Was vor 200 Jahren aktuell war

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Für sein viertes Buch hat der Mösbacher Heimatforscher Max Dugrillon alte Rundschauen durchforstet


Der Acherner Heimatforscher Max Dugrillon veröffentlicht sein viertes Buch. Im Acherner Rathaus überreichte er OB Reinhart Köstlin ein druckfrisches Exemplar seiner immensen Fleißarbeit: »Das Badische-Anzeige-Blatt – Rundschau über Achern und Renchen mit ihren Dörfern in dem Wochenblatt des 19. Jahrhunderts«.

Der seit 1963 in Mösbach lebende Max Dugrillon hat bereits mit der Herausgabe der Schriften »Der Vogt zu Erlach«, »Auf den Spuren der Krotten« und der Auswanderer-Saga »Reverend Albert Th. Reininger« viele heimatgeschichtlich interessierte Leser gefunden. Dem neusten Werk gingen Jahre der Forschung voraus
5000 Zeitungen des »Großbadischen Anzeigen-Blattes« der Jahre 1795-1862 durchforstete Dugrillon im Archiv der Karlsruher Landesbibliothek. Der Autor entdeckte dabei das amtliche Mitteilungsblatt als »eine wahre Fundgrube für örtliche und regionale historische Informationen«. Dugrillon kopierte auf 240 Seiten nahezu alle Artikel und Meldungen, die sich mit der Region um Achern und Renchen beschäftigen. Die wichtigsten Fundstücke ordnete der Forscher in 18 Kapitel. Dabei erwies sich die Quellensammlung als Fundament für weitere intensive Erkundungen in Bibliotheken und Archiven.

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Max Dugrillon (rechts) schenkt OB Köstlin eine druckfrische Ausgabe seines neuesten Buches.

 Anfrage in London
So besuchte Dugrillon unter anderem die Pfarrarchive des Umkreises. Außerdem startete er zahlreiche schriftliche Anfragen, sogar bei der »British Library« in London. Die Recherche versetzte den Autoren in die Lage, jedes Kapitel sachkundig einzuführen. Dugrillon widerstand erfolgreich der Versuchung, eine bloße Kuriositätenschau abzuliefern. Vielmehr hinterfragte er die alten Berichte und stellte sie in den historischen Zusammenhang.
So erfährt der Leser viel Wissenswertes über Wassermühlen, Berufe, Bildung und Schule, das Militär und die Auswanderungen. Spannend sind die Kapitel Vagabunden, Kriminalität und Hinrichtungen gelungen. Wenn die nähere Umgebung hier wenig Spektakuläres bot, werden Fälle aus der Ortenau oder Baden vorgestellt

Beim Thema »Bürgermeister« fand er heraus, dass früher der Pfarrherr von Kappelrodeck den Schultheiß streng im Blick hatte. So habe der 1836 ins Amt gewählte Zölestin Epple »am Feiertag der Maria Geburt in der oberen Stube des Wirtshauses Prinzen« verbotenerweise »zum Klavierspiel getanzt«. Zwei Jahre später wurde dem Bürgermeister angekreidet, dass er eine Gerichtsverhandlung zur Zeit der Nachmittagskirche ansetzte. 1841 war wohl das Maß voll, da er die ledige Tochter Margaretha Nock »mit Faustschlägen öffentlich misshandelte«. Epples erneute Kandidatur hatte keine Chance, seine Stelle übernahm der Strumpfstricker Ignaz Wörner.
Unglücklicher Tod
In der Rubrik »tragische Unfälle« belegt der Autor, dass bereits die Wahl eines Bürgermeisters zu einen schrecklichen Ereignis werden kann. Als im März 1840 der neue Schultes von Großweier gefeiert wurde, »feuerte ein Bürger mit seiner Pistole gegen den Maien«, traf aber die neunjährige Tochter des Bruders des Bürgermeisters, die später verstarb.
OB Köstlin dankte dem Autor und erklärte, wie wichtig es sei, »die eigenen Wurzeln zu kennen«. Landrat Klaus Brodbeck wünscht im Vorwort, dass »dieses Buch eine zahlreiche Leserschaft findet«. Die 153-seitige, kartoniert lieferbare Publikation ist in einer Auflage von 250 Exemplaren erschienen. Es wird in den Acherner Buchhandlungen und in Renchen für 16 Euro angeboten

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/10293.jpgMax Dugrillon (rechts) schenkt OB Köstlin eine druckfrische Ausgabe seines neuesten Buches.  

 

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Veröffentlicht in Erlach

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