Vom Kirschen- ins Fischerdorf
Die ehemalige Mösbacherin Claudia Bürk ist nun Schriftstellerin an der spanischen Costa Dorada
Nennt man den Erzengel Michael und ein misshandeltes Mädchen mit mystischen Erscheinungen in einem Satz und bringt im selben Atemzug noch den Acherner Ortsteil Mösbach in Zusammenhang, dann kann einem das sprichwörtlich spanisch vorkommen – und trifft damit exakt den Punkt: Claudia Bürk, in den 70er- und 80er-Jahren im Kirschendorf aufgewachsen, lebt und arbeitet heute als Schriftstellerin an der spanischen Küste, wo gerade ihr zweiter Roman entsteht.
Warum führte Sie Ihr Weg vor über zwei Jahrzehnten nach Spanien?
Bürk: Zuerst wollte ich Missionarin werden und deshalb für einige Zeit auf ein Kloster in Zamora, der Heimatregion meiner Mutter Juanita, gehen. Dann aber lernte ich einen jungen Mann kennen, den ich später heiratete. Nach einigen Jahren trennten sich unsere Wege wieder – aber mein Leben war mittlerweile ganz auf Spanien ausgerichtet, so dass es für mich unvorstellbar war, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Heute lebe ich in Cunit bei Tarragona, einem kleinen Fischerdörfchen direkt an der Costa Dorada in Katalonien im Nordosten Spaniens.
Kommen sie ab und zu nach Mösbach zu Besuch?
Bürk: Ja, aber ich war schon einige Jahre nicht mehr da. Seit mein Vater Franz verstorben ist und wir dort auch keine feste Bleibe mehr haben, fällt es mir schwer, dort zu sein.
Warum?
Bürk: Vieles erinnert mich dort an ihn und es macht mich traurig, wenn ich heute das Haus sehe, in dem ich aufgewachsen bin und gleichwohl zu wissen, dass ich dort nicht mehr hingehöre. Aber natürlich spielt auch der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Durch meine Arbeit bin ich oft zu Promotion-Aktionen für andere Schriftsteller unterwegs
Und aktuell stehen die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für meinen eigenen Roman im Vordergrund. Ich habe aber fest vor, bald einmal wieder nach Mösbach zu kommen. Demnächst ist ein Klassentreffen geplant – es wäre natürlich toll, meine Mitschüler nach so vielen Jahren wieder zu sehen. Ob ich es schaffen werde, dabei zu sein, weiß ich heute noch nicht.
Wie kamen Sie auf die Idee, Bücher zu schreiben?
Bürk: Irgendwie hatte ich schon immer eine Art »Schreibzwang«. Schon als Kind schrieb ich Kurzgeschichten über Gespenster und hatte schon seit vielen Jahren das Ziel, Schriftstellerin zu werden.
Und wann haben Sie damit begonnen?
Bürk: Den Anstoß, dies wirklich umzusetzen, fand ich erst nach dem Tod meines Vaters. Auch er schrieb viel und korrigierte nebenbei Romane für einen Verlag. Zu Schulzeiten spornte er mich immer an, nicht so viele Rechtschreibfehler zu machen. Auf diese Weise wollte ich es meinem Vater »beweisen«, wollte ihm sagen »so Papa, wenn du mich jetzt von oben sehen kannst, weißt Du, dass ich fähig bin, so gut zu schreiben wie Du«. Also fing ich an, Texte in Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet zu veröffentlichen und bekam dafür auch einige Auszeichnungen.
Wann erschien Ihr erstes Buch?
Bürk: Mein erstes Buch erschien 2008 unter dem Titel »Desde el penúltimo rincón de mi espejo«, das heißt übersetzt: »Aus dem vorletzten Winkel meines Spiegels«. Es enthält Kurzgeschichten, Gedichte, Philosophisches und Gedanken und ich widmete es ganz meinem Vater.
In Kürze wird Ihr zweites Buch veröffentlicht...
Bürk: Ja, das ist richtig. Es ist mein erster Roman mit dem Titel »Las nueve ventanas de Jeanne Bardèot« (übersetzt: »Die neun Fenster der Jeanne Bardèot«) und ein Mystery-Thriller. Seit letztem Jahr ist das Manuskript beim Grup Lopher Verlag. Wenn alles nach Plan läuft, wird er gegen Ende dieses, oder Anfang nächsten Jahres erscheinen. Es ist ein langwieriger Prozess, bis ein Buch schließlich im Handel ist – meist dauert es über ein Jahr.
Ihre Werke erscheinen bislang in spanischer Sprache. Ist es geplant, dass Ihr Roman in anderen Sprachen – beispielsweise in deutscher Übersetzung – veröffentlicht wird?
Bürk: Momentan nicht. Natürlich hoffe ich, dass der Roman den Lesern gefällt – und wenn er Erfolg hat, wird vielleicht auch eine Übersetzung in andere Sprachen interessant. Mein Verlag deutete mir kürzlich an, dass eine deutsche Veröffentlichung in Betracht gezogen würde, wenn Interesse besteht. Ich selbst würde mir aber – und das gebe ich ehrlich zu – nach all den Jahren nicht mehr zutrauen, selbst die deutsche Fassung zu schreiben.
Zur Person
Claudia Bürk
Claudia Bürk wuchs in Mösbach auf und lebt heute in Spanien an der Costa Dorada.
Ihr erstes Buch »Desde el penúltimo rincón de mi espejo« (Aus dem vorletzten Winkel meines Spiegels) erschien 2008.
Der Roman »Las nueve ventanas de Jeanne Bardeot« (Die neun Fenster der Jeanne Bardèot) erscheint 2010/2011.
Claudia Bürk wuchs in Mösbach auf und arbeitet heute als Schriftstellerin an der spanischen Costa Dorada. Ihr erster Roman wird in Spanien in Kürze erscheinen.
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