Blick ins nächste Jahrzehnt

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Meinrad Baumann über den Verkehr auf der B 28: »so sicher und so wenig belastend als möglich«.

 

Erst machten sich Landrat Frank Scherer, dann die Grünen-Politiker Alexander Bonde und Thomas Marwein vor Ort ein Bild von den vordringlichen Themen Bad Peterstal-Griesbachs. Die Verkehrsbelastung durch die B 28, die voraussichtlich noch ansteigen wird, gehört dazu Bürgermeister Meinrad Baumann erläuterte im Interview mit der ARZ seine Sichtweise zu zahlreichen Fragen rund um eine Verkehrsentlastung durch Lkw-Nachtfahrverbot, Geschwindigkeitskontrollen oder eine überörtliche Umleitung.
Sehen Sie die jüngsten Aktionen der Bürgerinitiative als hilfreich für das Ziel der Gemeinde an, dass der Verkehr »möglichst sicher und möglichst wenig belastend ist«?
Meinrad Baumann: Jede Aktion, die neue Lösungsansätze entwickelt und realistische Vorschläge hervorbringt, kann helfen. Sobald konkrete Vorschläge in der Gemeindeverwaltung eingehen, prüfen wir diese gerne.
Was halten Sie davon, dass sich Bürger erneut für eine Umfahrung einsetzen?
Baumann: Diese Bürger sprechen selbst von einer langfristigen Vision. Ich muss jedoch sehen, was im nächsten Jahrzehnt realistisch ist. Politik ist die Kunst des Machbaren. Bekanntermaßen halte ich eine Umfahrung für nicht realisierbar und auch nicht für sinnvoll.
Unterstützen Sie die Forderungen der Bürger und des Kulturstammtisches Bad Griesbach?
Baumann: Der Kulturstammtisch hat bisher keine konkreten Vorschläge in der Gemeindeverwaltung eingereicht. Diese würde ich natürlich gern prüfen, beziehungsweise in den Verkehrsausschuss einbringen.

