Eintauchen ins alte Russland
In Dreifaltigkeitskirche Sasbachwalden reißen die Wolga-Kosaken das Publikum zu Beifallsstürmen hin
Die Original Wolga-Kosaken gastierten am Freitag wieder einmal in der Sasbachwaldener Dreifaltigkeitskirche. Zahlreiche Besucher, unter ihnen Fangruppen aus dem Kreis Rastatt oder dem Harmersbachtal, erlebten 90 Minuten mitreißende Gesänge und Instrumentalmusik aus dem alten Russland.
Der 1933 gegründete Traditionschor der Wolga-Kosaken trat in der Dreifaltigkeitskirche in einer Viererformation an und beeindruckte einmal mehr durch seine atemberaubende Stimmgewalt. Selbst das leiseste Piano war bis in die letzte Reihe ohne technische Verstärkung zu vernehmen
Alexander Petrov, seit 1978 musikalischer Leiter und Solo-Bass, spielte die Balalaika Prima. Wasyl Romanow, der in Gesang und Tanz ausgebildete Bass-Bariton, beherrscht die Bass-Balalaika aus dem Effeff. Als Tänzer wie auch als Solo-Tenor macht sich Bohdan M. Wloch schon seit Jahrzehnten einen Namen. Er spielte in Sasbachwalden die Balalaika.
Der jahrelange Erste Tenor der Breslauer Staatsoper, Marian Majewski, glänzte als Sänger ebenso wie durch sein darstellerisches Talent und als Domraspieler.
Sakraler Auftakt
Das in zwei Teilen vorgetragene Programm widmete sich zuerst den 1000 Jahre alten russischen Kirchengesängen. Eine inständige »Bittlitanei« eröffnete gefolgt von einem »Lob auf den Namen des Herrn«. Andächtig vorgetragen war das bekannte »Vaterunser« von Rimski Korsakov.
Bestechendes Beispiel eines reinen »Basso profundo« gab Alexander Petrov zu Beginn des »1. Psalm Davids«. Sanft und feierlich klang der »Lobpreis Tebe Poem« der Eucharistiefeier aus. Das »Mnogaja Leta« (auf viele Jahre), ein Lied das zu praktisch allen feierlichen Anlässen gesungen wurde, rundete den Reigen der sakralen Gesänge ab.
Instrumental wurde in die russische Volksmusik übergeleitet mit der fröhlichen und rasanten »Schlittenfahrt im Mondschein«. Ein Höhepunkt war das »Kokoltschik«, das »Einsame Glöcklein«, das Marian Majewskis schmelzender Tenor erklingen ließ
Mit dem Gassenhauer »Moskauer Nächte« rissen Wloch und Petrov das Publikum ebenso hin wie mit dem Volkslied von der »Birke auf dem Feld«, bei dem Wloch tosenden Beifall erntete. Als der blauäugige Marian inbrünstig die »Schwarzen Augen« besang, bewegte er die Zuhörer zum rhythmischen Mitklatschen.
Erinnerungen an die Heimat weckte das Flüsschen »Retschenka« und die »Abendglocken«, besungen vom Tenor Wloch und dem tiefen Bass Petrovs. Geschichten erzählen die Lieder von den »Zwölf Räubern«, der Liebsten »Suliko« und der »Kosakenpatrouille«, die man im Geiste über die Steppe galoppieren sah.
Große Herzlichkeit
Die Wolga-Kosaken verstanden es, mit ihren ausdruckstarken Stimmen sowie ihrer instrumentalen und darstellenden Kunst die Zuhörer ins alte Russland zu versetzen. Ihr Vortrag bezeugte neben einer starken Heimatverbundenheit eine große Herzlichkeit.
Frenetischer Applaus war den Künstlern sicher und animierte zur Zugabe zweier lebhafter Volkslieder – dieses Mal ohne das obligatorische Himbeerchen »Kalinka«. Den festlichen Abschluss bildete das berühmte Lied »Ich bete an die Macht der Liebe« von Dmitri Bortnjanski, das auch in den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr aufgenommen wurde.
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