Schlechte Zeiten sind gute Zeiten
Dekan Hönlinger erkennt in der Entstehungsphase vieler Seelsorgeeinheiten Chancen zum Umbruch
Ein neuer Stil der Seelsorge bricht sich Bahn. Trotz Personalmangels sollen die Katholiken in Stadt und Land gut begleitet werden. Das Ergebnis sind Seelsorgeeinheiten. Sie bergen neue Chancen für alle Beteiligten – in der ganzen Bandbreite des Lebens.
»Ein Miteinander und Füreinander steht uns Christen gut an«, sagt Ludwig Hönlinger zum neuen Zeitalter in den Gemeinden. Er ist Dekan im Dekanat Acher-Renchtal, das 29 Pfarreien in der nördlichen Ortenau umfasst – vom Rhein bis zur Schwarzwaldhochstraße. Dort gibt es nur noch zwölf aktive Pfarrer Die Bildung von Seelsorgeeinheiten sei mehr als nur ein Ausweg aus der Misere. »Man lernt erst unter Druck. Die Zeiten, in denen es der Kirche schlecht geht, sind keine schlechten Zeiten für die Kirche.«
Die Zusammenarbeit mehrerer benachbarter Gemeinden und das verstärkte Engagement von Laien trage der Veränderung in der Gesellschaft Rechnung. Weil der Lebensraum der Menschen größer geworden sei und die Vielfalt ihrer Probleme auch, sei die Veränderung in der Seelsorge notwendig.
Dazu gehöre die Spezialisierung von Mitarbeitern der Kirche auf bestimmte Bereiche, in denen sie ihre Begabungen einsetzen können. Hönlinger sagt sogar: »Wenn der Personalmangel nicht wäre, würden die Pfarrgemeinden trotzdem kooperieren.«
Bereits seit Anfang 2002 üben die Seelsorgeeinheiten Achern-Stadt (Achern, Fautenbach, Mösbach und Oberachern), Achern-Land (Gamshurst, Großweier, Önsbach und Wagshurst), Oberkirch (Oberkirch, Ödsbach, Tiergarten, Lautenbach), und Renchen (Renchen, Erlach, Ulm) das Miteinander. Es folgte Oberkirch-Nußbach (Nußbach, Stadelhofen, Zusenhofen) im Mai 2002. Die Seelsorgeeinheit Achertal (Kappelrodeck, Waldulm, Ottenhöfen, Seebach) existiert seit Anfang 2004.
Noch nicht vollendet
Auf dem Weg zur Einheit sind derzeit Sasbach, Obersasbach, Sasbachried, Lauf und Sasbachwalden, die als Seelsorgeeinheit Lauf/Sasbachtal definiert sind
Noch nicht errichtet ist die Seelsorgeeinheit Oberes Renchtal mit Oppenau, Bad Peterstal und Bad Griesbach. Doch in naher Zukunft wird man auch dort mit einem Priester auskommen müssen, der mit einer Referentin die vielen Arbeitsfelder abdecken muss.
Pro 3000 Katholiken gibt es eine Personalstelle. Das bedeutet, dass die Seelsorgeeinheiten unterschiedlich besetzt sind. Achern-Stadt unter Nikolaus Böhler ist gut ausgestattet, weil Achern auch Ausbildungspfarrei ist. Hier ist Vikar Fritz Reinhart tätig, es arbeiten Pastoralreferenten und eine Gemeindereferentin mit. Achern-Land leitet Pfarrer Keller aus Gamshurst, er wird unterstützt von Dekan Hönlinger, der in Wagshurst lebt und innerhalb der Seelsorgeeinheit die neue Rolle eines Kooperators einnimmt. Das Team wird ergänzt durch Pastoralreferentin Ländler.
Die Katholiken im Achertal haben noch Pfarrer Faller und Pfarrer Benz, die sich die Einsätze teilen. Ein Vikar und zwei hauptberufliche Laien ergänzen das Team. In der Einheit Lauf/Sasbachtal wird Pfarrer Szeles unterstützt von Pastoralreferent Brock. Mitarbeit ist hier auch vom Spiritual des Klosters Erlenbad und vom Rektor von St. Pirmin gefordert. Im Sommer soll das Team durch einen Gemeindereferenten ergänzt werden.
Einige Pfarreien profitieren von der neuen Form, weil sie ein eigenes Gemeindeleben entwickeln – ohne den Pfarrer vor Ort. Andere tun sich schwer damit, dass weniger Gottesdienste gefeiert werden und das Engagement vieler gefragt ist, um etwa Firmunterricht oder die Gottesdienstgestaltung aufrecht zu erhalten.
»Die Seelsorgeeinheiten brauchen starke einzelne Gemeinden«, sagt Dekanatsreferent Martin Müller. Er bietet allen Interessierten Fortbildungen an. »Unsere Kurse sind ausgebucht«, kann er freudig vermelden. Seine Überzeugung: »Wir leben im Heute und es bricht etwas Neues an.«
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