf«, warf Bürgermeister Valentin Doll ein. Auf der Brandmatt und in anderen Ortsteilen am Berg werde sich die Situation derart verbessern, wie man es sich heute noch gar nicht vorstellen könne.
Die Kritik, dass alles viel später wahr werde wie angekündigt, musste sich der Bürgermeister gefallen lassen. »Ich hätte es mir schneller gewünscht«, sagte er. Dann drehte sich die Diskussion um die Möglichkeit, über das neue Breitbandnetz fernzusehen. »Alle, die eine Satellitenschüssel auf dem Dach haben, fühlen sich jetzt über den Tisch gezogen«, meinte ein Bürger. Er wünsche sich einen Tarif ohne TV, der günstiger sei. Auch der Wunsch nach einer zusätzlichen Handy-Flatrate kam auf. »Wir wollen als ihr lokaler Anbieter ihre Wünsche aufnehmen«, sagte Greven: »Das ist ein Lernprozess für uns.«
STICHWORT
Beratertage
Am Mittwoch und Donnerstag, 15. und 16. Dezember, bietet der neue Netzbetreiber im Rathaus Sasbachwalden Beratertage zur Klärung individueller Fragen an. Die Tarife der Telsakom und weitere Infos gibt es im Internet unter www.telsakom.de.
Die Sasbachwaldener warten ungeduldig auf die Kommunikation mit Lichtgeschwindigkeit. Dass sie auch ihren Preis hat, erfuhren sie am Nikolaustag im Kurhaus.
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