»In manch schwarzem Anzug steckt ein rotes Herz oder eine grüne Lunge«
Alfred Baum über den Zweck, die Vorbereitung und Höhepunkte der Renchener Umwelttage
Ein Großereignis der besonderen Art steht den Renchenern am Samstag/ Sonntag, 18./19. September, bevor: die Umwelttage. Wir haben bei Alfred Baum, Sprecher des Organisationsteams, nachgefragt, wie die Vorbereitungen laufen, wie viele Gäste an dem Wochenende erwartet werden und wollten wissen, worauf er sich freut
Ω Die Umwelttage rücken immer näher. Macht sich unter den Verantwortlichen in den Agenda-Kreisen schon Nervosität breit oder haben Sie alles im Griff?
Alfred Baum: Nervös werden wir vielleicht, wenn es kurz vor den Umwelttagen eine Sturmwarnung oder etwas Ähnliches für unsere Gegend gibt, da in diesem Fall die Kutschen und Rikschas für den Personentransport innerhalb der Gewerbegebiete schlecht einzusetzen wären, aber ansonsten gibt es eigentlich keinen Grund und vom Organisatorischen her läuft es ganz gut.
Ω Wie liegen Sie im Zeitplan?
Baum: Obwohl sich einige Firmen erst recht spät angemeldet haben und auch Kinder- und Jugendgruppen nachträglich mit Projekten an uns herantraten, konnten wir alle unterbringen und so steht auch der große Stadtplan für die Umwelttage, auf dem alle Aktionen und teilnehmenden Firmen vermerkt sind, mitsamt den eingezeichneten Buslinien, die man den ganzen Tag für einen Euro – bzw. Kinder für 50 Cent – nutzen kann.
Ω Welche Arbeiten stehen noch an?
Baum: Die meiste Arbeit fällt direkt vor den Umwelttagen an, denn die komplette Sperrung der B 3, vom Ortseingang bis Ortsausgang, die Sperrung der Schwarzwaldstraße und die Sperrungen in Ulm und Erlach beschildert man mitsamt den Umleitungsstrecken nicht an einem Tag
Hier hilft uns jedoch die Mannschaft vom Renchener Bauhof und auch die Betriebe selbst werden die Agenda-Gruppen unterstützen. Außerdem wird die Samstagabendveranstaltung mit Franz Alt und Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, die an einer Podiumsdiskussion zum Thema »Nachhaltigkeit und Wirtschaft« teilnehmen, wohl noch einige Einsatzstunden von uns verlangen. Hier geht es um Fragen der Hallenausstattung, Parkplätze, Bewirtung und auch der Sicherheit. Mit der Firma Maschinen-Wagner GmbH, in deren Ausstellungshalle die Veranstaltung stattfindet, haben wir den idealen Partner und auch Sponsor gefunden. Das spezielle Ambiente einer modernen Fabrikhalle soll dabei die Diskussion in einen passenden Rahmen setzen.
Ω Neben den Agenda-Kreisen wirken noch Schulen, Vereine, Betriebe und viele andere Personen mit. Wie viele sind es insgesamt?
Baum: Es sind jetzt insgesamt 71 Firmen und Geschäfte an den Umwelttagen beteiligt. In 31 dieser Betriebe werden Kinder- und Jugendgruppen aus den Renchener Schulen und auch Kindergarten Projekte zum Thema »Jugend aktiv für eine lebenswerte Zukunft« präsentieren. Weiterhin sind auch die beiden Kirchen mit im Boot und werden einiges zum Thema »Nachhaltigkeit« aus sozialer Sicht vorstellen. Und zu guter Letzt noch die vier Agenda-Gruppen aus Renchen, die zusammen ein Organisationsteam wählten, das die anfallenden Aufgaben in die einzelnen Gruppen verteilt.
Ω Wann haben Sie eigentlich mit der Planung begonnen?
Baum: Im Januar 2003 wurde die Idee im Renchener Agendakreis Arbeit, Mobilität und Verkehr geboren, schon im Februar wurde sie dem Gemeinderat und Bürgermeister vorgelegt und stieß dort auf breite Zustimmung. Als dann im Spätsommer die Zusage über die finanzielle Unterstützung durch das Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft des Landes kam, war nicht nur ein Stein ins Rollen gebracht, sondern, mit der Last der Verantwortung diesen Zuschuss auch sinnvoll und nachhaltig zu investieren, kam es jetzt schon eher einem kleinen Erdrutsch für die aktiven Agendamitglieder in Renchen gleich.
