Belegschaft kann aufatmen
Doll Fahrzeugbau: Keine betriebsbedingten Kündigungen nötig / Neuentwicklungen vorangetrieben
Wesentlich besser als befürchtet sieht es 2011 beim Oppenauer Fahrzeugbauer Doll aus. Das Unternehmen geht »gestärkt aus der Krise hervor« und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen.
Noch im Sommer herrschte fast schon gespenstische Ruhe auf dem Betriebsgelände von Doll Fahrzeugbau. Sie ist inzwischen wieder emsiger Betriebsamkeit gewichen.
Auch andere Dinge haben sich verändert – zum Positiven Das betrifft insbesondere das Schicksal der Mitarbeiter, das nach der schwierigen Phase der Kurzarbeit im Sommer noch schlimmer zu werden drohte. Vor rund einem halben Jahr gab Doll Überlegungen bekannt, bis zu 90 Arbeitsplätze zu streichen (wir berichteten).
»Wir haben den Abgrund gesehen; wir waren sogar drin. Aber wir sind auch schnell wieder herausgekommen«, gibt Manfred Münch, der gemeinsam mit Brunhilde Rauscher-Doll den Vorstand der Familien-AG bildet, heute offen zu.
Lange war nicht klar, wie und mit welcher Belegschaftsstärke das Oppenauer Unternehmen aus der miesen Phase herauskommen könnte. Die Unternehmensleitung war zwar, so Rauscher und Münch, ständig auf der Suche nach Lösungen. Doch für die Zukunft ab Januar 2011 ergab sich erst vor Kurzem Klarheit.
»Es wird bei uns keine betriebsbedingten Kündigungen geben«, so Manfred Münch auf Anfrage der ARZ. 2011 wolle man 55 Millionen Umsatz machen, »etwas mehr als 2006«, so Münch; und weiter: »Dafür brauchen wir Vollbeschäftigung mit hoher Produktivität.«
Das bedeutet, dass Doll Fahrzeugbau mit etwa 380 Beschäftigten ins neue Jahr geht, einem Bestand, der fast jenen des Rekordjahrs 2008 erreicht. Unter ihnen sind 43 Lehrlinge und fünf, sechs Mitarbeiter, die die Krisenzeit genutzt haben und weiter nutzen, um sich fortbilden zu lassen.
»Wir sind dankbar«
Sowohl Brunhilde Rauscher-Doll als auch Manfred Münch sehen die Sicherung der Arbeitsplätze nicht als alleinigen Erfolg der Unternehmensleitung. Rauscher-Doll: »Wir sind dankbar, dass uns gemeinsam mit unserer Belegschaft, aber auch den Gewerkschaften und der Politik ein Schulterschluss gelungen ist.« Und Manfred Münch ergänzt: »Es haben alle geblutet.« Er meint damit insbesondere jene Kollegen, die Kurzarbeit 100 durchmachen mussten (siehe auch Hintergrund). Zudem verzichtet die Belegschaft auf Sonderzahlungen. Beide Vorstände sagen allerdings: »Dies wäre auch im Fall von Entlassungen auf dem Plan gestanden.«
Auch das Unternehmen selbst hat gelitten. »Wir haben nicht zuletzt dadurch überlebt, dass wir in den drei guten Jahren zuvor Eigenkapital angesammelt haben, das von den Gesellschaftern nicht angerührt wurde und von dem wir zehren konnten«, sagt Brunhilde Rauscher-Doll. Doch selbst heute noch liege man mit einer Eigenkapitalquote von knapp an die 25 Prozent in etwa auf dem Durchschnittswert der deutschen Wirtschaft. Brunhilde Rauscher-Doll: »Das macht eben einen echten Mittelständler aus!«
Und etwas Weiteres kommt hinzu: Die Zeit der Krise wurde für Neuentwicklungen genutzt. »Panther« heißt die patentierte Weltneuheit. Dabei handelt es sich um den ersten Auflieger mit Einzelradaufhängung. Die Raubkatze aus Oppenau ermöglicht pro Achse rund zwei Tonnen mehr Zuladung und eine vollkommen flexible Gestaltung des Aufbaus, wie Manfred Münch erklärt.
In die Tiefe gegangen
Im Zuge dieses Projektes konnten sich zum einen die Ingenieure des Hauses richtig austoben, zum anderen ging man bei der Fertigung erheblich in die Tiefe. Auch dies ein Baustein dafür, dass die Belegschaft gehalten werden konnte. Ebenfalls in die Krisenzeit fiel die Entwicklung des Restholztransporters »Energy«, der mit einem Pressdruck von 100 Tonnen laut Doll die stärkste mobile Presse auf dem Weltmarkt darstellt.
»Diese Neuentwicklungen haben in der Krise unsere Verluste zwar erhöht. Aber für 2011 haben sie die Voraussetzung geschaffen, erfolgreich abzuschneiden«, so Münch. Und Brunhilde Rauscher-Doll betont: »Wir gehen aus dieser schweren Zeit mit einer gestärkten Fabrik hervor.«
STICHWORT
Standort Sachsen
Mit einer Belegschaft von 35 Personen und drei Auszubildenden geht der Standort Sachsen ins neue Jahr. Dort wird sozusagen das Basis-Segment bei den Aufliegern gebaut: einfachere, aber qualitativ hochwertige Aufbauten. In Oppenau wird das High-Tech-Segment gebaut, zudem läuft dort die komplette Entwicklung.
HINTERGRUND
»Es sind Wunden entstanden«
Rein wirtschaftlich hat Doll Fahrzeugbau die Krise gut gemeistert. Und auf den ersten Blick kommt auch die Belegschaft noch glimpflich davon. Allerdings wissen es Brunhilde Rauscher-Doll und ihr Vorstandskollege Manfred Münch besser. Münch: »Als wir die Gespräche wegen der Kurzarbeit 100 führten, mussten wir einen Vertrauensbruch den Mitarbeitern gegenüber begehen.« Man habe den Menschen in deren Augen signalisiert: »Du bist verzichtbar.«
Dies mache sich bei manchem nach der Rückkehr in den Betrieb bemerkbar. Brunhilde Rauscher-Doll: »Da sind bei vielen Wunden entstanden, die ihre Zeit zum Heilen brauchen.«
Der »Panther« (Foto) wurde in den Zeiten der Krise entwickelt. Nun soll er zur Erholung der Zahlen beitragen. Daran wird nun verstärkt gearbeitet.
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