Stadtwerke müssen DMS nicht fürchten

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Grenzwert für Abbauprodukt gesetzlich nicht verankert / Wasserwerke könnten gegen das Land klagen

Die Chancen für die Oberkircher Stadtwerke stehen gut, ihr Trinkwasser trotz hoher DMS-Konzentration auch ab dem Jahr 2010 vertreiben zu dürfen. Das Umweltbundesamt rät jedoch von lebenslangem Genuss über einem Mikrogramm ab.

 

Die Diskussion um die hohe Konzentration von N,N-Dimethylsulfamid im Oberkircher Trinkwasser bereitet dem Betriebsleiter der Stadtwerke, Wolfgang Klattig, Bauchschmerzen Bei der erstmaligen Messung des Abbauprodukts des Pilzbekämpfungsmittels Tolylfluanid im April 2007 wurden mit 1,33 bis 2,31 Mikrogramm pro Liter erhöhte Werte gemessen. Das Land Baden-Württemberg hatte in seiner Funktion als Trinkwasseraufsichtsbehörde den Grenzwert auf 0,1 Mikrogramm festgesetzt.
Oberkirch erhielt eine Ausnahmegenehmigung durch das Landratsamt auf drei Jahre. So durfte das Trinkwasser auch weiterhin durch die Hähne in Oberkirch, Ulm, Erlach und teilweise in Renchen fließen. Die Hoffnung, dass sich DMS nach drei Jahren aus dem Boden verflüchtigt, schwindet. Denn auch in diesem Jahr stieg die Konzentration auf bis zu drei Mikrogramm in den Oberkircher Trinkwasserbrunnen an. »Die Ausnahmegenehmigung läuft nächstes Jahr aus«, so Klattig, »was dann geschieht, wissen wir noch nicht.«
Wolfgang Klattig sind die Hände gebunden. Eine Filterung des unerwünschten Moleküls ist in der großen Wasseraufbereitungsanlage technisch nicht umsetzbar. Dabei ist das 2002 gebaute Wasserwerk Waldbühnd auf dem modernsten Stand.
Auf Nachfrage der ARZ informierte das Umweltbundesamt (BU), dass die Stadtwerke mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft Trinkwasser mit erhöhten DMS-Werten vertreiben können. Grund sei eine Gesetzeslücke. Der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm sei nur bei »relevanten Metaboliten« von Planzenschutzmitteln festgeschrieben, erläutert Hermann Dieter. »Relevant«, da toxisch für den Menschen. DMS sei jedoch »nicht relevant«. Hier gebe es keine bundesweit geltenden Grenzwerte

In den meisten Bundesländern kann das Trinkwasser trotz hoher DMS-Belastung regulär vertrieben werden. Allein Baden-Württemberg verschärfte die Regeln. Der Grund: Wird das DMS-kontaminierte Wasser durch Ozonierung aufbereitet, entsteht krebserregendes Dimethyl-Nitrosamin. »Wir begrüßen, dass das Land diesen Weg geht«, erklärt Dieter«, es zeigt, dass es die Gesundheitsvorsorge über den rechtlichen Weg sehr ernst nimmt.« Wenn ein Wasserversorger jedoch klage, schätzt der Spezialist, könnte er recht bekommen.
»Restunsicherheit«
Nach heutigen Erkenntnissen, so erläutert BU-Sprecher Klaus Steinhäuser, gebe es keine Bedenken, bis zu 10 Mikrogramm DMS pro Liter Wasser aufzunehmen. Dass es im Körper zu Nitrosamin metabolisiert, halten die Biochemiker für äußerst unwahrscheinlich. Da es jedoch noch keine Langzeituntersuchungen gibt, sei eine »Restunsicherheit« vorhanden, so Steinhäuser. Man könne nie ganz ausschließen, dass der Stoff nicht doch eine Gefahr darstelle. »Stoffe, die so lange im Boden bleiben wie Dimethylsulfamid, sollten daher so gut wie möglich vermieden werden.«
Daher empfielt die Trinkwasserkommission des Bundesumweltamtes für alle »nicht relevante Metaboliten« einen Grenzwert von 1 Mikrogramm pro Liter bei lebenslangem Verzehr. Das Oberkircher Trinkwasser hätte damit noch immer zu hohe DMS-Werte.

 

 

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Veröffentlicht in Erlach

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