Auf- und Niedergang des Holzhofs
Werner Bühler hat die bewegte Geschichte des Gewanns aufgearbeitet / Ungeklärter Mord von 1734
Der Vorsitzende des Gamshurster Vereins für Ortsgeschichte, Werner Bühler, hat sich sehr ausführlich mit der Geschichte des Holzhofs und des Maiwalds befasst.
Einen interessanten Vortrag über die Geschichte des Holzhofs und des Maiwalds konnten die Bürgerinnen und Bürger bei der Seniorenweihnachtsfeier verfolgen. Der komplette Vortrag über den Auf- und Niedergang des Holzhofs wird am 5 Januar nochmals in Gamshurst anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins für Ortsgeschichte im Gasthaus »Hirsch« zu hören sein.
Der Flurname »Holzhof« ist in Gamshurst auch heute noch ein bei vielen Einwohnern des Ortes bekannter Begriff, auch dass dort ein Hof stand ist allgemein bekannt. Mit dem »Holzhof« verschwand aber nicht nur ein Bauernhof, sondern eine Einrichtung, die zur Zeit der deutschen Kleinstaaterei eine Rolle spielte.
Lage ist nicht bekannt
Heute ist die genaue Lage des Hofkomplexes, der einst mehrere Gebäude umfasste, nicht mehr bekannt. Wie Werner Bühler erwähnte, lässt sich die Lage auf den Bereich von sechs Flurstücken eingrenzen. Geht man hinter der Pfarrkirche »St. Nikolaus« über den Bachsteg nach Westen, stößt man nach etwa 300 Metern auf den von Nord nach Süd führenden Holzhofweg. Dort steht auch der kürzlich von Bildhauer Huber (Oberkirch) restaurierte Bildstock, der an einen ermordeten Jäger erinnert. Die etwa drei Hektar große Fläche zwischen den beiden nach Westen abzweigenden Graswegen war nach Aussage des verstorbenen Zimmermeisters Hermann Allgeier der Standort des Hofes.
Bis zum Jahr 1811 stand der »Holzhof« unter dem besonderen Schutz des Bischofs von Straßburg, der neben den Grafen von Hanau-Lichtenberg Bannherr im Maiwald war
Maiwaldgenossen waren die Herrschaft Hanau-Lichtenberg und ihre Untertanen aus Memprechtshofen und Freistett, sowie die zum Bischöflichen Straßburger Territorium gehörenden Gemeinden Wagshurst, Renchen, Ulm, Tiergarten, Stadelhofen, Erlach, Mösbach, Waldulm und Haslach. Die beiden letztgenannten Gemeinden verzichteten im Jahre 1811 auf Flächen im Maiwald und ließen sich im Ulmhardt abfinden. Gamshurst dagegen hatte nur minimale Rechte im Genossenschaftsgebiet.
Im Freistetter Waldbrief von 1534, der Geschäftsordnung der Genossenschaft, waren die Rechte und Pflichten festgelegt. So hatte Gamshurst in einem eng umgrenzten Bezirks Weiderechte für Rinder und Schweine. Hartholz, wie Eichen und Eschen zu schlagen, war für die Gamshurster verboten.
Der »Holzhof« lag bis vor 200 Jahren im Maiwald und hatte eine Schankgenehmigung sowie ein eigenes Jagdrecht. Schwierige Zeiten erlebte der »Holzhof«, im Jahre 1851 wurden 52 Grundstücke, auf denen kein Pfandrecht ruhte verkauft, am 17. März 1851 zog der »General Ghellnische Stiftungsfond« in Karlsruhe die Notbremse, ein Pfandrecht wurde auf dem Hofareal eingetragen.
Bei Josef Volz mit Hausnamen »Bolde-Sepp« steht heute noch eine Scheune aus der Konkursmasse des »Holzhofs«. In den politischen Umwälzungen während der Herrschaft Napoleons versank der Hof nach 1806 in die Bedeutungslosigkeit und alle Privilegien, wie Schank- oder Jagdrecht, Mietstall, Steuereinnehmerei, Holzdeputat und weitere fielen weg. Mit dieser Situation kamen die letzten Besitzer nicht zurecht.
Ein rotes Tuch
Zu einer gewissen Berühmtheit brachte es vor fast 300 Jahren Klaus Bühler, der mit Catharina Lorenz vom Holzhof verheiratet war und als Bauer in Litzloch lebte. Als »Tochtermann« des »Holzhofers« war er für die Herrschenden mit seinem großen schwarzen Hund ein rotes Tuch und seine Häscher bekamen ihn und seine Jagdgenossen nie zu fassen, zu gut kannten sich die Einheimischen in ihrem »Jagdgebiet« aus und scheinbar profitierte ganz Gamshurst von diesen Jagdzügen, denn nie wurden sie an die offiziellen Jagdherren verraten.
Aus jener Zeit stammt der Bildstock im Gewann »Holzhof«. Er wurde von Sebastian Schmitt, dem damaligen Holzhofbauern und Schwager von Klaus Bühler, zum Gedenken für den 1734 erschossen aufgefundenen Jäger Daniel Käser aus Freistett gestiftet, der im Dienste der Grafen stand. Nur zu gerne hätte man den Mord Klaus Bühler in die Schuhe geschoben, jedoch wurde der Fall nie aufgeklärt.
Der Bildstock beim ehemaligen »Holzhof«, hier mit dem Vorsitzenden des Vereins für Ortsgeschichte Gamshurst, Werner Bühler, erinnert an den ermordeten Jäger Daniel Käser.