Eine Botschafterin der Versöhnung

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Inge Auerbacher erzählt Schülern der Robert-Schumann-Realschule aus ihrem Leben im Dritten Reich

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20789_1.jpgLebendigen Geschichtsunterricht mit einer Zeitzeugin, die den Holocaust als kleines Mädchen überlebte, erhielten die 230 Schüler der neunten und zehnten Klassen der Robert-Schumann-Realschule am Dienstagvormittag im Bürgersaal des Rathauses
Inge Auerbacher, in Kippenheim geboren und mit ihrer Familie und über tausend weiterer jüdischer Bürger nach Theresienstadt deportiert, berichtete über ihr Überleben in der Zeit der Nationalsozialisten. Rektor Friedrich Peter dankte der Referentin für »eine sehr denkwürdige Stunde«.
Oberbürgermeister Klaus Muttach begrüßte die Teilnehmer zu diesem wichtigen Thema. Auch aus Achern gab es in dieser unheilvollen Zeit Deportationen«, berichtete er und erzählte von der Familie Max und Johanna Hammel, die ihre Deportation im Unterschied zu ihrer Tochter Hannelore nicht überlebten. Nach ihr wurde in Achern eine Straße benannt.
Nach Gurs deportiert
»Und es geschah am helllichten Tag«, unter dieses Motto stellte Rektor Friedrich Peter die Ereignisse des 22. Oktobers 1940 in Baden, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, als 6500 Juden aus den Häusern geholt und nach Gurs in den französischen Pyrenäen deportiert wurden. Viele überlebten schon die ersten Wochen nicht, für die meisten war Gurs Zwischenstation auf dem Weg nach Ausschwitz und in andere Konzentrationslager. »Mir wurde das Leben geschenkt«, zitierte er Inge Auerbacher, die zusammen mit 13 Familienangehörigen den Holocaust in Theresienstadt überlebte. Nach dem Krieg arbeitete sie als Chemikerin in New York, wo sie seit 60 Jahren lebt.
Inge Auerbacher verstand es, die Schüler in ihren Vortrag einzubeziehen

Sie schilderte die Zeit ihrer Geburt Silvester 1934 in Kippenheim, ihr Elternhaus, und ihre »richtig deutsche Kindheit«. Ihr Vater war überzeugter Deutscher, wurde im ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und verwundet – aber dann kam die »Reichskristallnacht mit der Zerstörung von Synagogen, mit der Deportation von Männern ins KZ Dachau. Auerbacher erzählte vom Umzug nach Jebenhausen und Göppingen und vom Schulbesuch in Stuttgart. Als siebenjährige Mädchen wurde sie zusammen mit ihren Eltern und insgesamt 1200 Juden im August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ergreifend schilderte sie die Situation der Menschen dort – Krankheiten, Unterbringung, Verpflegung, das Krematorium, die Deportation der meisten Insassen nach Dachau, wo sie vergast wurden. Nach der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 8. Mai 1945 kam die Familie zunächst in ein Flüchtlingslager in Stuttgart und kehrte dann für kurze Zeit nach Göppingen zurück. Nur 13 der 1200 nach Theresienstadt deportierten Juden hatten überlebt, darunter Inge Auerbach und ihre Eltern. Insgesamt hatte sie aber auch eine Vielzahl naher Verwandter verloren.
Im Mai 1946 wanderte die Familie an Bord eines Flüchtlingsschiffs in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in New York nieder. Es folgte erneut eine schlimme Zeit, diesmal geprägt von schweren Erkrankungen. Dann studierte sie Chemie und Biologie und arbeitete 38 Jahre lang als Forscherin in einem Labor.
Die Gelegenheit, eine Zeitzeugin zu befragen, wurde intensiv genutzt. Wie es ihr gelang, diese Erlebnisse zu verarbeiten? »Ich bin ein positiv denkender Mensch«, so Inge Auerbach. Dabei helfe ihr auch die Fähigkeit, unangenehme Dingen wie den Judenstern auch anders zu sehen, wie in ihrem ersten Buch »Ich bin ein Stern« zum Ausdruck kommt.
Für Inge Auerbacher gab es zum Schluss begeisterten Beifall und ein Büchlein der Schüler, das sie mit Bildern und Texten zusammengestellt und ihr gewidmet hatten.

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In einem mitreißenden Vortrag schilderte Inge Auerbacher Stationen aus ihrem tragischen Leben.

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