Umsatzrekord schon im Visier
Progress-Werk Oberkirch will 2011 rund 300 Millionen Euro erlösen und ist zurück in der Erfolgsspur
Das Krisenjahr 2009 hat die Progress-Werk Oberkirch AG noch nicht ganz verdaut. Der Automobilzulieferer setzt aber 2010 schon wieder zu einem neuen Höhenflug an. Der Umsatz des gesamten Konzerns wird bereits leicht über dem Vorkrisen-Niveau liegen. 2008 waren es 260 Millionen Euro.
2011 könnte das Progress-Werk Oberkirch einen neuen Umsatzrekord aufstellen: 300 Millionen Euro will der börsennotierte Automobilzulieferer erlösen, rund 15 Prozent mehr als in diesem Jahr. 2010 wird man nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden Karl M Schmidhuber konzernweit etwas über dem Niveau von 2008 landen. Damals setzte der Konzern 260 Millionen Euro um. Im Krisenjahr 2009 war der Umsatz auf 206 Millionen Euro eingebrochen.
Die Achterbahnfahrt scheint damit beendet. 2009 lag das Umsatz-Minus bei 20 Prozent, 2010 erwartet Schmidhuber ein Umsatz-Plus von 30 Prozent. Die Prognosen für die kommenden Jahren sind aufgrund der Anläufe für Bauteile neuer Modellreihen gut. Ganz verdaut ist die Wirtschaftskrise trotz des Aufschwungs noch nicht. Im Gegensatz zu anderen Betrieben gab es bei PWO keine Entlassungen. Mit der Belegschaft hatte man sich noch vor der Wirtschaftskrise auf eine Beschäftigungsgarantie verständigt. Die Weiterbeschäftigung der Stammbelegschaft kostete PWO 2009 einen zweistelligen Millionenbetrag, das Eigenkapital schrumpfte, neue Darlehen kamen hinzu und die Aktionäre verzichteten auf eine Dividende.
»Das hätten wir nicht unendlich durchhalten können. Jetzt muss diese Investition zunächst einmal zurückfließen«, sagt Schmidhuber. Trotzdem: Für 2010 wird bereits eine Erfolgsbeteiligung ausgeschüttet. Nach den Tarifverhandlungen erwartet der Vorstand im April 2011 eine Tariferhöhung.
Lediglich die Verträge der Leiharbeiter waren während der Wirtschaftskrise gekündigt worden. Inzwischen arbeiten in Stadelhofen wieder rund 115 Leiharbeiter. Das entspricht dem Niveau von 2007/08. Das Festhalten an der Belegschaft hat sich für PWO nach der Krise als vorteilhaft erwiesen: »Wir konnten richtig durchstarten, weil wir als einer von wenigen Zulieferern nicht gedrosselt hatten, um die bereits vereinbarten Anläufe vorzubereiten«, berichtet Winfried Blümel, Vorstand Produktion und Materialwirtschaft. Im Jahrestakt will PWO mit seinen vier Töchtern in Tschechien, Kanada, Mexiko und China in die Gewinnzone kommen. Die vier Fabriken werden 2010 zusammen rund 60 Millionen Euro zum Gesamtumsatz beisteuern, der Löwenanteil kommt mit 200 Millionen Euro aus Oberkirch. Hier wird man das Ergebnis von 2008 (210 Millionen Euro) noch nicht ganz erreichen. Größeres Wachstum wird in Zukunft nach Auskunft Schmidhubers am Standort Oberkirch schwer zu realisieren sein. Denn räumlich komme man an die Kapazitätsgrenze. Anders bei den vier Töchtern: Das Werk in Tschechien soll 2010 profitabel werden, der Betrieb in Kanada, der vor der Krise Gewinn abwarf, soll dies ab 2011 wieder tun. 2009 hatte sich der Umsatz in Kanada halbiert. In Mexiko will man spätestens 2012 aus der Verlustzone herauskommen, in China 2013. »Dort müssen wir noch zwei Jahre Aufbauarbeit leisten«, sagt Schmidhuber. Trotzdem liege die Zukunft des Automobils in Asien. In der Volksrepublik ist das Progress-Werk seit 2008 mit einer eigenen Tochter vertreten. Dort seien die höchsten Wachstumsraten zu erwarten.
STICHWORT
Beschäftigungsgarantie
Bis 2016 hat PWO zusammen mit der Gewerkschaft IG Metall für die fest angestellten Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie vereinbart, über die 2015 neu verhandelt wird. Im Schnitt waren 2010 bei PWO 1160 Mitarbeiter beschäftigt, davon 109 Auszubildende.
Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Karl M. Schmidhuber läuft bis Mai 2012, mit der Option für ein weiteres Jahr. 2013 wird Schmidhuber 65 Jahre alt.
Das Herzstück des Progress-Werkes Oberkirch ist der Stammsitz in Stadelhofen (Foto). An diesem Standort beschäftigt das Unternehmen 2010 im Schnitt 1160 Mitarbeiter und erlöst einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro.
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