Weg vom Blümchen-Image

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Beim Dorf-Wettbewerb geht es längst nicht mehr um bloße Schönheit / Nachhaltige Entwicklungen

Unser Dorf hat Zukunft« war das Thema einer Fachtagung, die ges-tern in der Erlacher Kronenhalle stattgefunden hat. Dazu eingeladen waren Bürgermeister, Ortsvorsteher, Gemeinderäte und am Wettbewerb interessierte Bürger.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/13014_1.jpgRecht schnell kristallisierte sich bei der Fachtagung gestern in der Kronenhalle heraus, worum es den Verantwortlichen beim Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« geht: um Bürgerengagement, Standardsicherung und Nachhaltigkeit »Der Wettbewerb ist gelebte Demokratie in ihrer besten Form«, formulierte es etwa Bürgermeister Bernd Siefermann, der die Erlacher für ihr Ergebnis 2006 (Silber im Landesentscheid) lobte und in die Ulmer (sie beteiligen sich in diesem Jahr am Kreisentscheid) große Hoffnungen setzte. In seinen Ortsteilen ortete Siefermann richtige »Bürgerbewegungen«, die ihre Ortschaften für die Zukunft fit machen.
Dass es sich längst nicht mehr um einen »Blümchenwettbewerb« handle, betonte auch Konrad Rühl vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Deshalb habe man auch das Motto von »Unser Dorf soll schöner werden« auf »Unser Dorf hat Zukunft« modifiziert.
Die Tagung war eine Informationsveranstaltung zum Auftakt des bevorstehenden Wettbewerbs. Er wird zwischen 2008 und 2010 ausgetragen – in diesem Jahr auf Kreisebene, im kommenden Jahr auf Bezirks- und Landesebene und 2010 auf Bundesebene.
»Das zukunftsfähige Dorf als attraktiver Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum steht aktuell im Focus; also ein ganzheitlicher Ansatz«, erläuterte Michael Würth (Regierungspräsidium Freiburg) die Wettbewerbsvorgaben, verwies aber auch auf die Wurzeln des Dorfwettbewerbs. Graf Bernadotte habe diesen 1961 mit der Deutschen Gartenbaugesellschaft e. V. ins Leben gerufen. Seinerzeit lag der Focus auf dem Blühen

Mittlerweile gibt es fünf Wertungskriterien, die Würth kurz vorstellte: Entwicklung und wirtschaftliche Initiativen, soziale und kulturelle Aktivitäten, Baugestaltung und -entwicklung, Grüngestaltung und
-entwicklung sowie das Dorf in der Landschaft.
Beispiele dafür, wie man diese fünf Kriterien zur Zufriedenheit der Jury umsetzt, gab Erlachs Ortsvorsteher Herbert König in seinem Erfahrungsbericht. Bereits im Jahr 2000 hatten die Erlacher im Kreiswettbewerb den zweiten Preis sowie einen Sonderehrenpreis für besonderes ehrenamtliches Engagement erlangt. 2005 folgte dann der erste Preis im Kreis, 2006 der 1. Preis im Bezirk sowie die Silbermedaille im Landeswettbewerb und ein weiterer Sonderpreis.
Wie König in seinem Ausblick allerdings verdeutlichte, ruhen sich die Erlacher längst nicht auf ihren Lorbeeren aus – unter anderem bei der Sanierung des Pfarrhauses und den Vorbereitungen zur 725-Jahr-Feier 2010 hofft der Ortsvorsteher wieder auf Bürgerengagement. Allein für den Wettbewerb haben die Erlacher über 5500 freiwillige Stunden geleistet. Eine stolze Bilanz.
Stellvertretend für Landrat Klaus Brodbeck überbrachte Andrea Ganter (Amt für Landwirtschaft) Grußworte des Kreises. Sie ging unter anderem auf Sonderwettbewerbe in diesem Jahr ein – etwa für besonderes Engagement in der Zusammenführung der Generationen oder für neue Nutzungskonzepte alter dörflicher Gebäude.
Einig waren sich die Referenten auch darüber, dass es letztlich nicht um Gold oder Silber gehe, sondern dass ein Ort schon allein durch die Teilnahme gewonnen habe. Etwas, das auch der Erlacher Peter Ullrich bestätigte, der sich als Bürger zu Wort meldete: »Das ist eine einmalige Sache, die den Zusammenhalt und das Wir-Gefühl stark geprägt hat«, so Ullrich, der sich zwar als »Zugezogener« outete, für den der Renchener Stadtteil aber zur Heimat geworden sei. »Erlach ist eines der letzten Paradiese«, sagte er. Wofür er Applaus erntete, ehe die Tagung ihren weiteren Verlauf (siehe »Stichwort«) nahm.

STICHWORT
Die Referenten der Fachtagung
? Michael Würth (Regierungspräsidium Freiburg): »Der aktuelle Wettbewerb – Ziele, Wirkungen, Durchführung«.
?Herbert König (Ortsvorsteher Erlach): »Der Wettbewerb in der Praxis – ein Erfahrungsbericht«.
? Helmut Wagner (Bürgermeister a. D. Sternenfels, Mitglied der Bewertungskommission): »Motiviert und engagiert – Leitbilddiskussion mit der Bürgerschaft«.
? Steffen Speidel (Forschungsgruppe Stadt und Umwelt): »Innenentwicklung im Ländlichen Raum – Ergebnisse und Erfahrungen aus MELAP«.
? Hans Kurtz (Regierungspräsidium Freiburg): »Strukturentwicklung im Ländlichen Raum – aktuelles Förderprogramm des Landes und der EU«.
? Hansjörg Haas (Kreisfachberater Ortenau): »Grüngestaltung im Dorf«.

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/13014_1.jpgTagten gestern in Erlach (von links): Bürgermeister Bernd Siefermann, Ortsvorsteher Herbert König, Konrad Rühl (Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum Baden-Württemberg) und Michael Würth (Regierungspräsidium Freiburg).

 

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Veröffentlicht in Erlach

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