Wer zahlt schon freiwillig mehr?
Der schwierige Weg der grünen Logistik / Weber: »Ein Schritt mehr auf dem Weg zur Nachhaltigkeit«
Ökologische Transporte auf der Straße? Geht das? Die Deutsche Post und DHL sagen es.
Mit »Go Green« versprechen die Deutsche Post und DHL, Briefe und Pakete klimafreundlich zu versenden, indem sie Klimaschutzprojekte unterstützen. Etwas Ähnliches gibt es jetzt auch im Kleinen Kürzlich bekam Gerold Weber Solartechnik einen Pufferspeicher und Solarmodule aus der Schweiz geliefert und glich erstmals die dabei entstandenen klimaschädlichen Gase mit dem Erwerb eines Klimazertifikats aus.
300 Kilometer Transportstrecke bedeuten etwa sechs Euro, die an ein vom WWF für gut befundenes Klimaschutzprojekt gehen. »Das ist ein Schritt mehr auf dem Weg zur Nachhaltigkeit«, ist Gerold Weber überzeugt. Sein Betrieb sei rundum darauf ausgerichtet, die Umwelt zu schonen. Deshalb sei er auf das Angebot der Spedition Wildt aus Ettenheim eingegangen.
»Das ist der erste Kunde, der mitmacht«, erklärt Gerd Wildt, Prokurist der mittelständischen Spedition. Sein Transportunternehmen setzt auf CO2-Vermeidung, -Verringerung und jetzt auch auf die Kompensation. Eine vom TÜV Süd zertifizierte Software versetzt sie in die Lage, für jeden konkreten Transport die genauen Emissionen zu ermitteln und sie auf Wunsch des Kunden auszugleichen. »Schade, dass noch niemand hinterherkommt«, meint Gerold Weber. Er sei gern bereit, den Aufpreis zu bezahlen. Gerd Wildt fühlt sich auf diesem Gebiet selbst noch wie ein Pionier. Die Reaktionen der Speditionskunden reichten von Euphorie bis zum Desinteresse, berichtet er.
»Wildt ist ein Vorreiter und schon ein Stück weiter als andere«, meint Stephan Ruppert, Produktmanager für die Routensoftware map&guide bei der Firma PTV in Karlsruhe, die die Grundlage für die genauen Berechnungen der Emissionen bildet
Das Programm sei bei vier- bis fünftausend Unternehmen im Einsatz, doch die meisten berechnen die Emissionen nur und liefern dem Kunden die Zahlen mit. Bei großen Ausschreibungen sei inzwischen meistens gefordert, eine Ökobilanz zu erstellen. Von einem echten »grünen Transport« könne man aber erst sprechen, wenn die Bewusstseinsänderung im ganzen Unternehmen stattgefunden habe.
»Die Branche will Nachhaltigkeit erreichen und das wird vorangetrieben werden«, glaubt Gerd Wildt. Deshalb seien die Fahrer seiner Spedition auf spritsparende Fahrweise getrimmt. Seine Flotte werde permanent auf abgasoptimierte Motoren umgestellt und sei teilweise schon besser als die Euro-5-Norm.
Gewisser Respekt
So weit kann auch Werner Bürck von der Acherner Spedition Bürck mitgehen. »Die Einhaltung der Euro-5, das ist unser Beitrag«, sagt er. Andere Möglichkeiten, »grüne Logistik« anzubieten, sehe er nicht. Die Wirtschaftlichkeit sei der Hauptgrund für Transportunternehmen, umweltfreundlicher zu fahren, glaubt auch Achim Benz, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Spedition Decker aus Achern. Denn je älter der Motor, desto höher liege die Maut. Bei Decker nehme man wegen einer Reihe von Spritsparmaßnahmen das Wort »grüne Logistik« nicht in den Mund. »Das wäre Schaumschlägerei«, so der Spezialist für Marketing und Vertrieb.
Der Vorstoß von Wildt nötigt ihm einen gewissen Respekt ab. An den Erfolg des Modells glaubt er aber nicht wirklich: »Ich kenne keinen Kunden, der bereit wäre, freiwillig mehr zu bezahlen.«
Das sieht man auch beim Bundesverband des Verkehrsgewerbes noch so. »Die Kunden, die bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, sind rar«, weiß Adolf Zobel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Die Emissionen über Klimazertifikate auszugleichen, sei ein tolles Modell, das aber nur gemeinsam mit dem Kunden umsetzbar werde.
STICHWORT
Grüne Logistik
Grüne Logistik meint den ökologisch nachhaltigen Transport von Gütern. Dazu gehören neben der Reduzierung von klimaschädlichen Abgasen durch eine spritsparende Fahrweise mit modernsten Motoren auch die Einsparung von Wasser und Strom. Leerfahrten zu vermeiden und eine optimale Routenplanung helfen nicht nur den Transportunternehmen in punkto Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Umwelt. Den unvermeidlichen Teil der CO2-Emissionen und anderer Schadstoffe am Ende auch auszugleichen, wird bei großen Konzernen bereits pauschal über Ökobilanzen praktiziert. Mehr Infos dazu unter:
www.verbraucherfuersklima.de.
Überzeugt von der »grünen Logistik« für mittelständische Unternehmen sind Gerd Wildt von der Spedition Wildt aus Ettenheim (links) und Gerold Weber aus Mösbach.
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