Ω Lief denn immer alles glatt?
Baum: Am Anfang bedurfte es an manchen Stellen schon einiger Überzeugungskraft, doch die meisten Verantwortlichen in den Betrieben hatten schnell verstanden, welche Chance sich hier für sie bot, ihren modernen Betrieb bei solch einer Veranstaltung einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ein Bewusstsein und Verantwortungsgefühl für die Probleme des Umweltschutzes, der sozialen Nöte und deren wirtschaftlichen Konsequenzen ist bei allen teilnehmenden Firmen vorhanden und dies darf man nach außen auch darstellen. Gerade gegenüber der Jugend ist es meiner Meinung nach wichtig, zu dokumentieren, dass in manch schwarzem Anzug ein rotes Herz oder eine grüne Lunge steckt.
Ω Was waren die spannendsten Momente in der Vorbereitungsphase?
Baum: Das war sicherlich die Zusage des Ministeriums für die 10 000 Euro zur Unterstützung unseres Projekts, ohne die wir keine Buslinien hätten und die Zusage von Franz Alt, am Agendaforum am Samstagabend teilzunehmen.
Ω Warum fiel die Wahl gerade auf Franz Alt?
Baum: Weil er genau das verkörpert, was ich vorhin hinsichtlich Farbenlehre schon andeutete. Er kommt eigentlich aus dem konservativen Lager, ist jedoch in vielerlei Hinsicht ein Vertreter für Ideen, die zukunftsweisend sind und der politischen Meinungsbildung weit voraus.
Ω Auf wie viele Besucher sind Sie am 18. und 19. September vorbereitet?
Baum: Wir haben 20 000 kleine Holztäfelchen als Fahrkarten herstellen lassen, für die sich in den Agenda-Kreisen der Begriff »Plemberle« durchgesetzt hat, der von Wolfgang Bär eingeführt wurde. Kommen mehr Besucher, haben wir noch Agendastempel als Erkennungsmerkmal, kommen weniger, werden Wolfgang Bär und ich wahrscheinlich aus der Stadt gejagt, weil der Finanzplan dann nicht aufgeht. Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Orga-Teams, Heidi Janitschek, Klaus Felder, Gerhard Schitt, Thomas Krächtler, Birgit Faltin, Sabine Berger und Doris Schlecht, sind wir jedoch zuversichtlich, dass die Sache ein großer Erfolg wird.
Ω Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?
Baum: Für mich sind alle Sitzungen der Agenda-Kreise erfreulich, sofern sie gut besucht sind, denn wir sind ein so unterschiedlicher Haufen mit oft auch ganz unterschiedlichen Auffassungen. Aber letztendlich verbindet uns alle ein gemeinsames Ziel: nicht nur »rumzujammern« und zu lamentieren, sondern etwas zu tun und zu bewegen für unsere kleine Stadt, die wir als Grundlage unseres Wohlstandes und als Ausgangspunkt für unser sonstiges Engagement sehen. An den Umwelttagen freue ich mich auf viele interessierte und neugierige Besucher, die sich speziell an den Infoständen meines Unternehmens beraten lassen.
Termin
Das Organisationsteam der Umwelttage trifft sich am Mittwoch, 1. September, 18.30 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Renchen. In der öffentlichen Sitzung sind nochmals Vertreter aller beteiligter Gruppen (Unternehmen, Schulen, Vereine, Agendakreise...) eingeladen, letzte Details zu besprechen.
Umwelttage Renchen
Die Renchener Umwelttage 2004 am 18./19. September sind ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeitskreise der Lokalen Agenda 21 und der Stadt Renchen in Zusammenarbeit mit Betrieben, Schulen, Kindergärten, Vereinen... aus Renchen, Ulm und Erlach.
Neben einer betrieblichen Leistungsschau sowie Projekten von Kindergärten und Schulen bieten die Umwelttage am autofreien Sonntag (19. September) die Möglichkeit, mit Transportmitteln der etwas anderen Art (Kutschen und Rikschas) sowie mit Bussen für einen Euro durch Renchen zu gelangen. Eine interessante Eröffnungsveranstaltung erwartet die Gäste am 18. September, 20 Uhr, bei Maschinen-Wagner. Journalist Franz Alt referiert zum Thema »Ökologisches Wirtschaftswunder«. Anschließend gibt’s eine Podiumsdiskussion.