GmbH ist in trockenen Tüchern
Gemeinderäte von Oberkirch, Oppenau und Lautenbach stimmen für gemeinsame Tourismuskooperation
Den Weg für die Gründung der Renchtal Tourismus GmbH zum 1. Januar 2011 haben gestern Abend die Gemeinderäte von Oberkirch, Oppenau und Lautenbach freigemacht. Sie haben dem Vertragsentwurf zugestimmt.
Einstimmig hatte sich der Oberkircher Gemeinderat am Montagabend hinter die Gründung der Renchtal Tourismus GmbH (Arbeitstitel) gestellt. »Wir wollen die Kooperation«, machte CDU-Fraktionschef Michael Braun in seiner Stellungnahme deutlich. Sie komme allen drei Gemeinden zugute Seine Kollegen Hans-Jürgen Kiefer und Frank Hellstern, die für die SPD bzw. Freien Wähler sprachen, wollten ihm ebenso wenig widersprechen wie OB Matthias Braun. Er freute sich, »dass wir ein ganzes Stück weiterkommen im Tourismus.«
Auch Kiefer hofft darauf, dass die GmbH ein Erfolgsmodell wird, »auch wenn wir uns einen besseren Start gewünscht hätten.« Hellstern mahnte: »Wenn wir die Chance, die sich uns heute bietet, verstreichen lassen, werden wir wertvolle Zeit verschenken und weiter zurückfallen.« Er forderte eine überzeugende Vision für die Zusammenarbeit, ein klares Konzept und die Entwicklung eines »Wir-Gefühls« in Oberkirch, und zwischen den Partnern. Die CDU steht der Aufnahme von Nachbarregionen ebenso offen gegenüber wie einem Beitritt von Bad Peterstal-Griesbach. Gesellschafter sollen neben den Kommunen sowie Gastronomie- und Privatzimmervertreter auch drei Gewerbevertreter werden: die Oberkircher Winzergenossenschaft, die Mineralwasserbetriebe und das Fünf-Sterne-Hotel »Dollenberg«.
Längere Öffnungszeiten
Angeglichen werden die Öffnungszeiten der Servicestellen der GmbH, also den bisherigen Tourist-Informationen. Die Oberkircher Servicestelle wird künftig länger geöffnet haben, da die Zeiten aus Oppenau maßgeblich sind – einer der Synergieeffekte, die durch die GmbH entstehen.
Braun auf ARZ-Anfrage: »Wir erhalten für das gleiche Geld längere Öffnungszeiten.«
Oberkirch soll für 2011 laut dem Wirtschaftsplan knapp 304 000 Euro Umlage zahlen (bisher waren es 290 000 Euro). Lautenbach zahlt mit knapp 31 000 Euro knapp 4000 Euro weniger, Oppenau nur 108 000 Euro statt zuvor 200 000 Euro. Hinzukommen einmalige Investitionskosten in Höhe von 100 000 Euro für den neuen Internetauftritt, die Erarbeitung der Marke Renchtal und Neubeschaffungen. Sie teilen sich die Kommunen nach dem vorgesehenen Kostenschlüssel (siehe Stichwort).
Mehr Personal
Der Personalbestand wird sich von 4,66 Personen (Summe aller drei Orte) plus einem BA-Studenten auf 5,4 Kräfte plus zwei BA-Stundenten erhöhen. Noch nicht fix ist laut Braun, ob die bisherigen Kräfte zur GmbH wechseln (dann wären sie nicht mehr im öffentlichen Dienst) oder von den Kommunen abgeordnet werden. Eingeplant sind in Oppenau und Oberkirch ingesamt 3,0, in Lautenbach 0,4 Stellen plus eine Stelle fürs operative Geschäft (Geschäftsführer-Stellvertreter).
Neu eingestellt werden soll zum 1. April 2011 – oder eventuell früher – ein Geschäftsführer. Die Gemeinderäte haben die Ausschreibung am Montag genehmigt, auch wenn die CDU gerne schon zum 1. Januar in Amt und Würden gesehen hätte. Der Mann fürs operative Geschäft soll laut Satzung zunächst auf drei Jahre bestellt werden, eine Verlängerung der Amtszeit ist unbegrenzt möglich. Er soll laut Frank Hellstern »Qualität und politische Unabhängigkeit« mitbringen.
Bis er im Amt ist, wird es laut OB Braun keinen Interimsgeschäftsführer geben. In juristischen Belangen, beispielsweise bei der GmbH-Gründung, will Braun ihn in seiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender vertreten. Dieser Posten ist fest an den OB Oberkirchs vertreten, als Stellvertreter wechseln sich die Bürgermeister von Lautenbach und Oppenau ab.
Ob Bad Peterstal-Griesbach, wie ursprünglich geplant, eines Tages mit an Bord der GmbH kommt, ist laut Braun von der Kurgemeinde abhängig: »Peterstal ist am Zug.« Ein Beitritt könne aber nur zu den geschaffenen Bedingungen erfolgen. Sitz der GmbH und die Berechnung des Kostenschlüssels blieben durch einen Beitritt unverändert. Braun: »Ich bedauere, dass Peterstal nicht dabei ist, obwohl der Beitritt für die Gemeinde kostenneutral gewesen wäre.«
Über die Diskussion in Oppenau und Lautenbach berichten wir morgen ausführlich.
STICHWORT
Kosten und Sitze
Die Umlagen der Gemeinden für die Tourismus GmbH für 2011 berechnen sich nach einem Verteilungsschlüssel, in den je zur Hälfte die Einwohner- und die Übernachtungszahlen eingehen. Er soll laut Sitzungsvorlage alle zwei Jahre aktualisiert werden. Oberkirch übernimmt 68,70 Prozent des GmbH-Defizits, Oppenau 24,35 Prozent und Lautenbach 6,95 Prozent.
Die privaten Gesellschafter sind nur an der Stammeinlage der GmbH (50 000 Euro) beteiligt, nicht aber an den laufenden Kosten. Im 15 -köpfigen Aufsichtsrat haben die Kommunen neun (Oberkirch 4, Oppenau 3, Lautenbach 2) und die privaten Gesellschafter sechs Sitze (Gastgewerbe und Privatzimmervermieter 3, Gewerbe 3) Sitze.
Für touristische Sehenswürdigkeiten, wie die Allerheiligen-Wasserfällen in Oppenau, die Lautenbacher Wallfahrtskirche und die Schauenburg in Oberkirch, zu werben – das ist ab Januar eine Aufgabe der Renchtal Tourismus GmbH.
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