Obsterzeuger müssen Druck des Handels folgen
Globaler Markt bestimmt die Anforderungen wie Zertifizierung und Sortenauswahl / Obstgroßmarkt in Oberkirch zieht in Fautenbach mittelmäßige Bilanz
Trotz sehr mäßiger Erzeugerpreise war in der 14. Vertreterversammlung des Obstgroßmarktes Mittelbaden (OGM) von einer noch zufriedenstellenden Ertragslage des Marktes die Rede.
OGM-Aufsichtsratsvorsitzender Karl Lorenz begrüßte in der Festhalle Fautenbach rund 200 Obsterzeuger und sprach von einem nicht immer zufriedenstellenden Jahr mit sehr viel Arbeit für Landwirte und Markt OB Klaus Muttach würdigte den wertvollen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft der über 5000 Mitglieder.
Rosa Karcher, Präsidentin der Landfrauen Südbadens, lobte das gute Miteinander. Trotz des teilweise ruinösen globalen Wettbewerbs wollen die Landfrauen durch ihre Aktivitäten zur Lust auf die Zukunft und auf den landwirtschaftlichen Hof beitragen.
OGM-Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht bilanzierte die Ernte 2009. Die Erdbeeren hätten eine etwas unterdurchschnittliche Menge, jedoch einen ordentlichen Ertrag gebracht. Bei den Strauchbeeren seien bei überdurchschnittlicher Ernte die Preise des Vorjahrs nicht erreicht worden, jedoch einigermaßen befriedigend gewesen. Schwierig bis enttäuschend sei das Steinobst gelaufen. Bei Zwetschgen und Äpfeln habe die europäische Rekordernte und der wirtschaftsbedingte Verlust des russischen Marktes die Preise gebrochen, ein Hagelsturm im Sommer habe vor allem bei Äpfeln zu Qualitätsproblemen geführt.
Unter dem Strich habe der Markt allerdings noch respektable Umsätze erzielt. Weiterhin müsse die Zertifizierungsquote erhöht werden, was vom Handel als neuer Produktionsstandard vorausgesetzt werde, konkret sei eine Quote von 90 Prozent erforderlich. Ab diesem und nächstem Jahr werde der OGM nur noch zertifizierte Erdbeeren, Äpfeln und Tafeltrauben annehmen, auch die roten Johannisbeeren und Zwetschgen bräuchten eine deutlich höhere Quote
Weniger Sorten
Weitere Themen seien auf Druck des Handels die Auslastung der gesetzlichen Grenzwerte bei Spritzmitteln sowie die Rückführung der Sortenvielfalt vor allem bei den Zwetschgen. Um größere einheitliche Partien bilden zu können, werde die OGM Exoten und Sorten mit Qualitäts- oder geschmacklichen Problemen ausmerzen. Im engen Kontakt mit der Marktberatung soll bei künftigen Sortenwahlen entschieden werden.
Geschäftsführer Raphael Sackmann machte deutlich, dass sich der Preis durch ein Netzwerk an Märkten besser durchsetzen und der Platz im Regal verteidigt werden könne. Laut Sackmann habe im Beerenobst der Umsatz 16,7 Millionen Euro betragen, 7,1 Mio. im Stein- und 6,6 Mio. im Kernobst. Insgesamt habe es einen Jahresüberschuss von knapp 192 000 Euro gegeben. Einstimmig folgten die Vertreter dem Vorschlag des Vorstands, 40 000 Euro in die anderen Ergebnisrücklagen zu stellen, während knapp 152 000 Euro den Gewinnvortrag für das neue Jahr bilden sollen.
Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats sprach Markus Grimmig von einer geordneten Finanzlage und noch zufriedenstellenden Erträgen.
Markus Grimmig (Zusenhofen), Alfred Kasper (Erlach), Franz Kurz (Sasbach), Klemens Kammerer (Renchen-Ulm), Markus Beathalter (Zunsweier) und Thomas Zimmer (Ottersweier) erhielten das erneute Vertrauen als Mitglieder des Aufsichtsrats. Siegfried Rettig (Lauf) kandidierte nicht mehr. Seinen Platz nimmt nach einstimmigem Votum Hugo Hermann (Lauf) ein.
Großes Engagement
Matthias Hillebrand und Wendelin Obrecht ehrten Rettig mit Wein und der Urkunde des Genossenschaftsverbandes. »20 Jahre Aufsichtsratsmitglied bei der früheren OAG in Bühl und bei der OGM bedeuten etwa 500 Beschlüsse, viele Sitzungen und unter dem Strich ein halbes Jahr Lebenszeit«, lobte Hillebrand unter dem Beifall der Vertreter.
Einstimmig und ohne Diskussion akzeptierte die Versammlung Satzungsänderungen, die aus dem neuen Genossenschaftsgesetz 2006 und der europäischen Verordnung Gemeinsamer Markt (GMO) resultieren. »Die neue Satzung bringt mehr Flexibilität, in manchen Punkten rechtliche Klärungen und einige Verbesserungen für die Mitglieder«. Laut Sackmann sei die Kündigungsfrist deutlich verkürzt, Geschäftsguthaben könnten teilweise übertragen werden und der Markt habe nun auch die Möglichkeit, Zweigniederlassungen zu errichten oder sich an anderen Unternehmen, die dem Geschäftszweck dienen, zu beteiligen.
Bei der Versammlung des Obstgroßmarktes Mittelbaden in Fautenbach (von links): Geschäftsführer Raphael Sackmann, Matthias Hillebrand (Verbandsoberprüfer des Landesgenossenschaftsverbands), der verabschiedete Siegfried Rettig (Lauf), Aufsichtsratsvorsitzen