Zu Martin waren drei Körbe Obst fällig
In Mösbach herrschten vor einigen hundert Jahren andere Sitten / Dorf galt stets als fruchtbar / 2011 wird Mösbach 625 Jahre alt.
Was »Hermannus de Mestbach« vor 625 Jahren dazu sagte, dass auf seinen Grund und Boden Steuern erhoben wurden, ist in der Mösbacher Dorfchronik nicht überliefert. Sicher ist, dass besagter Bauer und die »Steuererklärung« des Straßburger Hofgerichts vom 13 Februar 1386 Zeugen des bislang ältesten Datums sind, das den Ortsnamen mit Brief und Siegel einer Urkunde des Klosters Allerheiligen belegt.
Darin steht, dass der Edelknecht und Schultheiß von Gengenbach, Cuntzemann von Bärenbach, und seine Frau anlässlich des Eintritts ihrer Tochter in die Klause zu Oberhof dieser in Mösbach und Renchen »Gülten« schenkte. Eine »Gült« steht im System der Grundherrschaft für eine Abgabe der Bauern an den Grundherrn, die von einem Stück Land erhoben wurde. Im Detail ist dann vermerkt, wie viel »Jeuch« (altes Feldmaß) auf den Äckern von besagtem Hermannus und weiteren Bauern in Mösbach und Renchen unter die schöne Schenkung für den einen und die unliebsame Steuerlast für den anderen fielen.
Von halben Hähnchen
In »Mestbach parochie (Pfarrei) Ulme« sind es vier Jeuch (etwa ein badischer Morgen) auf den Ammenbrunnen und der Freisung, zwei Jeuch am Kirchweg und an der Seite zum Kalwenhof, ein Jeuch in der Cunzelerin Bünd sowie anderthalb Jeuch ientlang eines Weges zu »letzten Hof«. In der Urkunde werden auch die rechtlichen Bestimmungen über die Abtretungen gemäß der in Straßburg üblichen Bedingungen aufgelistet und was jährlich zu »Martin« abzuliefern ist: »Vier Viertel Weizen, l4 Pfennig, einen halben Kappen (kastrierter Hahn) und drei Körbe mit Obst«. Die älteste überlieferte Namensform lässt sich als »Bach des Mesto« deuten, Mesto ist ein Personenname.
Erhaltenswertes
»Es gibt immer wieder Ereignisse in der Geschichte eines Dorfes, die verdienen, festgehalten zu werden«. Dies schrieb der frühere Acherner Oberbürgermeister Winfried Rosenfelder anlässlich der 600-Jahr-Feier in die Dorfchronik, die Texte von Heinrich Hund, Josef Fahrländer und Oskar Oberle beinhaltet.
Der damalige Ortsvorsteher Josef Wilhelm stellte fest, dass das Jubiläum nicht dem eigentlichen Alter der Ansiedlung entspreche und Mösbach viel älter sei. Dessen ungeachtet verfüge man über einen schriftlich verbrieften Zeitraum und den Namenshinweis in einem Dokument, das sich im Generallandesarchiv befindet. Die Chronisten schreiben, dass Mösbach bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zum weltlichen Gebiet des Hochstiftes Straßburg gehörte. Die Gemeinden Erlach, Haslach, Mösbach, Stadelhofen, Tiergarten und Ulm bildeten das Gericht Ulm, sie waren dem Oberamt in Oberkirch unterstellt.
Der Ort muss damals schon sehr beliebt und fruchtbar gewesen sein, denn Herrschaften erhoben von Matten und Äckern Zinsen, richteten Lehen ein oder verlehnten Anwesen wie 1440 den »Kalwenhof« durch den Edelknecht Adam Kalwe von Schauenburg. Der aus Kappelrodeck stammende Priester Konrad Munthart richtete für die »Kappler« Kapelle eine Priesterpfründe und »füllte« sie auch mit »Gülten von Gütern zu Mösbach«. Genannt werden ein Pfund Pfennig von einer Matte sowie 22 Schilling von Heinrich Hedwigs Hofgut.
Wie nicht anders zu erwarten, so hatte auch das Kloster Allerheiligen in Mösbach Güter und konnte von den Bauern den Zehnten von ihren Erträgen erhoffen. Im Jahre 1555 brannte Mösbach vollständig ab und die Brandstifterin wurde in Ulm zum Feuertod verurteilt. Im Oberacherner Dorfbuch ist zu lesen: »Anno Domino 1555 zur Fastnacht ward Meschbach angestoßen und verbrent und hat eine fraw daselbig angestoßen und verbrent und volgentas auch mit dem Fewr zu Ulm gerichtet worden.«
Zug ins Achertal
Dass die Mösbacher schon immer gerne einen Zug ins Achertal hatten und wie die »Kappler« stets auch »uffmüpfig« waren, lässt sich 1799 belegen. So machten die Mösbacher Bauern mit denen von Kappelrodeck gemeinsame Sache und widersetzten sich den Franzosen. Wenn es zum Tagwerk ging, trugen die Bauern auch ihre Flinten mit aufs Feld. Zur Sicherheit standen auf dem Bergrücken zwischen Kappel und Oberachern die Beobachtungsposten, die Strohbüschel an hohen Stangen anzündeten, sobald sich die Franzosen von Önsbach her über den Rhinweg dem Dorfe näherten.
Die Bauern ritten auf bereit stehenden Pferden sofort zur Verteidigungsstellung. Die Flinten (Vorderlader) waren so schwer, dass sie von zwei Mann gehalten und abgefeuert wurden. So schossen einmal zwei Mösbacher Bauern einen General vom Pferde, die Schultern eines Bauern dienten als Unterlage für das Gewehr.
Brief und Siegel bestätigen den Namen von Mösbach und die Existenz eines Ortes mindestens vor 625 Jahren: Ortsvorsteherin Sonja Schuchter mit einer Kopie der Urkunde aus dem Kloster Allerheiligen.
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