»Wir wollen so viel Service wie möglich für unsere Bürger vor Ort anbieten"

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann will das Grundbuchamt so lange in der Stadt halten, wie es der Gesetzgeber zulässt

 

Noch in diesem Jahr können die Vereine in ihr neues »Vereinshaus« in Renchen einziehen und die Gäste des Freizeitbades sich auf »beheiztes« Wasser freuen. Bürgermeister Bernd Siefermann ist im Interview mit der Mittelbadischen Presse überzeugt, dass beide Projekte 2007 verwirklicht werden
Ω Rückblickend auf 2006, wie fällt Ihre kommunalpolitische Bilanz für die Grimmelshausenstadt aus?
Bernd Siefermann: Ich denke, wir können zu Recht sagen, dass wir auch 2006 viel erreicht haben und die kommunalpolitische Bilanz daher als positiv zu bewerten ist. Beispielhaft möchte ich die Erweiterung der Grimmelshausenschule nennen, womit es uns gelungen ist, mittels eines optisch sehr ansprechenden und schülergerechten Gebäudes, den Schulstandort Renchen zu stärken. Außerdem haben wir durch die Baumaßnahme die Wanderklassenproblematik weitestgehend beseitigt.
Sehr erfreulich ist auch, dass wir es nach langer und schwieriger baurechtlicher Planungsphase geschafft haben, für unsere Senioren ein Pflegeheim im Herzen der Stadt zu errichten. Dem privaten Investor und Träger, Marcus Jogerst, gilt unser besonderer Dank.
Als positiv ist auch zu bewerten, dass die Erschließung des Baugebiets Braite Ost II in Ulm noch 2006 erfolgt ist und einige Bauherren mit der Verwirklichung ihres Traumes vom eigenen Heim bereits im alten Jahr beginnen konnten.
Sehr kurzfristig ist es uns gelungen, beim Ausbau der Kreisstraße von Erlach Richtung Ulm einen Radweg anzubinden und dazu auch einen Zuschuss vom Kreis zu erhalten

Ω Nach dem WM-Sommermärchen und dem Wirtschaftsaufschwung in Deutschland sowie den rosigen Konjunkturvoraussagen für 2007 und 2008 scheint auch die Investitionsfreudigkeit des Renchener Gemeinderates gestiegen zu sein. In welcher Größenordnung wird investiert und für was soll so viel Geld in die Hand genommen werden?
Siefermann: Die sogenannten rosigen Konjunkturvorausetzungen betrachten wir in Renchen mit Vorsicht, bleiben aber dennoch optimistisch. Vom hoffentlich anhaltenden Wirtschaftsaufschwung haben wir bereits 2005 durch gute Steuereinnahmen provitiert. Das führt allerdings dazu, dass wir in diesem Jahr höhere Umlagen haben und niedrigere Zuweisungen erhalten werden. Dennoch ist es richtig, dass wir 4,3 Millionen Euro schultern wollen. Das ist allerdings nur möglich, weil wir uns in den vergangenen Jahren ein Rücklagenpolster von 5,25 Millionen Euro angespart haben, auf das wir nun zurückgreifen können.
Zu den Großprojekten gehören die Sanierungsmaßnahmen zur Einrichtung des »Haus der Jugend und Vereine«, der Ausbau der Regenrückhaltebecken Kaier und Reiersbach, der Bau des lang ersehnten Radweges zwischen Ulm und Renchen sowie verschiedene Straßensanierungsmaßnahmen.
Ω Der Ortsteil Erlach hat sich in den vergangenen Jahren für den Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« herausgeputzt - mit Erfolg. Wie groß waren die Investitionen vonseiten der Gesamtgemeinde?
Siefermann: Die Bürger von Erlach haben zusammen mit Ortsvorsteher Herbert König Großes geleistet. Es war nicht das Geld, sondern das große ehrenamtliche Engagement, die Motivation und die Identifikation der Bürger mit dem Ort, die zum Erfolg geführt haben.
Dennoch ist es richtig, dass vonseiten der Stadt rund 70 000 Euro für einzelne Projekte bereitgestellt wurden. Dabei sind die größeren Maßnahmen, wie die Sanierung der Kirche, Straßensanierungen oder Radwegebau allerdings nicht enthalten.
Ω Jetzt laufen in Ulm die Vorbereitungen für diesen Wettbewerb. Gibt's für das »Bierdorf« die gleiche Unterstützung?
Siefermann: Die Vorbereitungen in Ulm laufen nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren. So wurde beispielweise die Ullenburghalle, die ursprünglich eine Obsthalle war, unter der Federführung vom ehemaligen Ortsvorsteher Gottfried Walz in 4500 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden der Bürgerinnen und Bürger zu einem wahren Schmuckstück umgebaut. Anerkennenswert ist außerdem die Neugestaltung des Feuerwehrvorplatzes durch ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder der Feuerwehrabteilung sowie die zahlreichen Maßnahmen auf dem Friedhof, die gleichfalls durch ehrenamtlich engagierte Mitbürger ausgeführt wurden.
Der Ortschaftsrat Ulm mit Ortsvorsteher Peter Spraul hat die Vorlage aufgenommen und ist seit längerem intensiv dabei, das Projekt voranzutreiben. So haben bereits mehrere Informationveranstaltungen stattgefunden und Einzelprojekte vor Ort sind in Angriff genommen worden. Es versteht sich von selbst, dass Ulm die gleiche Unterstützung wie Erlach erhalten wird.
Ω In der Großen Kreisstadt Oberkirch wurde an der unechten Teilortswahl (Ute) gerüttelt. Hat man in Renchen ähnliche Probleme?
Siefermann: Die unechte Teilortswahl hat sich in Renchen bewährt. Es gibt derzeit keinen Grund, daran etwas zu ändern.
Ω Apropos Große Kreisstadt: Die Stadt Oppenau übergibt ihr Grundbuchamt an Oberkirch. Ist ein ähnlicher Schritt auch in Renchen denkbar, zumal die Grimmelshausenstadt mit Oberkirch sowieso eine Verwaltungsgemeinschaft bildet?
Siefermann: Daran denken wir nicht. Wir wollen so viel Bürgerservice wie möglich für unsere Bürger vor Ort anbieten. Für den Bereich des Grundbuchamtes bedeutet das, dass wir es so lange bei der Stadt behalten werden, wie es uns der Gesetzgeber ermöglicht.

