Bauplätze im Sonderangebot

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Bad Peterstal-Griesbach senkt Grundstückspreis in der »Schönen Aussicht« / Schleppende Nachfrage

Die Erschließung des Wohnbaugebiets »Schöne Aussicht« in Bad Peterstal wird zurückgestellt, bis sich mindestens acht Häuslebauer finden. Diese möchte die Gemeinde nun mit günstigeren Konditionen und neuer Werbekampagne locken.

 

Seit über sieben Jahren bietet Bad Peterstal-Griesbach im Neubaugebiet »Schöne Aussicht« 15 Bauplätze an. Doch nur ein Interessent machte bisher Nägeln mit Köpfen (siehe Kasten). In diesem Jahr kam ein weiterer Interessent für den Bauplatz Nummer 10 hinzu Zu wenig, um mit der Erschließung zu beginnen – will die Gemeinde nicht in Gefahr geraten, auf den Ausgaben sitzen zu bleiben.
Der Gemeinderat beschloss daher in seiner Sitzung am Montagabend, die Erschließung zurückzustellen. Sie war im Haushalt 2010 mit 394 000 Euro veranschlagt. Auch soll der Bebauungsplan vorübergehend keine Änderung erfahren, bis nicht die Wünsche vonseiten der zukünftigen Häuslebauer eingegangen sind.
Nachfrage ankurbeln
Dies sollte jedoch nicht als Entscheidung gegen das Wohnbaugebiet verstanden werden, das als »Filetstück« unter allen Baugebieten der Schwarzwaldgemeinde gesehen wird. Im Gegenteil. Mit veränderten Kaufbedingungen möchte die Gemeinde die schleppende Nachfrage ankurbeln. Sie ließ durch das Kommunalamt Offenburg prüfen, ob eine Senkung des reinen Grundstückspreises möglich ist, und erhielt grünes Licht.
Der Gemeinderat war sich einig, den reinen Grundstückspreis um über die Hälfte, von 57,50 Euro auf 24,96 Euro pro Quadratmeter, zu senken. Zum Kaufpreis zählt auch der Beitragsanteil, der durch Änderungen der Erschließungsbeiträge neu kalkuliert werden musste. Er liegt nun bei 85,04 Euro pro Quadratmeter. Unter dem Strich liegt der Verkaufspreis des Quadratmeters in der »Schönen Aussicht« daher bei 110 Euro – 30 Euro weniger als bisher.
»Wir passen uns den veränderten Bedingungen an«, erläuterte Bürgermeister Meinrad Baumann die Preissenkung

Er habe immer wieder vernommen, dass der Preis die potenziellen Interessenten abschrecke. Mindestens acht Häuslebauer sind jedoch nötig, damit die Gemeinde mit der Erschließung beginnen kann. In einer Kalkulation wurde deutlich, dass die Bauplätze 7 bis 15 verkauft sein müssen, damit die Erschließungskosten gedeckt sind. Höchstens auf einen günstigeren Bauplatz kann verzichtet werden, wenn der größte aller Plätze, die Nummer 15, den Besitzer wechselt.
Ein Ehepaar, das der Beratung des Gemeinderates lauschte, äußerte sich enttäuscht über diese Perspektive. Es befürchtet, zu lange warten zu müssen, bis es einen der Bauplätze erwerben kann.
Um die Wartezeit zu verkürzen und den Verkauf anzuheizen, startet die Gemeinde mit einer neuen, einjährigen Werbekampagne mit Werbetafeln am Ortseingang sowie Anzeigen in Internet und Presse. Die Gemeinderäte warfen während der Sitzung bereits scherzend einige Werbeslogans in den Raum. Als »nebelfreie Zone« pries SPD-Rat Franz Doll die Gemeinde, während CDU-Rätin Melitta Hörr die gute Luft und die verbesserte Erreichbarkeit über die Umgehungsspange Oberkirchs zufügte.
Auch die Förderbedingungen werden geändert. Familien können zwar weiterhin mit vergünstigten Preisen im Neubaugebiet »Schöne Aussicht« rechnen, doch diese sind neu festgelegt. So werden nur noch Rabatte für Kinder gewährt, die beim Kauf bereits geboren sind. Einen rückwirkenden Preisnachlass für Kinder soll es nicht mehr geben, da er der Verwaltung eine transparente Kalkulation erschwert. Für jedes Kind gewährt die Gemeinde einen Preisnachlass von fünf Euro pro Quadratmeter, höchstens jedoch 15 Euro.
Das Gremium zeigte sich zuversichtlich, dass die neuen Verkaufsbedingungen die Entwicklung der »Schönen Aussicht« fördern. Alleine SPD-Rat Franz Doll bezweifelte, dass der Preisnachlass die Nachfrage deutlich beeinflusst. Entscheidender sei die Lage des Baugebiets. So ließ er wissen, dass vor den Toren Freiburgs Grundstücke mit Quadratmeterpreisen bis zu 700 Euro weggingen »wie warme Semmeln«.

