Leitkuh Resi machte mächtig Zicken
Weideabtrieb von Tiroler Hütte wurde zum kleinen Volksfest / Sommerweide trägt zu Offenhaltung bei
Dass Kuh Resi vor dem Weideabtrieb in das warme Winterquartier in »’s Dolle Frieders Hof« am Samstag etwas zickte und sich den schönen Kopfschmuck nicht anlegen ließ, machte die übrigen Vorderwälder-Kühe nicht scheu So bekam eine andere Kuh die Kopfzier nach alpenländischer Tradition angelegt, die Herde stufte die von Friedrich Doll auserkorene Leitkuh Resi zurück in die letzte Reihe und danach konnte der Abtrieb von der Sommerweide bei der Tiroler Hütte auf dem Breitenbrunnen in das Winterquartier auf dem Hagenberg in aller Ruhe beginnen. Nur Hirtenbub Richard vom Huber-Hof hatte wieder einmal den Weideabtrieb verschlafen.
Die Tradition des Abtriebs auf dem Hagenberg wird seit 33 Jahren gepflegt und hatte in diesem Jahr so viele »Treiber« wie selten zuvor. Denn neben den zwölf offiziellen Hirten hatten sich bei der Tiroler Hütte gut 150 Personen eingefunden, um unter der Leitung von Stefan Doll mit den zehn Kühen und Jungrindern den gut sechs Kilometer langen Weg anzutreten.
Auch Jungbauer Lukas Doll (7) ließ sich den Weideabtrieb nicht entgehen, erledigte seine Treiberaufgaben prima und bekam dafür vom Opa auch ein dickes Lob. Denn keines der Tiere büxte aus und die Bremsergruppe vor der Herde und die Hirten an den Flanken leisteten ganze Arbeit, so dass die Vorderwälder-Kühe auch die steilen Passagen gut meisterten und alle wohlbehalten in den Stall einmarschierten. In »’s Dolle Frieders Hof« wurden Herde und Treiber von den Windecker Alphornbläsern mit alpenländischen Klängen empfangen, bevor die Musiker das urige Scheunenfest bereicherten
Tal wird offen gehalten
Seit über 30 Jahren beweidet der Landwirt Friedrich Doll die Bergweide, pflegt damit eine alte Tradition und leistet einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Denn durch die Weidewirtschaft wird dafür gesorgt, dass ein Tal bei der Tiroler Hütte kultiviert und offen gehalten wird.
Hier lebten und arbeiteten einst auch Köhler und Holzfäller aus Tirol und die Bauern aus Sasbachwalden hatten einen Bürgernutzen. Ende Mai 2010 hatten die Vorderwälder, ein typisch Schwarzwälder Vieh, die Hochweide bezogen und verbrachten danach Tag und Nacht auf der saftigen Weide.
Der Bauernhof von Friedrich Doll kann noch auf eine weitere Besonderheit verweisen. Denn er ist einer der wenigen Höfe in Sasbachwalden und der Region, die auf eine über 300-jährige Geschichte zurückblicken; auch der Familiennamen der Hofbauern blieb erhalten. Dies wies der Heimatforscher Markus Bruder in der Chronik der Familie Doll nach, deren Name erstmals 1660 als Erblehensbesitzer auftauchte.
Der Hagenberg war ursprünglich Eigentum der Freiherren von Röder mit dem Stammsitz Burg Hohenrode (Brigittenschloss), doch Geldmangel und die unwirtliche Lage ihrer Burg waren der Anlass, ihren Besitz nach und nach zu verkaufen. Im Jahr 1341 verkauften sie den Hagenberg mit der Schönbüch links des Sasbaches und Oberhäusern an das Kloster Allerheiligen, das dann das Gelände verachtet. Darauf wurden vier Erblehenshöfe erbaut und dieses Lehen wurde von Generation zu Generation weitervererbt.
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