Ausgebrannt sein – ein verbreitetes Gefühl
Karlheinz Bayer referierte beim Lions Club Oberkirch-Schauenburg über die verschiedenen Aspekte der Krankheit »Burnout«
Ins Schwarze getroffen hatte der Lions Club Oberkirch-Schauenburg mit seinem jüngsten Vortragabend, bei dem der Arzt Karlheinz Bayer über die Krankheit »Burnout« sprach. Der Gartensaal der »Oberen Linde« quoll förmlich über vor interessiertem Publikum.
Der Peterstaler Arzt Karlheinz Bayer, der auch in seinem beruflichen Alltag mit dem Phänomen »Burnout« zu tun hat, versuchte in verständlichen Worten eine Annäherung an das Krankheitsbild »Burnout«, das immer häufiger vorkomme, aber in seinen Grenzen letztlich kaum zu erfassen sei Deshalb auch der etwas provokante Titel seines Vortrags: »Burnout – Modewort oder Krankheit?«
Karlheinz Bayer beschrieb das Phänomen zunächst aus historischer Sicht. Namensgeber sei nämlich kein Arzt gewesen, sondern der berühmte amerikanische Poet Graham Green, der schon 1960 den Bestseller »A burnout case« geschrieben hatte. Eine medizinische Beschreibung der Krankheit lieferte dann 1974 der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Ihm sei mit Christina Maslach eine weitere Pionierin gefolgt, die die ersten Tests zum Erkennen der schwierig zu diagnostizierenden Krankheit entwickelt habe. Dabei scheine das Wort sich selbst zu erklären: Ausgebrannt sein ist ein verbreitetes Gefühl. Der Referent kreiste diesen allgemeinen Begriff in eine dreiteiligen Definition ein: Emotionale Erschöpfung, berufliche Selbstzweifel und Leistungsabfall. Damit sei aber auch klar, so Bayer, dass sich das Krankheitsbild nur auf das berufliche Leben anwenden lasse. Im familiären Bereich würde man von einer Depression sprechen. So gäbe es auch Berufe, die eher für das Krankheitsbild anfällig seien, als andere. An der Spitze nannte er soziale Berufe, wie Lehrer, soziale Betreuer oder Polizei und Militär. Die Folgen seien immer dieselbe: der Patient ziehe sich von den Menschen zurück bis hin zur Vereinsamung und zur Reduktion im beruflichen Engagement
Geben und Nehmen
Patienten, die diese Entwicklung bei sich spürten, reagierten oft mit Zynismus und Wutausbrüchen. Je differenzierter sich der Referent dem Thema näherte, desto schwieriger wurde es, auch für den Laien verständlich zu bleiben. Karlheinz Bayer löste dieses Problem durch eine souveräne Rhetorik, die auch einmal Vereinfachungen und Vergröberungen in Kauf nahm, um in einer bildhaften Sprache zu bleiben. Denn es ist nicht leicht, die Theorien des Burnout-Forschers Hobfoll dem breiten Publikum nahe zu bringen, der als Kern der Krankheit letztlich eine Störung der Ausgewogenheit von Geben und Nehmen ermittelte. Schließlich gewannen die Zuhörer den Eindruck, dass auch die Möglichkeiten der Therapie ebenso schwer abzugrenzen sind wie das Krankheitsbild selbst. Es gebe zwar Medikamente, so Karlheinz Bayer, letztlich empfehle er aber eine ausführliche psychotherapeutische Behandlung. Dabei kritisierte er auch scharf die Maßgaben von Politik und Gesellschaft, die immer mehr Leistung in immer weniger Zeit verlangten.
In der Diskussion erkundigten sich einige Gäste nach konkreten Problemen des Burnout-Syndroms. Ganz nebenbei erfuhr man auch, dass schon der alte Homer das Phänomen beschrieben hatte, ohne freilich den Namen zu kennen. Reger Applaus dankte Karlheinz Bayer, und Lions-Präsident Reiner Zimmerer hatte für dessen Mühen ein passendes Geschenk ausgesucht, das viele Glückshormone enthalten soll.
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