Ein wissensdurstiges Duo

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Rana Yilmaz und Sara Tesfamarian aus Achern werden von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt.

 

Offen, freundlich und sympathisch begegnen einem die beiden Mädchen Sara Tesfamariam und Rana Yilmaz. Beide sind 17 Jahre alt, gehen in die zwölfte Klasse des Gymnasiums in Achern und hatten einen schweren Start ins Schulleben Dass sie es trotz fehlender Sprachkenntnisse und denen damit verbundenen Problemen dennoch geschafft haben, heute die zwölfte Klasse des Gymnasiums zu besuchen, gleichzeitig anderen Mitschülern unter die Arme greifen und sich in ihrer Freizeit vorbildlich zu engagieren, das hat die Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart so überzeugt, dass beide Schülerinnen zu den auserwählten Stipendiatinnen des Landes Baden-Württemberg gehören.
»Bei der aktuellen Debatte um Integration dürfen sie nicht vergessen werden: Schüler aus Zuwandererfamilien, die mit ihren vielfältigen Talenten und ihrer Zielstrebigkeit beweisen, dass Integration und Bildung Hand in Hand gehen können«, so eine Mitarbeiterin Robert-Bosch-Stiftung. Man fördere deshalb auch in diesem Jahr gemeinsam mit der Baden-Württemberg-Stiftung 50 neue Stipendiaten auf ihrem Weg zu einem höheren Bildungsabschluss.
In der Türkei geboren
Rana Yilmaz, die in der Türkei geboren wurde und mit sechs Jahren nach Deutschland kam, und Sara Tesfamariam, deren Eltern vor ihrer Geburt aus Eritrea nach Deutschland kamen, haben durch Zufall davon erfahren. »Wir haben uns in allerletzter Minute beworben«, erinnert sich Rana an die Spontanaktion. Ermuntert von Mitschülern und Lehrer sorgten sie eiligst dafür, dass sich ein ausführlicher Lebens- und Bildungslauf zusammen mit Zeugniskopien und einem Lehrergutachter auf den Weg nach Stuttgart machte. »Nie hätten wir geglaubt, von rund 374 Bewerbern in die engere Auswahl zu kommen«, so Sara. »Und dann auch noch beide ein Stipendium zu bekommen«, ergänzt Rana noch immer ganz glücklich über diese Entwicklung, die ihnen bis zum Erlangen der Fachhochschulreife einen monatlichen Betrag sichern, sie aber auch an einem umfangreichen Bildungsprogramm teilhaben lassen.
»Reale Chancen«
»Gerade waren wir im Max-Planck-Institut«, erzählt Rana und davon, wie überwältigt sie von dieser Einrichtung war. »Wenn man überlegt, dass man hier in unserem Land reale Chancen hat, dort eines Tages arbeiten zu können, zumindest zu lernen«. Dieser Wissensdrang muss der unabhängigen Jury der Mädchen nicht entgangen sein. Dabei erinnert sich Rana nur ungern an die ersten beiden Schuljahre. »Ich habe sie regelrecht ausgeblendet. Es war ein Albtraum, dort zu sitzen und nichts zu verstehen, ganz abgesehen von den Missverständnissen, die dabei aufkamen«.
Sara hatte es etwas einfacher, doch schulisch mitzuhalten fiel beiden schwer. Dass sie heute hier zu den Besten in der Klasse gehören, macht die Eltern stolz. »Sie waren und sind unser Motor. Sie unterstützen uns in allem, was Schule und Bildung angeht«, darin sind sich beide Mädchen einig.
Das Bildungsprogramm bezieht auch die Imigranten-Eltern mit ein, die zu Seminaren eingeladen werden und Fragen stellen können. Denn selbstverständlich ist es in den Traditionen der einzelnen Nationen nicht, dass gerade Mädchen über eine Woche ein Seminar besuchen können. Als Rana und Sara mit weiteren 30 Mädchen und 18 Jungen aus 24 verschiedenen Herkunftsländern am 28. September gemeinsam mit ihren Familien im Weißen Saal des Neuen Schlos
ses Stuttgart in das Programm »Talent im Land Baden-Württemberg« aufgenommen wurden, war die Familie dabei.
Wenn die beiden eines Tages ihre Examen in Psychologie oder Medizin ablegen, werden sie noch stolzer sein. Rana und Sara genießen indessen die vielen Freunde aus aller Herren Länder, die sie nun regelmäßig sehen. Aber sie genießen auch ihr Leben in Achern, geben Nachhilfe, betreuen Hausaufgaben, engagieren sich in der SMV oder, wie Sara, in der Kinderbibelwoche. Lernen, das ist für sie ein Weg ins Leben, den sie mit viel Mut und Energie, aber auch Spaß verfolgen.

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Rana Yilmaz (links) und Sara Tesfamarian haben sich nach schwerer Anfangszeit im Schulleben bestens integriert.

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Veröffentlicht in Achern

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