»Unsere Musik soll tief berühren«

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Peter Erdrich über Edith Stein und das Konzert, das ihr zu Ehren in Erlach gegeben wird

 

Unter dem Titel »Durst nach Leben« findet am kommenden Sonntag, 6. März, 18 Uhr, in der Pfarrkirche Erlach ein Konzert zu Ehren von Edith Stein statt. Das Programm gestaltet der Konzert-Chor der Stimmwerkstatt Oberkirch unter der Leitung von Peter Erdrich Er erzählt vorab im Interview, was ihn an Edith Stein fasziniert, wie das Thema des Abends musikalisch umgesetzt wird und wer zum Programm beiträgt.

Ω Ein Konzert zu Ehren Edith Steins – ist das eine Herausforderung für die Stimmwerkstatt?
Peter Erdrich: Im Vordergrund steht für mich weniger die Herausforderung als vielmehr die Inspiration, die es mit sich bringt, ein Konzert zu Ehren einer derart faszinierenden Persönlichkeit zu konzipieren und durchzuführen. Mit Sicherheit wird aber allen Beteiligten ein hoher Einsatz abverlangt.
Ω Wie ist die Idee zu dem Kirchenkonzert eigentlich entstanden?
Erdrich: Die Idee zu diesem Konzert hatte Pfarrer Lehmann aus Renchen gemeinsam mit dem Erlacher Pfarrgemeinderat. Edith Stein, die 1998 heilig gesprochen wurde, soll in dieser Gemeinde besonders geehrt werden und dieses Konzert schien den Zuständigen zu diesem Zweck besonders angemessen zu sein. Herr Öhler, der Pfarrgemeinderatsvorsitzende, hatte den Konzert-Chor bei unserem Konzert 2003 in Ringelbach erlebt und war so begeistert, dass er uns bereits im vergangenen Jahr vom Fleck weg engagierte.
Ω Wen möchte man mit dem Programm ansprechen?
Erdrich: In erster Linie ist das Konzert für die Erlacher Pfarrgemeinde gedacht, sozusagen als eine Möglichkeit, mit dem Leben und Wirken von Edith Stein in Kontakt zu kommen

 

Darüber hinaus wenden wir uns aber an alle, die sich durch unsere unkonventionelle Art, Kirchenkonzerte zu gestalten, angesprochen fühlen. Bei der Konzeption lege ich immer besonders großen Wert darauf, das Programm möglichst interessant zu gestalten. So werden Texte und Musik, Kompositionen aus verschiedenen Musikstilen, Chorwerke und Solistisches, vokale und instrumentale Improvisationen zu einem abwechslungsreichen Miteinander zusammengefügt. Es wird also nicht nur auf hohem Niveau musiziert, wir bringen unsere Musik den Konzertbesuchern auf eine Weise nahe, die tief berührt. Dies bekommen wir von unserem Publikum immer wieder bestätigt.
Ω Was fasziniert Sie an Edith Stein?
Erdrich: Besonders faszinierend für mich ist zum einen Edith Steins Leidenschaft für das Wesentliche und zum anderen ihre Fähigkeit, zu verbinden. Immer auf der Suche nach dem Sinn und Urgrund des menschlichen Daseins, war sie als wissenschaftlich erfolgreiche Philosophin und Lehrerin, als politisch aktive Frauenrechtlerin und als Gott in der Stille begegnende Mystikerin leidenschaftlich engagiert. Als gebürtige Jüdin und spätere katholische Ordensschwester schlägt sie Brücken zwischen den Religionen. Mit ihrem Glaubensübertritt wandte sie sich nicht ab von ihrer Tradition. Als sie 1942 von der Gestapo verhaftet wurde, sagte sie zu ihrer leiblichen Schwester: »Komm, wir gehen für unser Volk.« Im gleichen Jahr wurde sie in Auschwitz aufgrund ihrer jüdischen Abstammung vergast.
Ω Wie greifen Sie das Thema musikalisch auf?
Erdrich: Edith Stein selbst hat keine Musik geschrieben. Es gibt aber eine Vielzahl von Gedichten und Gebeten, die von ihr stammen. Unser Konzertprogramm besteht zu großen Teilen aus Musik, die speziell zu diesen Texten komponiert wurde. Darunter befinden sich auch einige Kompositionen und Chorbearbeitungen aus unseren Reihen. Ansonsten greifen wir Elemente jüdischer und christlicher Musik auf und setzen sie in Beziehung zueinander. Mit unseren Improvisationen beleuchten wir die mystisch meditative Seite im Leben von Edith Stein.
Ω Wer wirkt alles mit am Programm?
Erdrich: In erster Linie wird der Konzert-Chor der Stimmwerkstatt zu hören sein. Dieser Chor setzt sich hauptsächlich aus meinen Gesangschülerinnen und Gesangschülern zusammen. Besonders wichtig ist uns ein homogener und ausdrucksstarker Chorklang, daran wird in den Proben unermüdlich gearbeitet. Den Orgelpart übernimmt dankenswerterweise wieder mein Bruder Michael Erdrich. Er ist ein vielseitig begabter Musiker, ein einfallsreicher Improvisator und kennt sich selbst mit der Chorarbeit bestens aus. Somit ist er die ideale Besetzung für diese Aufgabe. Ich selbst werde den Chor dirigieren, aber auch als Sänger und Saxophonist solistisch auftreten. Auch einige Chormitglieder werden solistische Aufgaben übernehmen.
Ω Sie treten ja öfters in Kirchen auf. Wie ist die Akustik speziell in der Erlacher?
Erdrich: Da sprechen Sie einen wunden Punkt an. Leider ist die Akustik in Erlach für Chormusik nicht ideal. Bedingt durch den relativ kleinen Raum fehlt es etwas an Nachhall, der dem Chor das Gefühl vermitteln könnte, getragen zu sein. Der Klang ist dadurch sehr direkt und verzeiht auch nicht die kleinste klangliche Unebenheit. Ich bin aber sicher, dass wir diese Herausforderung, wie auch schon im letzten Jahr, meistern werden.

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Veröffentlicht in Pfarrgemeinde

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