Kraft zu einem neuen Leben

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Menachem Mayer und Fred Raymes sprechen in der Heimschule Lender über die Deportation der Juden

Die Zeitzeugen »Menachem & Fred« gedachten an der Heimschule Lender der Deportation der badischen Juden.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20788_1.jpg»Man muss das Böse stoppen, bevor es zu wachsen beginnt.« Die Antwort der Überlebenden des Holocaust Menachem (Heinz) Mayer und Fred Raymes (Manfred Mayer) war kurz und prägnant, nachdem ein Lenderschüler von den aus Hoffenheim deportierten Brüdern deren »Botschaft an die jungen Menschen« wissen wollte »Die heutige Generation hat Verantwortung, sich für eine bessere Welt einzusetzen«, betonte Menachem Mayer. Er verdeutlichte wie sein Bruder, wie wichtig neben der Übernahme von Verantwortung gegen das Böse die Erinnerung an eine Zeit sei, in der unfassbare Grausamkeiten geschahen und Millionen jüdischer Menschen ermordet wurden.
Vor 70 Jahren »judenfrei«
Die Lender-Schulleiter Lutz Großmann und Petra Dollhofer zeigten sich sehr dankbar über die Begegnung mit den Zeitzeugen aus Israel und den USA. Beide sind in Deutschland, um daran zu erinnern, wie vor 70 Jahren das Baden für »judenfrei« erklärt und wie Tausende badischer Juden auch die Familie des Synagogendieners Karl Mayer und Mathilde Mayer am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südfrankreich deportiert wurde.
1938 wurde die Synagoge von Hoffenheim in der »Reichskristallnacht« zerstört, die Thorarollen zerrissen und alles kurz und klein geschlagen. Während die Eltern in Auschwitz getötet wurden, entkamen 48 Kinder dem Sterben, weil die Eltern bereit waren, sie Hilfsorganisationen anzuvertrauen. Darunter waren Heinz und Manfred Mayer, die bei der Trennung von den Eltern acht und elf Jahre alt waren. Nach dem Krieg gingen sie in Israel und den USA verschiedene Wege und verloren sich für 30 Jahre aus den Augen

Dass ihre Geschichte in Deutschland bekannt wurde und eine einmalige Wirkungsgeschichte über das mit dem »Viktor Klemperer Preis« ausgezeichnete Projekt »Sehen, was war – die Geschichte zweier jüdischer Brüder« der Heimschule Lender bis zu deren Partnerschaft mit einem Gymnasium in Jerusalem nahm, ist mit ein wesentliches Verdienst von Doris und Matthias Uhlig.
Das Ehepaar lebte von 1983 bis 1995 in Hoffenheim. Matthias Uhlig war dort Pfarrer und befasste sich mit dem dunklen Kapitel in der Hoffenheimer Geschichte, in der der Name Emil Hopp, Vater des TSG Hoffenheim-Mäzens Dietmar Hopp (SAP-Gründer) und seiner Geschwister, erscheint. Der Lehrer Emil Hopp war auch SA-Truppenführer, der am 9. November 1938 mit anderen SA-Männern zur Synagoge marschierte und diese zerstörte. Es kam zur Versöhnung zwischen den Familien Hopp und Mayer, und Familie Hopp unterstützte die Herausgabe des Buches.
Die israelischen Regisseurinnen Ofra Tevet und Ronit Kerstner drehten einen Dokumentarfilm mit dem Titel »Menachem & Fred«, der bei der Berlinale 2009 einen Preis erhielt.
Die Tränen standen Menachem Mayer, Fred Raymes und deren Partnerinnen Nili Ronen und Lydia Raymes in den Augen, als Musikerinnen der Oberstufe Klezmer-Stücke spielten und der junge Lenderschüler Jakob Häuser (Leitung Ulrich Noss) in der Heimkirche ein jüdisches Volkslied sang.
Die Umarmungen mit Häuser und die Begegnungen mit jenen Schülern und Lehrern, die bereits Israel besucht hatten, waren überaus herzlich.
So viel Leid
»Ich hatte bis in die 70er Jahre meine ganze Vergangenheit verdrängt und vergessen«, meinte Menachem Mayer auf die Frage eines Schülers, woher man nach so viel Leid die Kraft zu einem neuen Leben nehme. »Deutschland hatte uns rausgeschmissen und uns ermordet«. Aber dass es Menschen gebe, die sich erinnern und eine bessere Welt schaffen wollen, mache das Leben wieder lebenswert, so Mayer.
»Ich habe keinen Hass, aber ich musste neu lernen, das Leben zu lieben«, meinte Fred Raymes, der sichtlich bewegt von der geplanten NPD-Demonstration im September 2010 in Hoffenheim und vom Protest vieler dagegen berichtete.

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Mit dem Lied »Dort, wo die Zeder schlank die Wolke küsst« brachte Jakob Häuser (Mitte) die Kinderzeit von Menachem Mayer (links) und Fred Raymes zum Klingen.

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Veröffentlicht in Sasbach

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