Treues Duo: »Einmal Löwe, immer Löwe«

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Fanserie: Herbert Schwarz und Manfred Hansmann aus Oberkirch stehen seit fast 50 Jahren zu 1860 München/ Eher passive Fans

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20597_1.jpgIn einer Serie stellt die ARZ Fußballfans aus der Region vor, die einem ganz bestimmten Verein die Treue geschworen haben. Heute berichten Herbert Schwarz (57) und Manfred Hansmann (59) aus Oberkirch, was das Besondere am Arbeiterverein 1860 München, heute ein klammer Zweitligist, ist Die 60er Jahre hingegen waren die Jahre der Sechzger.
Können Sie sich noch erinnern, wann Ihnen die »Löwen« das erste Mal »ins Gesicht gesprungen« sind?
Herbert Schwarz: Ich war zwölf Jahre alt. Da wir zu Hause keinen Fernseher hatten, ging mein Vater mit mir in eine Oberkircher Gaststätte. Dort lief die Sportschau. 1860 München spielte noch im altehrwürdigen Grünwalder Stadion und es hatte geschneit. Gegen wen München gespielt hat, weiß ich nicht mehr, aber sie haben hoch gewonnen. Meine Leidenschaft für 1860 München war ab diesem Zeitpunkt geweckt.
Manfred Hansmann: Damals war die Mannschaft einfach gut und hat fast alles gewonnen. Ich kann mich noch an den Europapokal der Pokalsieger 1964/65 erinnern. München stand im Finale und verlor gegen West Ham United mit 0:2. Mir hat imponiert, dass die Spieler die Köpfe nicht hängen ließen und alle trotz Trauer gefeiert haben. Da habe ich mir gesagt: Denen musst du die Treue halten.
Wie haben Sie beide sich denn kennengelernt?
Schwarz: Wir waren schon als Kinder befreundet, haben oft zusammen Fußball gespielt. Die Liebe zu 1860 hat uns dann zusätzlich verbunden. Als »Blauer« war man auch immer gegen den großen Rivalen Bayern München – das schweißt zusammen. Unser erstes gemeinsames Live-Spiel war 1967 in Karlsruhe, wir haben 3:0 gewonnen.
Hansmann: Wir sind damals für 6,60 DM mit dem Zug hingefahren

Die Stimmung und die vielen Fahnen waren ein Erlebnis. An den Fanartikelständen haben wir uns mit unserem wenigen Taschengeld mit Fahnen und Wimpeln eingedeckt und sind voller Stolz damit wieder nach Hause gefahren. Wir haben auch oft unsere Fahrräder damit geschmückt und sind durch Oberkirch gefahren.
Besuchen Sie oft gemeinsam Spiele der »Löwen«?
Hansmann: Aus beruflichen und privaten Gründen waren wir leider noch nie gemeinsam bei einem Spiel in München. Das wollen wir aber sobald wie möglich nachholen. Wenn 1860 in der Region gespielt hat, waren wir aber schon gelegentlich bei einem Spiel. Wir sind eher »passive Fans« und unterstützen unsere »Fernliebe« am TV – aber das trotz allem mit Herz und Seele. Ich bin auch seit 30 Jahren Mitglied dieses Vereins. Unsere beiden Söhne sind Bayern-Fans, da haben wir wohl etwas in der Erziehung falsch gemacht (schmunzelt).
Was sind Ihre besonderen Erlebnisse in Bezug auf 1860 – positiv wie negativ?
Hansmann: Neben den Erfolgen in den 60er Jahren bleibt uns immer der direkte Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga (1994) in Erinnerung. Das hatte vor uns noch keine deutsche Mannschaft geschafft. Wir haben gefeiert und eine »blau-weiße Nacht« veranstaltet. Auch Derbysiege gegen Bayern sind immer etwas Besonderes.
Schwarz: Es gab aber leider auch immer wieder große Abstürze, wie die zahlreichen Abstiege. Als Sechzger ist man nicht verwöhnt und lernt sich auch an den kleinen Dingen zu erfreuen. Das ist wie im richtigen Leben, es gibt Höhen und Tiefen. Schade ist, dass es im Fußball immer mehr aufs Geld ankommt. Im Laufe der Jahre wird die Denkweise etwas nüchterner, man verliert etwas die Emotionalität – die Liebe zum Verein aber nie. Es gibt Wichtigeres, aber Fußball ist auf jeden Fall die schönste Nebensache der Welt. Früher gab es aber mehr Identifikationsfiguren im Fußball.
Welche Spieler oder Trainer haben Sie denn am meisten bewundert?
Schwarz: In den 60er Jahren war Petar Radenkovic der erste Torwart, der bis zur Mittellinie gelaufen ist und dort weitergespielt hat. Das hat mich als kleiner Junge schon beeindruckt. Er war auch einer der ersten ausländischen Fußballer in der Bundesliga und hat sich auch schon früh vermarktet (»Bin i Radi, bin i König«). Auch Trainer Werner Lorant habe ich kennenlernen dürfen – ein sehr markanter Mensch.
Hansmann: Mitte der 90er war der damalige Stürmer Bernhard Winkler aus ärztlichen Gründen in der Region. Über einen Bekannten kam er mit ein paar Leuten in unser Restaurant nach Oberkirch. Das war ein wirklich nettes Erlebnis, einfach ein menschlicher Fußballer ohne Starallüren. Solche Typen sterben leider aus.
Was wünschen Sie Ihrem Verein für die Zukunft?
Hansmann und Schwarz: Wir sind schon zufrieden, wenn wir uns in der zweiten Liga halten können. In den letzten Jahren waren die Erfolge bescheiden. Aber dass im Verhältnis trotzdem so viele Zuschauer kommen, ist phänomenal. Potenzial wäre auf alle Fälle da. Das Tolle an diesem ursprünglichen Arbeiterverein ist, dass sich Fans aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammen freuen oder ärgern. Da gibt es keine Unterschiede zwischen dem Zahnarzt und dem Metallarbeiter. Not schweißt zusammen: Einmal Löwe, immer Löwe!

ZUR PERSON
Die zwei »Löwen«
Herbert Schwarz arbeitet als Fahrer und im Zentrallager bei der Firma Linck. Der 57-jährige gelernte Buch- und Offsetdrucker ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Oberkirch. In seiner Freizeit widmet sich der ehemalige aktive Fußballer des SV Oberkirch und des SV Nußbach (Spitzname: ’60) dem Fotografieren und Malen sowie dem Briefmarken- und Modellbahnsammlen. Er ist sehr naturverbunden.
Manfred Hansmann hat sein Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet als Koch im » Herbstwasen« in Bad Peterstal-Griesbach. Er reist sehr gerne, hauptsächlich nach Spanien und Griechenland. Der fast 60-Jährige ist geschieden, hat drei erwachsene Kinder und wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Oberkirch.

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Seit fast 50 Jahren treue Fans von 1860 München: Manfred Hansmann (links) und Herbert Schwarz würden gerne einmal zusammen ein Heimspiel ihrer Lieblingsmannschaft besuchen.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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