Weinfest: Längere Sperrzeit möglich

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Stadtverwaltung will gewalttätige Aktionen einer jugendlichen Minderheit in den Griff bekommen

Wird die Sperrzeit beim Oberkircher Weinfest 2011 erneut verlängert? Darüber will OB Matthias Braun mit den zuständigen Gemeindegremien diskutieren. Bereits in diesem Jahr hatte man das Schank-Ende von vier auf drei Uhr vorverlegt.

 

Im Vergleich zu den Zehntausenden, die innerhalb von vier Tagen das Oberkircher Weinfest besuchen, sind sie eine verschwindend kleine Minderheit. Doch eine Handvoll Jugendlicher, zum Teil von auswärts kommend, beschert der Traditionsveranstaltung seit einigen Jahren ein negatives, gewalttätiges Image Die jüngsten Täter sind gerade 16 Jahre alt, der Älteste, der auffiel, war diesmal knapp über 20.
Um das Problem in den Griff zu bekommen, will OB Matthias Braun für das kommende Jahr eine weitere Verlängerung der Sperrzeit nicht ausschließen. »Darüber wird mit Sicherheit diskutiert werden.« In diesem Jahr war die Sperrzeit bereits um eine Stunde verlängert worden. Der Ausschank wurde schon um drei anstatt um vier Uhr beendet. Eine weitere Sperrzeitverlängerung könnte sich naturgemäß negativ auf den Umsatz auswirken.
Offenburg als Vorbild?
In Offenburg schließen die Weinfesttheken bereits um ein Uhr. Während es vom dortigen Ortenauer Weinfest, der größten Veranstaltung dieser Art im Kreis, in diesem Jahr keine negativen Schlagzeilen gab, mussten sich die Oberkircher trotz verstärkter Security, Personenkontrollen und Polizeiwache auf dem Festgelände mit neun Fällen von Körperverletzung beschäftigen (wir berichteten). Neun Platzverweise gab es, zwei Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt, vier polizeilich erfasste Beleidigungen.
Dabei hatte das Ordnungsamt schon im Vorfeld der Veranstaltung sieben präventive Platzverweise gegenüber Jugendlichen ausgesprochen. Der Grund: alkoholbedingtes, gewaltbereites Verhalten

Ein Jugendlicher wurde nach Auskunft von Ordnungsamtsleiter Christoph Lipps auf dem Weinfestgelände in Polizeigewahrsam genommen, weil er den Platzverweis missachtet hatte.
Matthias Braun weiß, dass die meisten der Gewaltdelikte in den frühen Morgenstunden passieren. Und das nicht nur in Oberkirch, auch bei größeren Dorffesten wie in Nußbach und Zusenhofen.
Das Stadtoberhaupt will sich jedoch die Oberkircher Festkultur nicht vermiesen lassen. Dazu gehört für Braun auch der Weinfest-Rummel, der möglicherweise ein Publikum ans Renchtalstadion lockt, dass sich auf einem reinen Weinfest so nicht finden würde.

STICHWORT
»Arztrechnungen selbst bezahlen«
Die Entgiftung eines Jugendlichen im Krankenhaus kostet etwa 1000 Euro. Bei 20 000 eingewiesenen Jugendlichen in Deutschland sind das pro Jahr 20 Millionen Euro. OB Matthias Braun hat den Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung studiert. Sein Fazit daraus: »Die Betroffenen sollten die Arzt- und Krankenhausrechnungen selbst bezahlen, oder zumindest einen Teil davon.« Braun greift damit einen Vorschlag auf, den der Oberkircher DRK-Ortsvereins-Vorsitzende Wolfgang Leppert bereits nach dem diesjährigen Weinfest gemacht hat (wir berichteten).
In schriftlicher Form macht die Stadt Oberkirch Eltern von auffälligen Jugendlichen seit geraumer Zeit auf deren Fehlverhalten aufmerksam. »Blaue Briefe gehören seit mindestens fünf Jahren zu unserem Handwerkszeug«, berichtet Ordnungsamtsleiter Christoph Lipps. »Das Verhalten Ihres Kindes wird von der Stadt Oberkirch nicht toleriert. Bitte wirken Sie auf Ihr Kind ein, sonst hat dies Konsequenzen«, heißt es darin sinngemäß.
Um die Blauen Briefe verschicken zu können, muss die Polizei zunächst Namen und Adressen ermitteln. Ein Teil der Eltern reagiere auf die verschickten Mahnungen und melde sich beim Ordnungsamt, erklärt Lipps. Hausbesuche bei Eltern, die auf die Blauen Briefe nicht reagieren, gibt es derzeit nicht. Dies ist auch nicht geplant.

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Rund um das Weinfestgelände glühen Jugendliche zunächst mit selbst mitgebrachtem Alkohol vor. Sie feiern ein Fest vor dem Fest. Dazu gehören auch Alkopops, wie auf dem nachgestellten Foto.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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