Betroffenheit nach Anschlag

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Attentat in Alexandria sendet Schockwellen an Mädchenschule, die von Hubert Müller geleitet wird

Der furchtbare Terroranschlag auf koptische Christen in der Neujahrsnacht in Alexandria hat einen ehemaligen Sasbacher besonders erschüttert. Hubert Müller, der ehemalige Leiter der Heimschule Lender, arbeitet in Alexandria. Er ist tief betroffen.

 

»Ich wäre jetzt lieber an meiner Schule in Alexandria« Erst am kommenden Montag wird Hubert Müller aus Sasbach, der Schulleiter der Deutschen Schule in Alexandria, wieder an seiner »Alex« in Ägypten sein, wo nach dem verheerenden Anschlag in der Silvesternacht auf koptische Christen tiefe Betroffenheit herrscht.
Nahezu jeder der Schwestern, Lehrer und Schülerinnen kenne jemanden aus dem Bekannten- und Freundeskreis, dessen Familie von dem blutigen Anschlag mit 21 Toten betroffen ist. »Der Anschlag auf die Kirche in Alexandria hat uns alle erschüttert. Das Traurige ist, dass eine ehemalige Schülerin von uns, sie ist vor vier Jahren entlassen worden, mit ihrer jüngeren Schwester, der Mutter, der Tante und ihrem Sohn mit in den Tod gerissen wurden«. Diese furchtbare Nachricht aus Alexandria traf am Montag in Sasbach ein.
Telefonischer Kontakt
Seit dem 23. Dezember besucht Hubert Müller die alte Heimat, bis Donnerstag nimmt er gerade im Auswärtigen Amt in Berlin an einer Konferenz aller Direktoren der 140 deutschen Schulen teil. »Der Anschlag in Alexandria wird da sicherlich ein Thema sein«, so Müller, der in regem telefonischen Kontakt mit der Oberin, Schwester Claudia, und seinem Stellvertreter Egon Schäfer steht.
In der Schule würden viele Muslime nachfragen, wie sie helfen können. Bei den Menschen guten Willens sei die Solidarität zwischen Christen und Muslimen besonders im Umfeld der deutschen Schule sehr groß, so Hubert Müller. Dies habe am »Alex« eine lange Tradition. Vor den Weihnachtsferien sangen junge Muslima im Chor christliche Weihnachtslieder, während die Christinnen das Jahr über an Festen ihrer muslimischen Freundinnen teilnahmen.

 

Alle waren entsetzt
Die Schule begann am Montag wieder und alle waren entsetzt über das, was vor der koptischen Kirche geschah. Wie vor Beginn jedes Schultags versammelten sich Schülerinnen und Lehrer im Pausenhof zum Fahnenzeremoniell. Der Kammerchor habe ein »Kyrie eleison« gesungen, die Schwestern sprachen Fürbitten und Egon Schäfer appellierte an das Gute im Menschen und ein weiterhin friedliches und freundschaftliches Miteinander von Christen und Muslimen. Noch lange seien die Mädchen still und tief betroffen im Hof gestanden, bevor der Unterrichtsalltag wieder begann.
Normalität herstellen
Nach dem Anschlag habe sich Müller mit den Kollegen dafür entschieden, die Schule wieder zu öffnen, damit für die Schülerinnen einigermaßen Normalität einkehren, in den Klassen über den Anschlag gesprochen und der tiefe Schock aufgearbeitet werden könne.
»Der Anschlag bringt Christen und Muslime noch näher zusammen, zumindest in unserem Umfeld«, so Schwester Claudia, die vor allem von großem Mitgefühl muslimischer Eltern berichtete. Das Telefon stehe nicht still. Viele Spekulationen machten die Runde, wer hinter dem Anschlag stecke. Die offizielle Version gehe an die Adresse von Al-Kaida, doch auch im Januar 2009 wurden nach einem Gottesdienst in Oberägypten christliche Kopten erschossen.

STICHWORT
800 Schülerinnen lernen Deutsch
Seit dem Schuljahr 2008 ist der ehemalige Direktor der Heimschule Lender, Hubert Müller, Schulleiter in Alexandria. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus ist Träger der 1884 in Alexandria gegründeten Mädchenschule mit rund 800 Schülerinnen.
Deutsche und ägyptische Lehrer unterrichten in beiden Sprachen. Zu der katholischen Einrichtung gehören ein Kindergarten, eine Vorschule, eine Grundschule und ein Gymnasium. Etwa 20 Prozent der Schülerinnen sind Christinnen, der Rest Muslima. Im Sommer besuchte Hubert Müller mit 22 Mädchen und den Lehrerinnen die Heimschule Lender, im Sommer ist ein Gegenbesuch geplant.

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Christliche Schwestern sind Träger der deutschen Schule in Alexandria, an der überwiegend Muslima unterrichtet werden. Beide Religionen leben dort beispielhaft zusammen.

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Veröffentlicht in Sasbach

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