Ω Um bei den Ämtern der Verwaltung zu bleiben: Das Hauptamt ist, seit Sabine Berger in Mutterschutz ging, unterbesetzt. Ist abzusehen, dass es bald wieder einen Hauptamtsleiter gibt oder bleibt die bisherige Regelung mit Halbtagskräften bestehen? Kehrt vielleicht Frau Berger als Vollzeitkraft zurück?
Siefermann: Wir sind im Hauptamt zwar nicht üppig besetzt, seit August 2005 mit der Rückkehr von Frau Berger aber auch nicht mehr unterbesetzt. Seit Anfang des Jahres habe ich Frau Berger, die ihre Arbeitszeit aufgestockt hat, wieder die Leitung des Amtes übertragen. Sie hat mittlerweile über zehn Jahre Erfahrung im Bereich des Hauptamtes und ich bin überzeugt, dass sie die Aufgaben sehr gut bewältigen wird. Zuvor hat Stefan Gutenkunst das Hauptamt kommisarisch geleitet. Er hat in dieser Zeit großes Engagement auch außerhalb der eigentlichen Dienstzeit bewiesen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Zum Thema Halbtags-, bzw. Teilzeitkräften ist zu sagen, dass ein Arbeitgeber, der sich ausdrücklich zum Ortenauer Bündnis für Familien bekennt – und das hat die Stadt Renchen gerne getan – auch flexible Arbeitszeiten für die Mitarbeiter bieten muss. Dazu bekenne ich mich und dafür stehe ich auch gerade.
Ω Das geplante Vereinshaus ist ein ehrgeiziges Projekt, das Sie vorantreiben. Bis wann rechnen Sie damit, dass die ersten Vereine einziehen können und welche Investitionen muss das Gemeindeparlament genehmigen?
Siefermann: Sie haben Recht, das Haus der Jugend und Vereine ist ein Projekt, für das ich mich schon seit Jahren stark mache. Die Vereins- und Jugendarbeit sehe ich als wichtige Säule in unserer Gesellschaft. Folglich muss uns deren Unterstützung auch eine Pflicht sein. Umso glücklicher bin ich, dass der Gemeinderat im letzten Sommer der Umsetzung des Projekts zugestimmt hat. Im Haushaltsentwurf sind dafür 550 000 Euro vorgesehen. Erfreulich ist, dass wir es geschafft haben, für diese Maßnahme mindestens 33 Prozent Fördermittel vom Land zu erhalten. Der Zeitplan zur Umsetzung des Projekts steht bereits. Wir beabsichtigen, nach Beschluss und Genehmigung des Haushaltes die notwendigen Arbeiten auszuschreiben und noch im Frühjahr mit der Ausführung zu beginnen. Die Vereine werden im Sommer mit dem Herrichten und Einrichten ihrer Räume beginnen können, sodass wir im Herbst mit der offiziellen Einweihung des Hauses rechnen dürfen.
Ω Das geplante Blockheizkraftwerk, mit dem auch das Freizeitbad beheizt werden soll, haben Sie zur Chefsache erklärt. Können die Badebesucher schon 2007 ins warme Wasser eintauchen und welche Kosten kommen auf den Stadtsäckel zu?
