Gusseisernes Grußwort an den Rathaus-Wänden
Drogerist Désiré Parisel bewahrte das Vermächtnis Renchtäler Bauernöfen
Von der Geschicklichkeit badischer und elsässischer Eisengießer und von biblischen Geschichten zeugen historische Ofenplatten, die im Oberkircher Rathaus ausgestellt sind.
Die Jahrhunderte überdauert haben historische Ofenplatten und ihre meist religiöse Botschaft. Ein leidenschaftlicher Sammler der Kunstgegenstände war der im Jahr 2000 verstorbene Oberkircher Drogist Désiré Parisel. Einen Großteil der 100-teiligen Sammlung übergab er seiner Heimatstadt Sie hängen als gusseisernes Grußwort im Treppenhaus des Rathauses sowie im Heimatmuseum.
Die Platten gingen in ihrer Gestaltung und ihren Motiven mit der Zeit. Sie repräsentieren Kunstepochen wie die Renaissance, Barock, Biedermeier und die klassizistische Epoche. Die älteste Platte aus der Sammlung Parisel stammt von 1583. Sie gehört zu den Platten mit neutestamentlichen Motiven, bei denen unter anderem die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana dargestellt ist, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelt. Auf anderen Platten mit alttestamentlichen Motiven wird unter anderem das Schicksal Absaloms dargestellt, der sich gegen seinen Vater David wandte und auf der Flucht von Jakob erstochen wurde.
Die zweite Plattengruppe trägt Wappen verschiedener Art. Es sind heraldische Platten, die aus der Zeit des Absolutismus stammten. Auf Französisch heißt es: »Vive le roi et la reine« (»Es lebe der König und die Königin«). Dazu kommt die bourbonische Lilie, Engel und ein üppiges Rankenwerk.
Als dritte Gruppe folgen Platten mit Motiven, die der Klassik entnommen sind. Hier finden sich die römische Göttin der Fruchtbarkeit mit dem Füllhorn, aber auch der Liebesgott Amor mit Köcher und Pfeilen und der muskelbepackte Held Herkules im Kampf mit dem Löwen. Viele Platten zeigen durch einen Kranz, der die Darstellung umschließt, und das beigefügte Figurenensemble, dass sie aus derselben Hütte stammen. Auch die Firma Linck Holzverarbeitungstechnik Oberkirch hatte noch in den Nachkriegsjahren eine kleine Hütte.
Wie aber kam Désiré Parisel zur Ofenplattensammlung, seiner eisernen Bibel? Die Geschichte ist rasch erzählt. Schon Großvater Hermann Parisel war ein leidenschaftlicher Sammler. Als seinerzeit die Renchtäler Bauernhöfe modernisiert und die mächtigen Öfen achtlos heraus gerissen wurden, wurden Eisenplatten frei, mit denen findige Bauern Wasser- und Güllelöcher abdeckten. Jetzt schlug die Stunde der beiden Parisel, die sonntags mit Familie im Umfeld von Bauernhöfen spazieren gingen und mit dem Spazierstock durchs Laub fuhren. Wenn es klirrte, waren sie wieder fündig geworden. Der Rest war Verhandlungssache.
Heute verwalten die Geschwister Friedrich und Julita Parisel als Nachkommen die wertvollen Fundstücke. Auch ihnen ist es ein Anliegen, die Glaubensbotschaft der Ofenplatten mit der Bevölkerung zu teilen. Deshalb stellen sie der Stadt Oberkirch die Sammlung weiterhin zur Verfügung.
Ofenplatten erzählen im Oberkircher Rathaus biblische Geschichten – wie die der Begegnung des Propheten Elia mit der selbstlosen Witwe von Sarepta.
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