HINTERGRUND
Chronik des Baugebiets »Schöne Aussicht«
November 2001: Zur »Deckung des Bedarfs an Wohnbaugrundstücken« entscheidet der Gemeinderat, ein rund 1,5 Hektar großes Grundstück oberhalb des Tannenwegs in Bad Peterstal als »Allgemeines Wohngebiet« mit Ein- und Zweifamilienhäusern auszuweisen. Es wird auf den Namen »Schöne Aussicht« getauft und soll das »Filetstück« unter allen Baugebieten sein.

Dezember 2001: Das Planungsbüro Professor Hangarter arbeitet den Bebauungsplan mit 15 Bauplätzen aus. Von der Forststraße soll eine Erschließungsstraße abgehen, an der zwei Häuserreihen angrenzen. Die dritte Häuserreihe soll über die Zufahrtsstraße zum Wendelsberg erreichbar sein.

Februar 2002: Die Gemeinde stellt im Haushaltsplan 2002 Mittel zur Erschließung der »Schönen Ausicht« ein. Die Bebauung soll ab 2004 möglich sein.

April 2003: Das Offenburger Ingenieurbüro Weissenrieder stellt dem Gemeinderat Varianten des Entwässerungskonzeptes dar.

Oktober 2003: Der Gemeinderat beauftragt die Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH mit der Projektsteuerung und Erschließung des Neubaugebiets. Der Quadratmeterpreis wird auf 140 Euro festgesetzt. Bürgermeister Johann Keller betont, dass neun Bauplätze verkauft werden müssen, bevor mit der Erschließung begonnen werden kann.

April 2004: SPD-Gemeinderat Markus Ritter beantragt ein Verkaufskonzept.

Mai 2004: Der Gemeinderat stimmt Werbemaßnahmen in einem Wert von 4500 Euro zu. Zwei Werbeschilder am Ortseingang von Bad Peterstal, Werbung auf der Homepage der Gemeinde sowie Anzeigen in der Presse sind geplant. Die Baugrundstücke sind ausgesteckt.

Juli 2004: Werbeschilder werden installiert.

September 2004: Manfred Kirsch, einziger Bauinteressent, drängt zur besseren Vermarktung der Baugebiete. Gemeinderäte sprechen davon, dass die »gute Lage wie saures Bier angeboten wird«. Eine Senkung des Quadratmeterpreises schloss Bürgermeister Johann Keller aus. Die Einnahmen müssen die Ausgaben decken.

Oktober 2004: Die Räte Meinrad Bächle, Inge Bayer und Markus Ritter bewerben am »Tag der Deutschen Einheit« das Neubaugebiet.

Februar 2005: Bauinteressent Manfred Kirsch fordert die Verwaltung auf, die Homepage zu aktualisieren. Von einem Baustart 2004 könne keine Rede mehr sein. SPD-Rat Franz Doll spricht in der Gemeinderatssitzung von »ungenutzten Chancen« bei der Werbung.

Juli 2005: Manfred Kirsch, noch immer einziger Bauinteressent, schlägt vor, einen Arbeitskreis zu bilden, der das Marketing des Neubaugebiets in die Hand nehmen soll.

August 2005: Die Gemeinde beschließt, aufgrund des geringen Interesses die Vermarktungsoffensive einzustellen. Sie hat bis dato 13 000 Euro gekostet. Ortsvorsteher Leopold Zimmermann prüft eine Teilerschließung, die vom Ingenieurbüro Weissenrieder ausgearbeitet wird.

November 2005: Die Kommunalentwicklung LEG Baden-Württemberg erklärt die Teilerschließung für zulässig. Bauherr Manfred Kirsch unterzeichnet den Kaufvertrag als erster und bislang einziger Interessent.

2006: Eine Teilerschließung findet nicht statt, da sich keine weiteren Bauinteressenten finden. Für Manfred Kirsch wird eine Lösung erarbeitet. So wird sein Grundstück über den Tannenweg angeschlossen.

März 2010: Für die Erschließung des Neubaugebiets »Schöne Aussicht« werden 52 000 Euro im Haushalt 2010 eingestellt.

25. Oktober 2010: Der Gemeinderat ist sich einig, die Erschließung zurückzustellen, bis sich mindestens acht Interessenten gefunden haben. Nur so können die Ausgaben gedeckelt werden. Um die Attraktivität der Bauplätze zu steigern, wird der Quadratmeterpreis auf 110 Euro gesenkt.

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20825_1.jpg

Das Baugebiet »Schöne Aussicht« verspricht nicht zu viel: Unterhalb des Wendelinsberges ist freie Sicht nach Südost (großes Bild) und Südwest (kleines Bild).

Jetzt klicken und 10 Tage kostenlos Zeitung lesen

 

www.pricecrash24.com

 

Werbung

Veröffentlicht in Bad Peterstal-Griesbach

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post