Plädoyer für Rentengerechtigkeit
Tobias Benz und MdB Peter Weiß betrachteten die demoskopische Bevölkerungsentwicklung
Sichern die drei Säulen der Altersvorsorge die Rente? Oder müssen die Jungen bluten bis an den Rand des Existenzminimums? Gibt es überhaupt Generationengerechtigkeit? Diese und weitere Fragen versuchten am Mittwoch die Referenten bei der CDU-Veranstaltung im Gasthaus »Pflug« zu beantworten.
Tobias Benz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge von Bernd Raffelhüschen, betrachtete die demoskopische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland seit den letzten 100 Jahren. Grundsätzlich hänge die Geburtenrate von politischen Verhältnissen ab Stimmte die Alterspyramide noch vor 100 Jahren, so veränderte sie sich immer mehr und droht kopflastig zu werden.
Seit 1990 gehe es mit der Geburtenrate »bergab«. Grund ist das seit Anfang des 20. Jahrhunderts festzustellende Fruchtbarkeitsproblem. Der sinkenden Geburtenzahl steht die steigende Lebenserwartung gegenüber, die im Schnitt, von Generation zu Generation um fünf Jahre anwächst. »Jede fünfte Frau der geburtenstarken Jahrgänge, jede dritte Akademikerin, bekommt kein Kind«, sagte Benz.
An der demografischen Entwicklung lasse sich bis 2030 nicht rütteln, egal, ob die Geburten sprunghaft steigen oder die Lücke durch Zuzug von Migranten geschlossen werde. Vielen Neurentnern stünden wenige Jugendliche als Beitragszahler gegenüber.
Das deutsche Rentensystem beruhe auf der Umlagenfinanzierung, die sich unter Bundeskanzler Konrad Adenauer bewährt habe, da die Zahl der Neugeburten bei Weitem die der Rentenempfänger überstiegen hätte. Heute fließen die Beiträge der Jungen sofort in die Rentenversicherung. Hinzukommt ein Bundeszuschuss. Wie reagiert die Politik auf die demografischen Veränderungen? Seit 2001 gibt es eine umfassende Reform mit der dynamisierten, umlagefinanzierten Rente. Die Rente mit 67 reduziert das Bruttorentenniveau bis 2035 um 7,2 Prozent. Der Nachhaltigkeitsfaktor senkt das Rentenniveau um 12 bis 14 Prozent. Somit fällt das langfristige Bruttorentenniveau von 48 auf etwa 40, also um insgesamt 20 Prozent.
Drei-Säulen-Modell
Peter Weiß, rentenpolitischer Sprecher der CDU im Bundestag, plädierte für »Rentengerechtigkeit«. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand das »Drei-Säulen-Modell« der Altersvorsorge, bestehend aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge. Weiß prognostizierte, dass bis 2050 die gesetzliche Rentenversicherung nur noch 56 Prozent der Altersvorsorge ausmache. Ab 2012 kippe das Verhältnis: Dann gäbe es mehr 65-Jährige als 20-Jährige. Weiß ließ keinen Zweifel daran, dass die junge Generation mehr in die Rentenkasse bezahlen wird, als frühere Generationen.
Über Generationengerechtigkeit sprachen (von links) Peter Weiß (MdB), Michael Braun (CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzender), Ursel Spissinger (FU-Vorsitzende Oberkirch), Vera Huber (JU-Vorsitzende Oberkirch), Tobias Benz (Volkswirt) bei der CDU-Veranstaltung
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