Der Beruf wurde zur Berufung

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Erlachs Rektor Jürgen Lüpke in den Ruhestand verabschiedet / »Am Gipfelkreuz angekommen«

Das aktive Arbeitsleben eines Lehrers, der seine gesamte berufliche Tätigkeit in Renchen und dem Ortsteil Erlach verbracht hatte, ging am 20. Juli zu Ende. Rektor Jürgen Lüpke wurde in den Ruhestand verabschiedet.

 

ei der Feierstunde in der Kronenhalle Erlach war nicht auszumachen, wer über den Ruhestand des langjährigen Schulleiters trauriger war – er selbst oder die Schüler »Als der Ruhestand noch in weiter Ferne lag, freute ich mich darauf«, gestand der scheidende Rektor, »mit jedem Tag, den der Termin aber näher rückte, schwand die Freude«, bekannte ein Mann, dem sein Beruf schon längst zur Berufung geworden war. Lüpke hatte es verstanden, die kleine Erlacher Grundschule mit vier Lehrkräften in den Ort zu integrieren. Das bestätigten sowohl Bürgermeister Bernd Siefermann als auch Ortsvorsteher Herbert König.
»Schrot und Korn«
Lüpke war ein Lehrer von rechtem »Schrot und Korn«, das konnte man allen Ansprachen und Dankesworten entnehmen. Mit den Kindern musizierte er, brachte ihnen Singen bei, wie der 40-köpfige Schülerchor bewies. Wanderungen wurden unternommen, dabei die Natur kennengelernt. Für Lüpke war es auch ein Anliegen, die Vereine zu unterstützen, sie im Rahmen der von der Landesregierung angestrebten Kooperation Vereine/Schule in das Schulleben einzubinden.
Traurige Kinder
Richtig traurig waren die Kinder, dass es künftig einen Jürgen Lüpke in der Erlacher Grundschule nicht mehr geben wird. Kaum in einem anderen Ort wird die Zusammenarbeit der Schule mit allen anderen Einrichtungen gepflegt, wie in Erlach, das wusste auch Bernhard Peschke, Leiter des Amtes für Schule und Bildung beim Landratsamt. Die Schule sei im Dorf integriert, sagte Peschke und sie komme ihrem Bildungsauftrag in hervorragender Weise nach.
Ein weiter Weg führte den 1943 in Sachsen-Anhalt geborenen Lüpke über Köln und Karlsruhe nach Renchen

Nach Abschluss von Studium und Ausbildung trat er im September 1969 in Renchen seinen Dienst an. Bezeichnend, dass die Schüler aus Lüpkes erster Klasse, die er als Klassenlehrer übernommen hatte, fast vollständig zur Verabschiedung erschienen waren.
Nach 20 Jahren Lehramt in Renchen übernehm Lüpke die Leitung der wieder eingerichteten Schule in Erlach. Seine lange Dienstzeit in der Grimmelshausenstadt erlaube es ihm heute die Erfolge seiner Schüler mitzuerleben. Führende Positionen in Banken und Industrie der ehemaligen Schützlinge zeigen, wie wertvoll die Arbeit Lüpkes war, unterstrich der Chef des Schulamtes.
Bildungsauftag integriert
Für den örtlichen Personalrat hob Astrid Tiede die Verdienste des scheidenden Rektors hervor, für die politische Gemeinde dankten Bürgermeister Bernd Siefermann und Ortsvorsteher Herbert König. Lüpke habe den Bildungsauftrag voll in das Gemeindeleben integriert.
Beruflich am Gipfelkreuz angekommen sei der Kollege, bescheinigte Ralf Moll, geschäftsführender Rektor der Renchener Schulen. Weitere Wege werden folgen, mit Golfen zum Beispiel werde der Ruhestand leichter zu ertragen sein, ging Moll auf ein künftiges Hobby des scheidenden Rektors ein.
Abschiedsschmerz
Pfarrer Albert Lehmann bezeichnete es als einen Segen, eine eigene Schule im Ort zu haben. Er dankte Lüpke für dessen Arbeit. Peter Ullrich freute sich, dass der Rektor ein enges Verhältnis zu den Vereinen gehabt habe. Wendelin Huschle dankte für die erste Klasse, die Lüpke in Renchen unterrichtet habe. Dank kam auch vom Elternbeirat, ehe Barbara Huber, die die Veranstaltung eröffnet hatte, den Schluss einläuten konnte. Zuvor allerdings kamen die Dankesworte des scheidenden Rektors, die auch von aufkeimendem Abschiedsschmerz Lüpkes geprägt war.

 

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