Mösbach war für Achern ein guter Fang

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Vor allem Renchen hätte den Ort gerne zu seiner Gemarkung gezählt / Anfang des 19. Jahrhundert ging es dem Dorf gut.

 

Ein gepanzerter Ritter hält in seiner rechten Hand einen Schild, in der linken eine Lanze. Mit diesem Bild und der Umschrift »Gemeinde Siegel Mösbach« wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die amtlichen Dokumente versehen. Der wehrhafte Ritter sollte wohl für die gebührende Autorität sorgen
Im Januar 1910 beantragte der Gemeinderat die Anfertigung eines neuen Siegels, das den damals schon bedeutenden Kirschenanbau repräsentieren sollte. Der Gemeinderat befürwortete Anfang Februar 1910 den Vorschlag, auf silbrigem Hintergrund drei rote Kirschen mit zwei grünen Blättern und einem schwarzen Zweig anzubringen. Bereits Ende Februar lieferte der Karlsruher Hofgraveur Klett die gestochenen Dienstsiegel.
Nach 1803 kamen die rechtsrheinischen Gebiete des Bistums Straßburg und damit auch Mösbach zum neu entstandenen Großherzogtum Baden. Trotz der leidvollen Kriegsjahre und dem von Napoleon auferlegten Joch durch Plünderungen, Zwangsauflagen und Rekrutierungen war diese Zeit für den Ort noch relativ gut.
700 Morgen Feld
Zwischen 1809 und 1812 wurden die bisher genossenschaftlich genutzten Waldgebiete aufgeteilt und das Großherzogliche Oberhofgericht in Mannheim beendete mit dem Beschluss vom 20. November 1811 den 600 Jahre dauernden Streit um den Kapellenwald, der bis heute »Strittwald« heißt und auf Ottenhöfener Gemarkung liegt. Mösbach wurde Eigentümer von 90 Hektar Maiwald, 79 Hektar Ulmhardt und 7,5 Hektar Strittwald. Zu Mösbach gehörten damals 700 Morgen Feld, aber nur 48 Morgen Matten, von denen allerdings die 600 Stück Vieh nicht gefüttert werden konnten.
Die Badische Gebäudeversicherung listete 1809 insgesamt 117 Gebäude auf, von denen etliche noch mit Stroh gedeckt waren. Doch in 24 Gebäuden wurde ein »Brennkössel« mit 150 Gulden versichert, was schließen lässt, dass auch damals kräftig edle Wässerle gebrannt wurden.
1862 Kirche geweiht
Den Mösbachern ging es gut, denn in den Gasthäusern »Pflug« und »Krone« gab es separate »Tanzhäuschen«, das Gebäude der heutigen »Linde« beherbergte Schule und Ratsstube. Die »unhaltbaren Verhältnisse« führten 1838 zum Bau einer Schule und am 29. Dezember 1862 wurde die erste Kirche geweiht.
Bedeutsam war das Jahr 1818, als die Gemeinde selbständig wurde und mit Johannes Spinner den ersten Vogt bekam. Der letzte Bürgermeister war Heinrich Hund, der nach der Eingemeindung nach Achern noch fünf Jahre Ortsvorsteher war. Ihm folgten Josef Wilhelm und Sonja Schuchter nach.
Mitte des 19. Jahrhunderts blieb auch Mösbach von Missernten und bitterer Not nicht verschont, so dass zwischen 1851 und 1861 rund ein Drittel der Einwohner nach Amerika auswanderte. Im Jahre 1855 erhielten die Mösbacher die Genehmigung zur Abtrennung von der Mutterpfarrei Ulm und zur Bildung einer eigenen Pfarrei. Vier Jahre später folgte die Zuweisung zum Amt Achern, doch die Trennung von Oberkirch sorgte für Zündstoff. Das führte dazu, dass am 22. Januar 1858 der gesamte Stadtrat von Achern in Mösbach erschien, um für die Neuordnung zu werben. Offensichtlich wussten die hohen Herren schon damals, dass sie mit dem »Dorf zwischen Obst und Reben« einen sehr guten Fang machen.
Aufschwung nach Krieg
Nach den verheerenden Weltkriegen mit vielen Gefallenen auch aus Mösbach war es das Verdienst der fleißigen Bauern und ihrer Bürgermeister Friedrich Bürk und Heinrich Hund, dass es aufwärts ging. In Hunds 15-jährige Bürgermeisterzeit wurden die Schule fertig, die Kanalisation im gesamten Ort verlegt, mehrere Baugebiete ausgewiesen, Straßen ausgebaut, Sportplätze, Kindergarten mit Pfarrei sowie die Raiffeisenbank mit Milcherfassungsstelle und Verkaufsladen gebaut.
Dass sich die Mösbacher 1973 mit zwei Stimmen Mehrheit für eine Eingemeindung nach Achern und gegen Renchen entschieden, zeigt, dass es damals sicherlich einige heiße Diskussion im Ort gab.

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Die Dorfstraße in Mösbach in früherer Zeit.

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Veröffentlicht in Mösbach

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