Sommerpfarrer kommt seit 25 Jahren
Nach einem Vierteljahrhundert verbinden Antoni Tomkiewicz auch Freundschaften mit Ulm
Der Ulmer Sommerpfarrer Antoni Tomkiewicz ist in diesen Ferien zum 25. Mal in der Pfarrei »St. Mauritius« zu Gast. Dort hält er während der Urlaubszeit seelsorgerisch die Stellung.
| Mit ruhigem Gewissen kann Pfarrer Albert Lehmann am Samstag seinen Urlaub antreten. Er weiß seine Schäfchen in besten Händen. »Das ist sehr wohltuend«, sagt er denn auch bei einem Pressegespräch im Ulmer Pfarrbüro Wie seit 25 Jahren hält nämlich auch in diesem Sommer wieder Antoni Tomkiewicz seelsorgerisch die Stellung. Dafür will ihm Albert Lehmann danken. Früher war Antoni Tomkiewicz nur Stellvertreter in Ulm, gelegentlich auch in Haslach – »Hasli«, wie er mit polnischem Akzent sagt. Mittlerweile ist er in den Ferien für die gesamte Seelsorgeeinheit Renchen zuständig, zu der neben der Pfarrei »St. Mauritius« Ulm auch »Heilig Kreuz« Renchen und »St. Anastasius« Erlach gehören. Rektor an der Uni Antoni Tomkiewicz ist seit 37 Jahren Priester und promovierter Theologie. Was er im »normalen« Leben, also jenseits von Ulm, macht, ist ihm nur häppchenweise zu entlocken. »Nicht so bescheiden, sagen Sie ruhig, was sie so alles machen«, fordert ihn auch die Ulmer Pfarrsekretärin Pia Meier auf, über seine Arbeit zu erzählen. | Kennen und schätzen sich seit Jahren (von links): Pfarrer Albert Lehmann, Pfarrer Antoni Tomkiewicz und Pfarrsekretärin Pia Meier |
»Ich bin hier der Sommerpfarrer«, sagt Tomkiewicz dann und, dass er in Polen keine eigene Gemeinde habe, sondern an der Katholischen Universität in Lublin tätig sei – und zwar am Institut für Familienwissenschaft, das er vor 14 Jahren gegründet habe und wo er über Familien- und Ehepsychologie doziere. 1000 Studenten gebe es dort mittlerweile. Und ganz nebenbei fügt er auch noch an, dass er zwischenzeitlich Rektor sei.
Er selbst habe Pastoraltheologie, Psychologie und Pädagogik studiert. Der Spagat zwischen der Wissenschaft in Lublin und der Basis in Ulm falle ihm nicht schwer. »Die Umstellung ist kein Problem
Die Menschen und ihre Probleme sind überall gleich«, sagt er – und: »Nur die Sprache ist etwas anders.«
Tomkiewicz’ osteuropäischer Akzent, der ein wenig an den früheren Papst erinnert, ist nicht zu überhören, aber sein Deutsch ist perfekt. Wo er das gelernt hat? »Ich bin ein Amateur«, sagt er. Früher sei er viel mit dem Zug gefahren. Zehn, zwanzig Stunden, da habe er Zeit zum Studium der Sprache gehabt. Heute fährt er mit dem Auto. Auch die rund 1600 Kilometer von Lublin nach Ulm. »Die ersten 200, 300 Kilometer sind schwierig, aber dann bin ich in Schwung«, so der 62-Jährige, der die Strecke auch schon in einem Ruck genommen hat. Meist aber legt er unterwegs Zwischenstopps ein, weil er irgendwo irgendwas zu erledigen hat. So auch dieses Mal, wo er an einer Tagung ich Eichstett teilnahm. In Ulm landete er schließlich am Mittwoch.
Dass er überhaupt hierhergekommen sei, ist Pfarrer Lothar Butscher zu verdanken. Ihn hat Tomkiewicz in den 80er Jahren in St. Georgen bei Freiburg kennengelernt und als Urlaubsvertretung für Ulm angeheuert. Seit 1982 verbrachte der polnische Seelsorger so im Schnitt vier Wochen pro Jahr im Renchtal. Auch wenn er seinerzeit davon ausgegangen sei, es handle sich um Ulm an der Donau.
Weltoffen und fröhlich
»Er ist ein gern gesehener Gast bei uns«, sind sich Pfarrer Lehmann und Pfarrsekretärin Meier einig. Als »weltoffen« und mit einer »tiefgründigen Fröhlichkeit, die aus dem Glauben heraus resultiere«, beschreibt Lehmann seinen polnischen Mitbruder und sagt: »Ich freu mich immer, wenn er kommt.« Freude herrsche aber auch bei den Katholiken in der Seelsorgeeinheit, zu denen Tomkiewicz mit den Jahren freundschaftliche Kontakte geknüpft hat. So habe er schon des Öfteren Besuch aus dem Renchtal in Lublin empfangen.
Auch wenn Tomkiewicz seine Zeit in Ulm ein wenig als Urlaub begreift, er ist in den nächsten Wochen voll eingespannt – von Sprechstunden über Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen bis zu Beichten und etwaigen Beratungsgesprächen. Früher unter Pfarrer Serr, der etwas zeitiger in Urlaub gegangen sei, habe er auch noch Religionsunterricht gegeben. Langweilig wird es Antoni Tomkiewicz in den nächsten Wochen aber auch so bestimmt nicht. Und wenn doch, hat er vorgesorgt: »Ich habe noch Bücher mit. Ich schreibe Artikel und an einem Lehrbuch für Kommunikationspsychologie«, sagt der Rektor der Katholischen Universität im polnischen Lublin.
Kennen und schätzen sich seit Jahren (von links): Pfarrer Albert Lehmann, Pfarrer Antoni Tomkiewicz und Pfarrsekretärin Pia Meier