Wie kinderfreundlich ist Renchen?
Kleiderbasar-Team will Spielplätze der Kernstadt sanieren / Mütter kreiden dem Bürgermeister mangelnde Unterstützung an
»Renchen kinderfreundlich gestalten« nennt sich eine Eltern-Initiative. Sie sammelt durch den Kleiderbasar oder Bewirtungsstände Geld, mit dem sie Spielplätze auf Vordermann bringen will. Der Bürgermeister lobt das Engagement. Die Eltern wünschen sich allerdings mehr Unterstützung von der Stadt.
Auf dem Spielplatz »Benzenböschel« in der Scheffelstraße nutzen die Kinder die letzten Sonnenstrahlen des Spätjahrs Während sie auf dem großen Sandplatz schaufeln, buddeln und Burgen bauen, nehmen Susanne Boschert und Kerstin Heidt, beide Mütter von je zwei kleinen Kindern, die Einrichtung streng unter die Lupe. »Tische und Bänke sind alt und total morsch«, sagt Boschert. »Hier der Pfosten auch«, meint Heidt und rüttelt an einem Gerüst, das einem Reck ähnelt. »Ob das noch durch den TÜV kommt?«, fragt Heidt mehr rhetorisch, die wie Boschert so ihre Zweifel hat.
Die beiden Mütter, das wird im Gespräch schnell klar, sind mit den Spielplätzen in ihrer Stadt alles andere als zufrieden. Sie motzen aber nicht nur. Sie packen auch mit an. Beispiel dafür: der neue Kletterturm in der Mitte des Spielplatzes. Dieser hat rund 3000 Euro gekostet und wurde je zur Hälfte von der Eltern-Initiative und der Stadt bezahlt.
Susanne Boschert und Kerstin Heidt haben mit Corinna Retsch, Katja Schneider und Conny Küderle im Frühjahr den Renchener Kinderkleider-Basar übernommen. Den Erlös der zweimal im Jahr stattfindenden Veranstaltung führen die Frauen der Aktion »Renchen kinderfreundlich gestalten« zu. »Wir waren vorher im Eltenbeirat des Kindergartens tätig, wo das Thema auch schon angesprochen wurde«, erklärt Boschert, wie man auf die Sanierung der Spielplätze kam. Aber nicht nur der Basar (pro Veranstaltung, schätzt Boschert, bleiben 1000 bis 1500 Euro) wird als Geldquelle genutzt, die Frauen hatten beispielsweise auch bei der Tour de France einen Stand, was die Stadt ermöglicht hatte
Die Zusammenarbeit mit Stadt habe dort wie bei der Anschaffung des Klettergerüstes geklappt, dennoch monieren Boschert und Heidt: »Von selbst machen sie nichts.« Die beiden verweisen auch gleich auf die Ausbaufähigkeit des neuen Klettergerüsts mit Climbing-Wand, Kletternetz oder Rutschstange, was nochmal ca. 1700 Euro kostet. Dafür wird nun bei den nächsten Basaren gearbeitet. Aber die Eltern hadern mit sich.
»Es ist für uns demotivierend, wenn von der Stadt wenig Unterstützung kommt«, sagen die zwei Frauen und führen ein Beispiel an: »Seit Monaten hat man uns ein Schild ‘Nur für Kinder bis 12 Jahre’ versprochen.« Die Frauen erhoffen sich davon eine Handhabe gegen jugendliche Randalierer, da man in der Scheffelstraße nicht ähnliche Zustände wie »Hinter den Gärten« haben möchte. »Die Kinder mögen diesen Spielplatz mit seinen Hecken, aber meist liegen dort kaputte Flaschen und Müll herum«, verweist Heidt auf ein in Renchen bekanntes Problem.
»Hier legen wir ein besonderes Augenmerk darauf, dass sich dort nicht Jugendliche aufhalten, die das zulässige Alter längst überschritten haben und sich dort nur treffen wollen um Alkohol und Zigaretten zu konsumieren«, sagt dazu Bürgermeister Bernd Siefermann. Einigen der Jugendlichen, die polizeilich bereits mehrfach auffällig waren, sei vonseiten der Stadt ein schriftliches Betretungverbot erteilt worden.