Siefermann: Nicht das Blockheizkraftwerk, welches in privater Hand steht, sondern das Freizeitbad habe ich zur Chefsache erklärt. Und dennoch haben Sie Recht, denn das eine wird von dem anderen in Zukunft nicht mehr zu trennen sein. Alle Vorbereitungen, unser Bad zu beheizen, laufen auf Hochtouren. Ich gehe also fest davon aus, sollte uns nicht noch die Technik einen Strich durch die Rechnung machen, dass wir unseren Badegästen tatsächlich schon zu Beginn der kommenden Saison warmes Wasser bieten können. Die Investitionen hierfür halten sich in Grenzen. Die Stadt hat für die Maßnahme gerademal 55 000 Euro eingeplant.
Ω Sie haben vor sieben Jahren im Bürgermeisterwahlkampf versprochen, den Wohnsitz von Achern nach Renchen zu verlegen. Haben Sie noch vor, dieses Versprechen in Ihrer ersten Amtszeit einzulösen?
Siefermann: Bereits vor vier Jahren habe ich in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats meine familiere Situation dargelegt und erklärt, warum ich nicht beabsichtige, umzuziehen. Ich habe von den Bürgern breites Verständnis erfahren. Ich denke, dass die Bürger spüren, dass ich mit Leib und Seele Bürgermeister bin. Eine Fahrzeit von zehn Minuten zwischen Wohnhaus und Rathaus ändert daran nichts.
Ω 2007 wird in Achern der Nachfolger von OB Köstlin gewählt. Das Personalkarussell dreht sich natürlich und auch Sie werden hinter vorgehaltener Hand als Kandidat »gehandelt«. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bernd Siefermann nicht in der Hornisgrindestadt kandidieren wird?
Siefermann: Auch hierzu gibt es nichts Neues. Ich habe bereits mehrfach geäußert, in Renchen bleiben und mich im Jahr 2008 wieder der Wahl stellen zu wollen.
Ω Einzelne Mütter in Ihrer Stadt sind mit den Spielplätzen nicht zufrieden. Sie kritisieren auch mangelnde Unterstützung Ihrerseits bei der Sanierung dieser Einrichtungen, die sie durch eigenes Engagement und mittlerweile mit finanzieller Unterstützung von Renchener Vereinen durchführen. Sind Sie zwischenzeitlich auf die Frauen zugegangen? In welcher Form wird sich die Gemeinde an der Sanierung der Geräte beteiligen?
Siefermann: Attraktive und natürlich intakte Spielplätze für unsere Kinder sind mir ein großes Anliegen. Das sehen Sie schon daran, das die Stadt Jahr für Jahr rund 40 000 Euro in die Unterhaltung der Plätze investiert. Für 2007 ist zusätzlich zu den Unterhaltungsmaßnahmen vorgesehen, Spielgeräte im Stadtpark zu installieren, um diesen malerischen Bereich für Familien noch interessanter zu gestalten. Für diese Maßnahme stehen 18 000 Euro bereit.
Mit der Aktivgruppe »Renchen kinderfreundlicher zu gestalten« stehe ich in Verbindung. Es ist erfreulich, dass hier ehrenamtliches Engagement gezeigt wird. Bereits 2006 hat die Stadt ein Projekt der Initiativgruppe sowohl mit Arbeitsleistung als auch mit Finanzmitteln unterstützt. In den nächsten Tagen werden wir eine Besprechung im Rathaus haben, um die Zusammenarbeit zu koordinieren.

 

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Veröffentlicht in Erlach

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