Verzögerte Ernte – besserer Preis?
Landwirte hoffen, dass ihnen die schlechte Witterung mehr Geld für Erdbeeren beschert
Regen, Kälte und vorerst keine große Besserung in Sicht. Das Wetter verzögert die Erdbeerernte. Bislang halten sich die Schäden in der Landwirtschaft aber insgesamt noch in Grenzen. Die Bauern hoffen sogar auf einen besseren Preis.
Die Erdbeerernte macht derzeit keinen großen Spaß: Es ist nass. Kalt. Der Waagen lässt sich auf dem tiefen Boden nur schwer anschieben. »Das Pflücken ist im Moment nicht so angenehm«, sagt Egon Busam »Die Ernte hat sich durch die Kälte etwas verzögert«, verweist der Erlacher Landwirt, was auch sein Ulmer Kollege Patrik Spraul bestätigt.
Große Früchte
Für die beiden stellt dies im Moment aber noch »kein großes Problem« dar. Im Gegenteil: »Wenn die Erdbeeren nicht so schnell reif werden, ist das vielleicht sogar für den Preis gut«, hoffen Spraul und Busam. Allerdings dürfe dazu das Wetter nicht andernorts in Deutschland recht viel besser sein. »Aber das ist derzeit auch im Norden nicht der Fall«, sagt Spraul. Busam sieht momentan den Regen auch noch »eher positiv« für die Erdbeeren: »Das gibt große Früchte.« Und dass das Aroma unter den Sonnenmangel leide, glaubt er nicht.
Dennoch: Durch die Nässe lauert auch eine Gefahr auf dem Boden: Die Beeren faulen schneller. »Im Moment geht es aber noch. Die Ausfälle durch Fäulnis sind nicht so tragisch«, sagt Spraul. Vielmehr fürchtet er, dass es nach der langen Kälteperiode allzu rasch warm wird. 20 bis 25 Grad seien ideal, schlagartige 30 bis 35 Grad dagegen fatal
»Wahrscheinlich kommt es aber so«, ist der Ulmer nicht allzu optimistisch und erklärt, was plötzliche Hitze für die Pflanzen bedeute: »Sie haben sich an die Kälte gewöhnt und würden sofort auseinanderklappen.«
Kirschen hadern derweil schon mit der Witterung: »Die ersten Tafelkirschen färben von Gelb auf Rot«, hat Busam beobachtet, der auch gleich auf ein Problem verweist: »Sie beginnen aufzuspringen.« Das bestätigt auch Otto Brudy (Nesselried): »Die Kirschen werden schon leicht rot, reißen aber auf.« Was tun? »Spritzen, damit sie nicht zum Faulen beginnen«, so Brudy, der insgesamt durch die schlechte Witterung bei seinen Äpfel, Zwetschgen, Kirschen und Trauben »viel mehr Pflegearbeiten hat, damit nichts kaputt geht«. Das sei schlecht. Denn mehr Pflege, bedeute auch mehr Kosten.
Aber insgesamt sieht der Nesselrieder die Lage nicht so dramatisch: »Der Landwirt weiß, dass er mit dem Wetter leben muss.«
»Bisher haben wir noch keine nennenswerten Schäden«, resümiert auch Busam, aber meint dann doch: »Es wäre kein Fehler, wenn jetzt schönes Wetter käme. Aber diese Woche ist noch kalt angesagt. Da müssen wir durch.«