Insgesamt beurteilt er die Renchener Spielplätze mit »Gut«: »Der bauliche Zustand ist in Ordnung, hierfür tragen wir ständig Sorge. Die Spielplätze werden wöchentlich auf ihre Sicherheit hin überprüft, notwendige Reparaturen unverzüglich vorgenommen, wenn nötig, einzelne Spielgeräte auch ersetzt.« Für die jährlichen Ausgaben für Unterhaltung und Sanierung der sechs Spielplätze (zwei in Renchen, einer in Erlach, drei in Ulm), schätzt er, »sind schnell 40 000 Euro zusammen«.
»Die Stadt macht bei der Instandsetzung nur das, was sie unbedingt muss«, reklamieren dagegen die beiden Mütter, die sagen: »Die Attraktion fehlt total!« Deshalb würden sie auch für ausgedehnte Aufenthalte auf dem Spielplatz in die umliegenden Gemeinden ausweichen. »In Achern, Mösbach, Oberkirch trifft man an schönen Sonntagen viele Renchener«, sagen die zwei.
Attraktiv findet Siefermann auch die Renchener Spielplätze, fügt dann aber an: »Dennoch gibt es nichts, was man nicht verbessern könnte.« Im selben Atemzug lobt er »junge Eltern aus allen drei Ortsteilen, die immer wieder sehr gute Ideen haben«. Der Einsatz auf dem Spielplatz »Benzenböschel« habe sich schon gelohnt, sagt er ebenso wie: In Erlach seien auf diese Weise eine ganze Reihe von Spielgeräten mit neuen Aktionsmöglichkeiten geschaffen worden. »Dort wurde ein Konzept umgesetzt, welches sich an den Bedürfnissen kleinerer und größerer Kinder orientiert und ausreichend Schatten- und Sitzplätze enthält«, so Siefermann. Dank der großen, tatkräftigen Unterstützung der Eltern habe man den Kostenrahmen von rund 20 000 Euro für die Umgestaltung der rund 800 Quadratmeter großen Spielplatzanlage eingehalten.
Auch Boschert und Heidt anerkennen die gute Arbeit auf dem Erlacher Spielplatz (»der schönste in der Gesamtstadt«), wie überhaupt alle Aktionen, die in dem Ortsteil anlässlich des Dorfwettbewerbs stattgefunden haben. »Die Leute sind motiviert, weil auch der Ortsvorsteher und die Ortschaftsräte mitanpacken«, sagt Boschert, die sich selbiges von ihrem Bürgermeister wünscht. Allerdings, meint sie wie Heidt, fehle es Siefermann an Antrieb, da ja »seine Kinder in Achern aufwachsen«.
Im Vergleich mit anderen Kommunen würde Siefermann Renchen in punkto Kinderfreundlichkeit die Note 2 geben. »Mit unserem Gesamtangebot an Spielplätzen und Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sich in der Freizeit zu betätigen, können wir uns wirklich sehen lassen«, sagt er, der auch andere Faktoren (Freizeitbad, Betreuungsangebot im Kindergarten, Schulerweiterung, Kinder- und Jugendliteraturtage, »das große Angebot« im Jugendhaus, Ferienprogramm oder den Beitritt zum Ortenauer Bündnis für Familien) in die Beurteilung einbezieht. »Wir sind uns bewusst, dass Kinder unsere Zukunft sind«, sagt er, »die notwendige Folge daraus kann nur sein, dass wir alles in unseren Kräften Stehende tun müssen, damit sie bestmögliche Entwicklungsbedingungen haben«. Ob dazu auch neue Spielplätze gehören? »Ja«, sagt Siefermann: »Es ist geplant, den Grimmelshausen-Park in dieser Hinsicht aufzuwerten. Damit soll der wunderschöne Park gerade auch für junge Familien attraktiver werden.« Für diese Maßnahme seien im Haushalt 18 000 Euro eingeplant.