Vom Pfleger zum Sterbebegleiter

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Stationäre Pflege erhält immer ausgeprägteren palliativen Charakter / Staat setzt auf ambulante Pflege

Es ist nicht unbedingt der viel bemühte demografische Wandel, der dazu führt, dass die Pflegeheime im Tal mit immer älteren und immer pflegebedürftigeren Menschen zu tun bekommen. Es ist in ganz hohem Maße die Politik, die die Einrichtungen vor neue Herausforderungen stellt »Es ist nun einmal so, dass die stationäre Pflege die teuerste Wohnform im Bereich der Seniorenbetreuung darstellt«, sagt Manfrad Roth, Geschäftsführer des Vincentiushauses in Oppenau. »Und der Staat sagt eindeutig: ambulant vor stationär.«
Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Pflege zu Hause, häufig kombiniert mit Tagespflege, so lange praktiziert wird, wie dies den alten Menschen und den Angehörigen irgend zumutbar ist. Die Menschen kämen dadurch häufig erst in ihren letzten Lebensmonaten in die stationären Einrichtungen; dadurch wandelten sich die Häuser in vielen Bereichen zu palliativen Einrichtungen.
Kürzere Verweildauer
Martina Hodapp, die in Oberkirch den gleichnamigen ambulanten Pflegedienst und zudem das Betreute Wohnen in der Raiffeisenstraße leitet, hat ebenfalls monetäre Ursachen für eine erhöhte Nachfrage nach ambulanter und damit einhergehendem Rückgang bei stationärer Pflege beobachtet. »Es ist nicht nur beim Staat eine Frage des Geldes, sondern auch für die Pflegenden hat die Entscheidung für die ambulante Pflege oftmals wirtschaftliche Hintergründe.« Von daher habe sie »Arbeit genug«, doch auch sie sieht ein Kippen in Richtung Schwerstpflege und Palliativversorgung. »Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen im Fall einer Erkrankung eine kürzere Verweildauer in den Krankenhäusern haben

Sie kommen früher und damit auch gebrechlicher nach Hause.« Kooperationen sind für sie als auch für Manfred Roth daher eine Selbstverständlichkeit – gerade mit Institutionen, die sich mit der Versorgung von Palliativpatienten befassen.
Genauso sieht es Waltraud Bickel, die das Altenpflegeheim St. Josef in Oberkirch leitet. »Die Menschen, die heute zu uns kommen, sind statistisch gesehen einfach kränker als es noch vor Jahren der Fall war.« Arbeitsintensiv sei besonders die Gruppe dementer Menschen, die jedoch körperlich noch rüstig sei.
Und auch der Tod ist im Alltag gegenwärtiger als dies früher der Fall war. Waltraud Bickel: »Dadurch, dass unsere Patienten später kommen, ist ihre Verweildauer bei uns auch kürzer. Oftmals handelt es sich dann fast um reine Sterbebegleitung.« Der Aufbau intensiver Beziehungen zwischen Pflegepersonal und Patienten werde dadurch erschwert. Und das Personal sei noch häufiger als zuvor mit dem Sterben der ihnen Anvertrauten konfrontiert. »Solche Entwicklungen müssen dann in der Gruppe verarbeitet werden; das ist nicht einfach.« Auch Waltraud Bickel verweist zum einen auf die Kooperation mit Facheinrichtungen aus dem Sektor der Palliativbetreuung und die Zusammenarbeit mit den anderen Häusern im Tal. Doch auch wenn die Arbeit nicht zuletzt psychisch immer mehr vom Personal verlangt, so betont Manfred Roth zum Schluss: »Bei all dem dürfen wir nie vergessen, dass es bei unserer Arbeit schließlich und vor allem um Menschen geht.«

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Veröffentlicht in Oberkirch

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