Welche Forderungen stellt der Heilbäderverband bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans?
Baumann: Der Heilbäderverband weist bei den Lärmschutzplänen der Deutschen Bahn und bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans auf die besondere Erholungs- und Genesungsfunktion der Heilbäder und Kurorte hin und bringt Forderungen zum Schutze dieser Funktionen ein, insbesondere Lärmschutzmaßnahmen.
Sollte sich die Gemeinde gegen den zunehmenden Verkehr auf der B 28 zur Wehr setzen?
Baumann: Den Begriff »zur Wehr setzen« finde ich nicht so passend, denn die Gemeinde wird nicht angegriffen. Jeder von uns trägt Anteil am Verkehr, sei es als Fahrzeugführer oder Verbraucher. Die Gemeinde wird sich stets dafür einsetzen, dass der Verkehr so sicher als möglich und so wenig belastend als möglich ist.
Was halten Sie von der Forderung, den überörtlichen Schwerlastverkehr nur noch auf die Autobahnen A5 / A8 / A81 zu verlagern, um die Bundes- und Landstraßen im Tourismusgebiet Schwarzwald zu entlasten?
Baumann: Das wäre zwar schön, wenn der Schwerlastverkehr nur noch auf den Autobahnen anzutreffen wäre, dies ist jedoch nicht realistisch. Allerdings sollte die Politik über ein überregionales Verkehrslenkungskonzept für den Schwerlastverkehr nachdenken.
Warum ist der Verkehr auf der B 28 derzeit kein Thema im Rahmen des kommunalen Entwicklungskonzeptes?
Baumann: In den Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Kommunalen Entwicklungskonzepts ist der Verkehr derzeit kein Thema, weil die Verwaltung und der Gemeinderat dieses Thema selbst bearbeiten.
Was hat Sie veranlasst eine Sondermessung mit Schwerpunkt Lkw durchzuführen und welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Ergebnis?
Baumann: Wir wollten sehen, wie stark die Belastung durch Lkw in den Frühstunden ist. Das Ergebnis hat gezeigt, dass im Verhältnis wesentlich mehr Lkw beanstandet wurden als Pkw. Deshalb haben wir die Bußgeldbehörde um eine weitere Frühmessung gebeten.
Was erwarten Sie sich von einer weiteren Sondermessung?
Baumann: Wir wollen den Beanstandungsgrad der Lkw objektiv ermitteln und möchten wissen, ob die intensiveren Geschwindigkeitsmessungen greifen. Wir erwarten, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen mit jeder zusätzlichen Messung besser eingehalten werden.
Wie viele mobile Messungen wird es in Bad Peterstal-Griesbach pro Woche/Monat geben?
Baumann: In Gesprächen mit der Bußgeldbehörde wurde mir auf mein Bitten hin zugesichert, dass wesentlich häufiger gemessen wird. Dies kann ich bestätigen, denn ich werde über die Ergebnisse informiert. Ausdrücklich habe ich darum gebeten, dass auch zu ungewöhnlicheren Tageszeiten und auch am Wochenende »geblitzt« wird. Jeder Verkehrsteilnehmer sollte jederzeit mit Geschwindigkeitsmessungen rechnen. Es macht deshalb keinen Sinn, sich öffentlich über Details zu äußern. Dazu wäre auch nur die Bußgeldbehörde autorisiert.
Was halten Sie von einem Nachtfahrverbot für Lkw in Bad Peterstal-Griesbach?
Baumann: Die Ablehnung des Lkw-Nachtfahrverbots hat mich nicht überrascht, denn die Voraussetzungen hierfür sehe ich aktuell als nicht erfüllbar. Ich habe auch nie geglaubt, dass ein Lkw-Nachtfahrverbot so viel bringt, wie es sich manche erhofft haben. Das Nachtfahrverbot gälte ja nur für Lkw, die nicht geräuscharm sind, was ja inzwischen die allermeisten sind. Es wären also nur wenige betroffen. Gleichwohl wird unser Landtagsabgeordneter nochmals beim Regierungspräsidium nachfassen.
Stehen Sie mit den Bürgermeistern der Gemeinden in den benachbarten Tälern in Kontakt, um über eine Verlagerung des Verkehrs von der B 28 auf diese Strecken zu sprechen?
Baumann: Ich stehe in gutem Kontakt zu den Kollegen benachbarter Täler, allerdings mache ich keine Politik nach dem Sankt-Florians-Prinzip. Wir brauchen Lösungen, die für die gesamte Raumschaft akzeptabel sind.
2011 steht eine Erneuerung der B28-Fahrbahndecke an. In welchen Bereichen ist die Erneuerung geplant und wie lange werden die Arbeiten dauern.
Baumann: Wir hoffen auf eine zügige Erneuerung der Fahrbahn von Löcherberg bis zum Beginn der geschlossen Ortschaft Bad Peterstal und erwarten innerörtlich kleinere Ausbesserungsarbeiten. Über den Umfang und den Zeitplan der Arbeiten kann ich keine Auskunft geben, dies ist Sache des Regierungspräsidiums.
Wird die Gemeinde damit eigene Arbeiten an Ver- und Entsorgungsleitungen verbinden?
Baumann: Soweit notwendig, selbstverständlich. Sobald Straßenabschnitte asphaltiert werden, müssen in jedem Fall vorhandene Kanal- und Schieberdeckel angepasst werden. Diese Kosten gehen zu Lasten der Gemeinde.
Was will die Gemeinde tun, damit der Straßenbelag nicht zu zusätzlichen Fahrgeräuschen führt?
Baumann: Wir wollen weiterhin in gutem Kontakt mit dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt bleiben, um zu erreichen, dass auch die noch nicht erneuerten Abschnitte in den Ortsdurchfahrten baldmöglichst erneuert werden.
Ist das Gewölbe unter der B 28 in Bad Griesbach ausreichend verstärkt, um künftigen Verkehrsbelastungen standzuhalten – auch mit Blick auf die Durchfahrt von Gigalinern?
Baumann: Rund 20 Meter des Gewölbes im Bereich der Einfahrt zur Wilden Rench sind saniert worden. Der übrige Bereich war laut Gutachten eines Ingenieurbüros nicht sanierungsbedürftig.
Wie ist die Reaktion in Ihrer Gemeinde auf den Einsatz der neuen Gemeindevollzugsbediensteten? Parken die Verkehrsteilnehmer nun bedachter?
Baumann: Ich höre keine Klagen. Die Gemeindevollzugsbedienstete steht noch am Anfang und wird akzeptiert. Nach einer gewissen Zeit werden wir die Ergebnisse ihrer Arbeit analysieren.

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Kliniken und Hotels entlang der B 28, wie hier das Gesundheitszentrum St. Anna in Bad Griesbach, sind besonders gravierend vom zunehmenden Lkw-Verkehr betroffen.  

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Veröffentlicht in Bad Peterstal-Griesbach

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