Ein Inseldasein für die Kunst

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Neue Eigentümer des Hauses »Inselgarten« veranstalten Ausstellungen / Forum für Professionelle

In der ehemaligen Pension Haus »Inselgarten« wollen die neuen Besitzer einen Hort der Kunst etablieren. Die erste Ausstellung ist noch am Sonntag zu sehen.

 

Klaus Behnert macht das, was momentan alle Bad Peterstaler häufig tun: Er schippt Schnee. Aus weißer Pampe und einem schmuddelig-wässrigen Schnee-Wasser-Matsch-Tümpel ragt neben ihm das Haus »Inselgarten« auf. Sein Haus Passend zur Weihnachtszeit, in Wirklichkeit jedoch schon im März kam er zu der leicht angestaubten Pension wie die Jungfrau zum Kind. »Ich hab’s geerbt«, sagt der 42-Jährige, der zuvor mit Lebensgefährtin Heike Wilde und dem gemeinsamen Sohn in Goslar wohnte.
Für beide gab es nur eine Wahl: Fort aus der 1000-jährigen Kaiserstadt eine Autostunde südöstlich von Hannover – hin ins betuliche Schwarzwalddorf mit Heilbadcharakter. Für ihn, den gebürtigen und bis zum zwölften Lebensjahr auch wohnhaften Bad Peterstaler war es eine Rückkehr in die Heimat.
Neuland betritt das Paar in der Verwendung des Hauses. Zum einen wohnt die kleine Familie darin, darüber hinaus gibt es weiterhin eine Ferienwohnung. Doch der Räume sind es zahlreiche; zu viele, um sie wohnlich zu nutzen.
Und so formte sich die Idee einer Ausstellungsstätte bei Heike Wilde und Klaus Behnert. Das ist gar nicht so weit hergeholt für die beiden, die sich in der Museumsszene bestens auskennen – wenn auch mit anderem Hintergrund. Heike Wilde ist eine der angesehensten Ägyptologinnen Deutschlands, außerdem zertifizierte Kuratorin. Klaus Behnert tickt genauso, ist dank Studiums mit der Ur- und Frühgeschichte bestens vertraut, ebenso in Geologie sowie Mineralogie zu Hause.
»Bereichernde Sache«
Es ist, das vertreten beide offensiv, der Zweck jeder Wissenschaft, auch öffentlich aufzutreten; die Ergebnisse sozusagen unters Volk zu bringen. Und wie jeder andere Wissenschaftler sind auch die beiden aus der Kurgemeinde stets auf der Suche nach Mitteln und Wegen, dieses Ziel zu erreichen. Da darf es denn auch schon mal das Internet sein, so wie vor ein paar Jahren bei Second Live, als sie virtuelle Ausstellungen mitgestalteten. »Eine absolut bereichernde Sache«, schwärmt Heike Wilde noch heute.
Es gibt also durchaus Parallelen zwischen der Wissenschaft und der Kunst. Auch die Suche nach Sponsoren und Mäzenen eint Künstler wie Forscher.
Nun also Kunstausstellungen. In einer Umgebung, die wirkt wie ein leer geräumtes Wohnzimmer und die in der Tat ein leer geräumtes Wohnzimmer ist. Momentan zieren Werke von Christoph Feuerstein die Wände. Ein Künstler, der sich mit einem Glockengussmotiv für die Dresdener Frauenkirche an nicht unprominentem Platz verewigt hat.
Religiöse Kunst ist das durchaus, aber keine sakrale. Feuerstein hinterfragt Glaubenselemente, verknüpft eigene Gedanken, auch Zweifel unter ihnen, mit biblischen Geschichten. Dabei macht er es weder sich noch dem Betrachter einfach, der zwischen den bekannten Elementen christlicher Darstellung vieles findet, das auf den ersten Blick nicht dazu passt. Bruchzahlen beispielsweise oder Quadratwurzeln; Symbole für eine fehlende Ganzheit, für die Schwierigkeit auch, stets und ganz gottgerecht zu leben.
Die Thematik passt durchaus zu dem, mit was sich Wilde und Behnert von Berufs wegen beschäftigen. Denn zum alten Ägypten gehören natürlich zahlreiche biblische Anknüpfungspunkte, die ersten Spuren des Christentums führen selbstverständlich auch nach Ägypten.
Keine Hobbykunst
Doch es soll nicht ausschließlich Kunst mit einem Bezug zur Arbeit des Paares im Haus »Inselgarten« die Wände zieren. Feste Kriterien gibt es nicht. Das heißt, eines existiert doch: »Die Kunstwerke müssen professionell sein. Wir möchten nicht die Werke von Hobbymalern unter dem Etikett Kunst präsentieren.«
Dass die Entwicklung ein langsamer Prozess sein wird, ist Heike Wilde und Klaus Behnert klar. Aber vielleicht gelingt es ihnen ja tatsächlich, das Haus in der Bad Peterstaler Insel zu einer dauerhaften Oase der Kunst werden zu lassen.
Die Ausstellung »Sinn-Bilder« ist noch am Sonntag, 26. Dezember, von 13 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt im Haus »Inselgarten« zu sehen.

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Heike Wilde und Klaus Behnert mit drei Werken Christoph Feuersteins, die letztmals am Sonntag zu sehen sind.

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Veröffentlicht in Bad Peterstal-Griesbach

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