»Drehorgelweib« begeisterte die Zuhörer

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Evelis Reichardt zu Gast bei der literarisch-musikalischen Matinee im Café Glatt in Achern

Bei der jüngsten literarisch-musikalischen Matinee im Acherner Café Glatt war wieder einmal das »Drehorgelweib« Evelis Reichardt zu Gast und begeisterte mit ihren Gedichten und Liedern die kleine Zuhörerschar.

 

Lyrik, Sinnliches, Sinniges und Hintersinniges und natürlich ihre Drehorgelmusik trägt die gebürtige Berlinerin Evelis Reichardt mit großer Leidenschaft vor. Die Postbeamtin im Ruhestand lebt in Baden-Baden und ist Mitglied des Steinbach-Ensembles
Heuer hatte sie zum Thema »Humor« einiges beizusteuern. Im Gedicht »Humor und Witz« erklärt sie die Bedeutung dieser beiden »Geschwister«. Köstlich die Gedanken vor dem Spiegel, der auch bei Nichtgefallen jeden Tag die Chance bietet, sich neu zu »entfalten«. Die Tücken des Alltags wurden im Gedicht »Der Schlüssel« beschrieben. Zur Drehorgel beherrscht sie zarte und moderate Töne wie im »Sonntagsstück« von John Field, Dur und Moll, wie im berühmten »second Waltz« von Schostakowitsch bis hin zum kraftvollen Vortrag von Paul Linkes »ja, ja, das ist ein Geschäft«.
Die Wortspielereien des »Stadtpoeten« Klaus Huber haben Elke Rüttiger-Kähler zu einigen lustigen bis derben Kurzbetrachtungen dieser Art veranlasst. Das ging von der »Zeit« bis zu dem Tausendfüßler, der sich den 999. Whisky eingoss, weil man eben auf einem Bein nicht stehen kann. Die »Wasserlache und der kleine Fritz« sowie den »Pfarrer aus dem Wilden Westen« trug sie als gereimte Witze vor.
Friedhelm Dietsche aus Oberkirch hatte Gedanken über das Lachen, Humor und Ironie zusammengetragen und die Art, wie diese von der Antike von Aristoteles, Cicero und Sokrates bis hin zu Kant, Thomas Mann und dem Psychoanalytiker Freud aufgefasst und interpretiert wurden. Ein großer Naturarzt schließlich gipfelte in der Feststellung, dass Lachen die beste Medizin sei

 

Mütze als Pudelschreck
Sabine Senger aus Achern hatte Beobachtungen vom »gefiederten Platzhirsch« am Futterhäusle und von Opas Schildmütze als »Pudelschreck« in humoreske Reime gebracht.
Die hochmoderne Küche, die zum »Piepsen« ist, weil überall Knöpfe liegen, die offenbar den einen Zweck haben, Piepstöne zu erzeugen, beschreibt die »innerlich junge Frau« Elvira Schwarz aus Achern.
Ein Auto mit der Aufschrift »Kanal- und Rohreinigung« veranlasste Brigitte Gutmann zum Philosophieren darüber, was nun »roh« gereinigt werden soll. Weitere Beiträge befassten sich mit der Wohnqualität in »Wolkenkuckucksheim« und dem »Küchenloblied«. Auch wie es sich anhört, wenn Dichter ihre eigenen Werke lesen, war Gegenstand von Brigitte Gutmanns Überlegungen.
Sie stellte während der Veranstaltung auch den in diesem Frühjahr verstorbenen Satiriker Ephraim Kishon vor. Erstaunlich sei es, wie Kishon trotz traurigster und grausamster Jugend zum Satiriker geworden sei. 1924 in Ungarn geboren, habe er eine Odyssee in europäischen Konzentrationslagern überlebt, um schließlich zum einzigartigen humoristischen Darsteller des israelischen Alltag- und Familienlebens zu werden.
Entgegen anders lautender Ankündigungen findet im Juli keine Matinee statt. Die nächste Matinee ist am 18. September und hat das Thema »Reisen« zum Gegenstand.

 

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Veröffentlicht in Erlach

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