Sympathischer Glaubenswerber
Vor 25 Jahren wurde Renchens Pfarrer Albert Lehmann zum Priester geweiht / Feier am Sonntag
Renchens katholischer Pfarrer Albert Lehmann feiert sein 25-jähriges Priesterjubiläum – und zwar am kommenden Sonntag, 20. Mai, mit einem Gottesdienst in der Kirche »Heilig Kreuz«. Priester wollte er schon als Kind werden. Dennoch verläuft sein Weg dorthin nicht eben.
Den Wunsch, Pfarrer zu werden, hegt Albert Lehmann bereits als Kind: »Wir hatten einen Kaplan, der mich sehr begeisterte. Er hat eine tolle Jugendarbeit geleistet.« Damals ist Albert Lehmann bei den Pfadfindern und auch Ministrant. »Logisch«, wie er zu Letzterem hinterherschickt Trotz der Begeisterung für die Kirche beginnt er nach der Volksschule aber eine Lehre als Landmaschinen-Mechaniker. Nach drei Jahren bricht er ab und geht nach Sasbach ins Aufbaugymnasium »St. Pirmin«, wo er 1974 das Abitur ablegt.
Sehr wohltuend
Albert Lehmann ist am 30. Dezember 1950 in Eschbach, einem kleinen Ort bei Waldshut, geboren. Er stammt aus einer großen Bauernfamilie mit neun Kindern, die ihn christlich sehr geprägt habe. Über den Wunsch, Pfarrer zu werden, hätten sich die Eltern damals auch gefreut – allerdings mit der Grundhaltung: »Du musst Dich so entscheiden, dass Du glücklich bist.« – »Das war damals sehr wohltuend«, sagt der 56-Jährige heute. Nach dem Abitur geht Albert Lehmann nach Freiburg aufs Kollegium Boromäus und studiert Katholische Theologie. Seine seinerzeitige Gemütsverfassung beschreibt er mit »Auf und Abs«, die ihn auch dazu veranlasst hätten, sich vom Kollegium abzumelden und sich in der Behinderten-Arbeit der evangelischen Kirche zu engagieren. Über die Arbeit findet er wieder zurück zur Priesterlaufbahn. »Von da an war’s klar«, sagt er im Rückblick.
Keine Zweifel
1979 tritt er wieder ins Kollegium ein. Im Dezember 1980 ist Diakonweihe in St. Peter. Sein Diakonatsjahr absolviert er in Messkirch. Am 23. Mai 1982 wird Albert Lehmann im Freiburger Münster zum Priester geweiht – und hat den Schritt seither nicht bereut: »Ich hatte keine Zweifel mehr
Es ist bis heute okay. Ich bin dankbar für die 25 Jahre und freue mich.« Und deshalb wolle er das Jubiläum auch feiern.
»Menschen in verschiedenen Lebenssituationen begleiten, für sie da zu sein, mit ihnen mitzugehen«, beschreibt der Pfarrer die schönen Seiten seines Berufs. Lange überlegt er dagegen, welche Schattenseiten dieser habe: »Für mich sehe ich nicht unbedingt welche«, sagt er, grübelt aber dann doch: »Wo Licht ist, muss es auch Schatten geben.« – »Immer mehr Arbeit durch die Zusammenlegung von Pfarreien zu Seelsorgeeinheiten. Vor allem in der Verwaltung«, fällt ihm dann auch ein. Dadurch komme die persönliche Seelsorge zu kurz. »Unter der Voraussetzung bin ich nicht angetreten«, sagt er.
5030 Katholiken in Renchen, Ulm und Erlach betreut er heute. Die Seelsorgeeinheit, die seit dem 1. Januar 2002 besteht, hat er mit aufgebaut. In Renchen war er aber nicht immer Pfarrer. In die Grimmelshausenstadt kam er über Brühl bei Mannheim und Sinzheim bei Baden-Baden, wo er je ein Jahr Kaplan war. Bereits danach hat er 1984 seine erste Stelle als Pfarrer am Kaiserstuhl angetreten – und zwar für Burkheim, Bischofingen und Achkarren. 14 Jahre ist er dort, die er als »sehr schöne, intensive Zeit« erlebt. Albert Lehmann ist Dekanatsjugendseelsorger in Breisach-Endingen. »Gut funktioniert« die ökumenische Arbeit im (vorwiegend evangelischen) Bischofingen. Und sein Engagement für die Tschernobyl-Kinder beginnt.
Nachdem ihm immer wieder Pfarreien angeboten wurden, entscheidet er sich 1998 für Renchen, wo er am 15. Oktober seinen Dienst antritt. »Es ist mir schwer gefallen, den Kaiserstuhl zu verlassen, aber im Rückblick war es so in Ordnung, der Wechsel für mich persönlich wichtig«, sagt er nun – und, dass er den Schritt, nach Renchen zu gehen, nie bereut habe: »Ich fühle mich hier wohl und getragen.« Deshalb könne sich der Pfarrer auch vorstellen, bis zur Pensionierung hier zu bleiben. »Doch das liegt nicht unbedingt in meinen Händen«, sagt er, »es ist eine sehr bewegte Zeit«.
Den Priestermangel erklärt er »nicht nur« mit dem Zölibat, sondern auch damit, dass die Menschen heute Angst vor eindeutiger Bindung hätten, wie man auch in vielen Ehen sehe, und, dass die Kirche heute nicht mehr den Stellenwert wie früher habe.
Sympathisch vermitteln
Werbung für die Kirche könne man mit einer sympathischen Glaubensvermittlung betreiben, um die sich Albert Lehmann bemüht. Für ihn steht der Mensch im Mittelpunkt, weshalb er sich immer als Seelsorger sah, und nie eine Karriere innerhalb der Kirche angestrebt habe. »Es ist wichtig, dass wir eine Gemeinde sind, die lebendig und offen ist für alle Belange, alle Menschen und alle Generationen«, sagt der katholische Priester, dem die Ökumene, Jugendarbeit (unter anderem jährliche Ferienlager mit den Ministranten, Reisen nach Taizé und Assisi mit den Firmlingen) sowie das Engagement für Ärmere auf dieser Welt (Tschernobyl- und Ghana-Hilfe der Pfarrei »Heilig Kreuz«) am Herzen liegen.