Messen für »Renchtal 21«
DB Netz bereitete am Wochenende Kompletterneuerung der Schienen vor / Beginn schon im Frühjahr
Nichts war wie sonst am Samstag und gestern auf der Renchtalbahn. Von Oppenau bis Bad Griesbach fuhr kein Zug. Vorbereitungsarbeiten für eine Generalüberholung ab dem kommenden Jahr standen auf dem Teilabschnitt an.
Samstag, ziemlich genau 16 Uhr. Der Bahnsteig am Oppenauer Bahnhof: wie leer gefegt. Was ja auch völlig normal ist. Schließlich sollte der Zug normalerweise um diese Zeit in Bad Griesbach sein. Fahrplanmäßig jedenfalls Ist er aber nicht, sondern er steht unübersehbar auf Gleis 2 in Oppenau.
Dort steht er schon eine ganze Weile. Seit kurz nach 15.30 Uhr genauer gesagt. Da sind fahrplanmäßig all jene auf Gleis 1 ausgestiegen, die aus dem Vordertal kommen und in Oppenau raus müssen. Und diejenigen, die nach Bad Peterstal oder nach Bad Griesbach wollen.
»Schienenersatzverkehr« steht auf dem innen an der Windschutzscheibe angepappten Plakat des Busses einer heimischen Firma, der am Bahnhof wartet. Sobald er seine menschliche Fracht, die soeben dem Zug entstiegen ist, aufgenommen hat, fährt er los nach Bad Peterstal. Unter anderem mit einer Gruppe junger Männer an Bord, die bester Stimmung vom Zug in den Bus gewechselt war. Auch bei den anderen Fahrgästen gab es keine Irritationen.
»Es war ja allgemein bekannt, dass die Strecke heute und morgen ab Oppenau dicht ist«, meint der Zugfahrer gelassen während eines Pausenplauschs. Und daher habe es auch keine Beschwerden gegeben. Immerhin handelt es sich nicht um einen unvorhergesehenen Zwischenfall, der zu der Sperrung geführt hat, sondern um Arbeiten an der Strecke.
Bald komfortabler
Karl Bollis weiß da Genaueres. Er ist Betriebsleiter bei der DB Netz, einer Tochter der Bahn. Die ist zuständig fürs Schienennetz, das auch von der Ortenau-S-Bahn genutzt wird. Zuständig ist Bollis für den Betrieb auf der Renchtalbahn. Und der soll ziemlich bald wieder komfortabler für die Fahrgäste werden
»Was am Wochenende geschieht, das sind Vorarbeiten für eine wesentlich größere Baumaßnahme, die im kommenden Jahr startet«, erklärt er. Die Strecke werde vermessen, ähnlich wie bei Straßenbauarbeiten. »Allerdings können Sie in den Schotter natürlich keine Pfähle schlagen wie am Straßenrand.«
Stattdessen setzen die Leute von der DB Netz Gleismarkierungspunkte, Schürfschlitze mit einer Markierung, »eine etwas opulentere Art der Vermessung«, wie Bollis anfügt. Dass dies während der regulären Verkehrszeit geschieht, hat einen einfachen Grund: »Wir hätten auch nachts an die Arbeiten gehen können. Da hätten wir allerdings buchstäblich im Trüben gestochert.«
Die Vermessung ist der allererste Schritt zu etwas, das Bollis »Renchtal 21« nennt. Und den Vergleich mit Stuttgart zeiht er durchaus mit Bedacht. Denn die Schienenstränge durchs Tal sollen fit gemacht werden, und das in einem Zeitraum von zwei Jahren.
»Bekenntnis steht«
»Das Bekenntnis zur Renchtalbahn besteht ja schon länger«, sagt Karl Bollis. Es wird nun sozusagen mit Schotter unterfüttert, indem ab dem Frühjahr abschnittsweise das Schotterbett und die Gleise samt Schwellen erneuert werden. »Auf der Strecke liegen noch Schienen, die aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen«, sagt der Betriebsleiter. Und viele Fahrgäste monieren Rumpeln und Schlagen der Waggons während der Fahrt; zu Recht, wie er weiß.
»Sie müssen sich die Arbeiten schon sehr aufwendig vorstellen; etwa so, als wenn man bei einer Straße den Aufbau bis runter aufs Kiesbett entfernt und dann wieder alles komplett neu macht.« Deshalb der lange Zeitraum von zwei Jahren. Vorteile erhoffen sich die Schienennetzbetreiber nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für die DB Netz selbst. »Auf der Renchtalstrecke wird einfach die laufende Instandhaltung zu teuer.«
Vier Wochen dicht
Die Fahrgäste im oberen Renchtal können das vergangene Wochenende durchaus als Übung auffassen. Denn ab dem Frühjahr beginnen die Arbeiten mit dem Neubau genau dieses Streckenabschnittes. Vier Wochen lang wird er dann allerdings dicht sein; unter anderem, weil die Arbeitszeiten so gut wie möglich Rücksicht auf den Kurbetrieb in Bad Peterstal-Griesbach nehmen sollen.
Vier Wochen erscheinen eine lange Zeit. Doch die Zugfahrgäste können sich auf die Zeit danach freuen. Karl Bollis: »Danach ist bestimmt für rund 25 Jahre Ruhe.«
Kopfbahnhof Oppenau: Vom Zug hieß es am Samstag in den Bus umsteigen am Oppenauer Bahnhof. Die Schienen in Richtung Bad Peterstal und Bad Griesbach wurden vermessen, daher war die Strecke gesperrt.
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