Innovatives Spiel der Stadtkapelle
Galakonzert krönt das Jubiläumsjahr der Oberkircher Blasmusiker / Brausender Beifall des Publikums
Das Gala-Jubiläumskonzert der Stadtkapelle Oberkirch bescherte dem Publikum ein besonderes Klangerlebnis. Die Stücke waren abwechslungsreich ausgewählt, fernab ausgetretener Pfade.
Gute Musik verlängert das Leben, gab Moderator Reinhard Danner zu Beginn des Galakonzertes der Stadtkapelle zu bedenken. Aber ausgetretene Pfade? »Nein Danke!« sprach da Musikdirektor Zeno Peters Und so begann das Konzert mit einer gewaltigen »Klangexplosion«, die sich in »galoppierende Freudensprünge« verflüchtigte. Die Stadtkapelle startete mit der Konzertouverture »The Hounds of Spring« voll durch. Der 1921 geborene Komponist Alfred Reed ist Amerikaner mit österreichischen Wurzeln. Er lehnte sich bei dieser Musik stark an spätromantische klassische Vorbilder an. Die Stadtkapelle schöpfte die dynamischen Spannungsbögen aus und weckte große Erwartungen für den weiteren Verlauf des Abends. Es folgte die »Fantasia« des Amerikaners Claude T. Smith, ein Solokonzert, in dem Markus Treier und die Stadtkapelle Hervorragendes leisteten (wir berichteten).
Dem folgenden musikalischen Galopp für Blasorchester spürte man, dass er aus mitteleuropäischen Musik-Traditionen stammte. Der böhmische Komponist Evzen Zámecnik (*1939) verband böhmische Folklore mit »vertrackter« Rhythmik und erzeugte eine humorvolle Musik. Dass es der Stadtkapelle gelang, die verzwickten Rhythmen so leicht erscheinen zu lassen, spricht für ihre Meisterschaft.
Die Tondichtung »Vjenne« ließ vor der Pause nochmals die ganze Fülle der klanglichen Möglichkeiten einer guten Blasmusikkapelle bewundern. Der ungarische Komponist Frigyes Hidas (1928 - 2007) erzählt mit von der niederländischen Kleinstadt Vriezenween, ihrem Blasorchester und ihrer sozialen Harmonie. Die Musiker haben viele »offene Stellen« mit Ton gefüllt und auch das Tutti hat sehr wandlungsfähig und wärmend musiziert. Man begriff, warum Frigyes Hidas ein Lieblingskomponist von Zeno Peters ist. Im zweiten Teil erklangen bekanntere Melodien, aber keine lapidar schmelzenden Ohrwürmer.
Amüsantes Spektakel
Das musikalische Epos »In 80 Tagen um die Welt!« schilderte die fantastische Weltumkreisung der berühmten Romanfigur von Jules Verne. Dem 1967 in Niederösterreich geborenen Otto M. Schwarz ist es gelungen, die Orte des Erlebens symbolisch zu kennzeichnen und die Episoden zu einer spielfreudigen Orchestersuite zu vereinen.
Ein amüsantes Spektakel war die Inszenierung von »Voodoo«. Der amerikanische Schlagzeugprofessor Daniel Bukvich (*1954) verlangt, herkömmliche Konventionen aufzulösen, um eine Geisterweltfantasie zu erzeugen: Alle Lichter gehen aus und während des Stückes nur spärlich und gelegentlich wieder an. Musiker schreiten mit Taschenlampen ins Publikum. Schlagzeugklänge, Bläser-Klang-Bruchstücke und urige Gesangkreationen strömen aus dem Dunkel »sphärisch« auf das Publikum ein. Die Wirkung war enorm. Ob man Musik erlebte, wie Moderator Reinhard Danner bemerkte, muss dahingestellt bleiben. Jedenfalls erfreute dieses gut ausgetüftelte Spektakel auf eine belustigende Weise.
Bei den letzten drei Stücken konnte man sich zurücklehnen, es wurden keine extremen Spannungsfelder aufgebaut, aber es erklang würzige Musik. Die Tondichtung »Country Tales« des Niederländers Ton Verhiel (*1956) erzählte den Verlauf eines Festes. Verwundert nahm man im nächsten Titel die Klangwandlungen der Filmmelodie »Der dritte Mann« von Anton Karas wahr. Diese orchestrale Bearbeitung der Zither-Melodie arbeitete mit fülligen Klangfarben. Das Schlussstück »Danke Johannes«, eine Hommage an Johannes Heesters von Joseph Kanz, beendete ein großes, forderndes Konzert. Musikdirektor Zeno Peters und seine Stadtkapelle waren abwechslungsreich und innovativ. Sie erhielten brausenden Beifall, das Publikum bekam dafür zwei Zugaben.
In Gala-Form zeigte sich die Stadtkapelle Oberkirch bei ihrem Konzert in der Erwin-Braun-Halle. Für seine Leistung wurde das Blasmusikorchester mit brausendem Beifall belohnt.
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