Vier Ortsteile werden sparkassenfrei
Fünf Filialen in Oberkirch betroffen – Schließung in Lautenbach folgt 2004 / Ortsvorsteher überrascht
Gestern hat die Sparkasse Offenburg/Ortenau die Katze aus dem Sack gelassen: In der zweiten Jahreshälfte werden die Filialen in Stadelhofen, Haslach und Tiergarten geschlossen. Die schon feststehende Schließung der Zweigstellen Ödsbach und Oberdorfstraße wird umgesetzt. In Lautenbach steht das Ende der Filiale im nächsten Jahr an. Für die Ortsvorsteher von Stadelhofen, Tiergarten und Haslach kam die Entscheidung überraschend.
Der Beschluss zur Umgestaltung des Geschäftsstellennetzes war am vergangenen Freitag in der Verwaltungsratssitzung der Sparkasse Offenburg/Ortenau gefallen. Das Kreditinstitut bezeichnet die anstehenden Filialschließungen als »geplante Umstrukturierungsmaßnahme« In einer Pressemitteilung spricht die Sparkasse von einer »Verlegung« der Geschäftsstellen Haslach, Oberkirch Oberdorfstraße, Ödsbach, Stadelhofen und Tiergarten »in die Hauptstelle Oberkirch« – allerdings erst, wenn dort die in diesem Jahr geplanten Umbauarbeiten, die den Service für die Kunden verbessern sollen, abgeschlossen sind. Die Geschäftsstelle Lautenbach bleibt in diesem Jahr noch von Veränderungen verschont und wird erst im nächsten Jahr dicht gemacht.
Für Ludwig Ell, Peter Hund und Konrad Papst, die Ortsvorsteher von Stadelhofen, Haslach und Tiergarten, kam der Vorstoß der Sparkasse in diesem Jahr überraschend, auch im Hinblick darauf, dass die Sparkasse zum Teil noch vor wenigen Jahren in den Filialen investiert hatte.
Schlechtere Infrastruktur
Durchweg sehen die drei Kommunalpolitiker den Beschluss als weitere Verschlechterung der Infrastruktur im ländlichen Raum. Gerade für die älteren Bürger und jene ohne eigenes Fahrzeug werde es schwierig werden, die Wege bis zur nächsten Geschäftsstelle zurückzulegen – abgesehen davon, dass ein weiterer Kommunikationsplatz im Ort wegfalle. Bezweifelt wird von den Befragten, dass das Angebot des Kreditinstituts, die Kunden der von Schließungen betroffenen Ortsteile mittels eines Heim-Service zu bedienen, angenommen wird.
In Haslach und Tiergarten waren die beiden Filialen jeweils an zwei Vor- und zwei Nachmittagen in der Woche geöffnet
In Stadelhofen standen zwei bis drei Mitarbeiter täglich jeweils einen halben Tag für die Kundschaft des Ortes bereit.
In Tiergarten befinden sich Gebäude und Grundstück der Filiale im Eigentum der Sparkasse. Deshalb hatte Papst vorgeschlagen, bei den Zukunftsplanungen Haslach und Tiergarten als Einheit aufzufassen, wie dies im Vereinsleben und mit dem Kindergarten bereits praktiziert wird und somit zumindest den Betrieb in Tiergarten aufrechtzuerhalten. In Tiergarten wird es nach der Filialschließung kein Ladengeschäft mehr geben.
SB-Service nicht geplant
Über eine funktionierende Infrastruktur mit eigenem Bäcker und Metzger verfügt dagegen noch der Ortsteil Haslach. Dort hatte die Sparkasse vor einigen Jahren noch Räume saniert, die von der Stadt angemietet waren. Die Stadt, so Hund, sei dem Kreditinstitut damals mit einem günstigen Mietvertrag entgegengekommen, »in der Hoffnung, dass der Fortbestand der Filiale mittelfristig gewährleistet ist.«
Mehr als 50 Jahre gab es eine Sparkassenfiliale in Stadelhofen: »Vor einigen Jahren hat man uns noch erklärt, Stadelhofen sei eine reiche Gemeinde«, erklärte Ell. Nach dem Umzug der Sparkasse in ein neues Gebäude, der vor wenigen Jahren erfolgte, sei er vom Fortbestand der Zweigstelle ausgegangen, auch weil es dort eine hohe Kundenfrequenz gebe, bedingt durch die Mitarbeiter des Progresswerks, die dort vor oder nach der Arbeit ihre Geldgeschäfte erledigen. Mit der Idee, nach der Schließung der Filiale in Erlach könne Stadelhofen einen größeren Kundenzuspruch erzielen, konnte Ell bei der Sparkassenführung nicht landen.
Ein Ersatz durch die Einrichtung von SB-Centern ist in den Oberkircher Ortsteilen bisher nicht geplant, wird nach Auskunft von Ludwig Ell im Falle Stadelhofens aber noch geprüft.