Siefermann setzte sich gegen seine Frau und Obama durch
Renchens Bürgermeister wurde gestern wiedergewählt / Geringe Beteiligung
Gestern, 17.55 Uhr, im Renchener Rathaus: Ehe das Wahllokal schließt, gibt noch rasch ein Bürger seine Stimme ab. »Es tröpfelte den ganzen Tag so dahin«, sagt daraufhin Stefan Gutenkunst vom Hauptamt. Kürzere Stoßzeiten habe es nach dem Kirchgang, am frühen Nachmittag und so um 17 Uhr gegeben Er berichtet auch, dass am Wahlsonntag zum ersten Mal der neue Aufzug im Rathaus in Betrieb gewesen und »rege benutzt« worden sei. Etwa von den Bewohnern des Seniorenhauses, die so auf direktem Weg zur Wahlurne gelangten.
Mit dem Aufzug kommt um 18.17 Uhr dann auch Bürgermeister Bernd Siefermann samt Familie im ersten Stock des Rathauses an. »Ist irgendetwas Außergewöhnliches passiert?«, so seine erste Frage. Er wirkt entspannt, während im Renchener Rathaus und in den Ortsteilen ausgezählt wird.
Im Bürgersaal wundert und amüsiert man sich über Stimmen für Barack Obama. Was Siefermann ebenfalls ein Grinsen und »yes, we can« entlockt. Während die Wahlhelfer diskutieren, ob der US-Präsident nun wählbar sei oder nicht, winkt Bernd Meier nach Rücksprache mit Gutenkunst ab: »Nein, da kein EU-Bürger.« Obmas Stimmen werden daraufhin als ungültig erklärt.
Gültig sind dagegen jene Stimmen, die Siefermanns Ehefrau Jutta kassiert. Auch das sorgt für Heiterkeit im Rathaus, was auch den Ohren der »Gewählten« nicht verborgen bleibt. »Das freut mich. Das ist nett«, kommentiert sie den Vertrauensbeweis der Renchener. Und während Bernd Siefermann schon mal »familienbezogen« die Stimmen zusammenzählt, sagt Jutta Siefermann: »Ach danke, krieg ich denn Deine?!« Dann lachen beide.
Die Atmosphäre ist locker
Auch als sich die ersten Gratulanten gegen 18.30 Uhr im Rathaus einfinden: Oberkirchs OB Matthias Braun und Rheinaus Bürgermeister Michael Welsche. Mit einem Augenzwinkern und »sieht gut aus!« huscht Roland Boldt bei den beiden und Siefermann vorbei, dann geht’s dem Endspurt entgegen.
Freibier für die Gäste
Kurz nach 19 Uhr draußen, auf der Treppe vor dem Rathaus: Stadtkapelle, Spielmannszug und Männergesangverein haben sich fürs Ständchen aufgestellt. Die Ulmer Brauerei Bauhöfer kam mit einem Wagen Freibier vorbei. Zahlreiche Amtskollegen Siefermanns aus der Umgebung, Vorgänger Klaus Brodbeck, Stadt- und Ortschaftsräte, Vereinsvertreter, Pfarrer Willi Schneider mit Gästen aus Kenia und Bürger haben sich rund um den Grimmelshausenbrunnen eingefunden, um ihrem Stadtoberhaupt zu gratulieren und mit ihm zu feiern.
Heinz Schäfer verkündet die Wahlbeteiligung (»unser Aufruf 40 plus hat nicht ganz gefruchtet«) und die Stimmvergabe. »Herzlichen Glückwunsch und weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit«, so Schäfer zu Siefermann. Personalratsvorsitzender Thomas Krechtler gratuliert. Er blickt auf das von Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung gemeinsam Geleistete in den letzten acht Jahren und wünscht alles Gute für die nächste Amtszeit.
Von »tiefgreifenden Gefühlen in dem Moment der Wiederwahl«, »einem Vertrauensbeweis der Menschen in der Stadt« und »einem der schönsten Berufe in der Politik« spricht OB Braun, der die »gute Zusammenarbeit« Renchens und Oberkirchs hervorhebt.
Nach den gesungenen und gespielten Ständchen der Vereine, Gratulationen und Händeschütteln wird auf dem Rathausplatz schließlich gefeiert.
ZITIERT
Stimmen zur Wahl
Bernd Siefermann, Renchens wiedergewählter Bürgermeister: Wenn man das Ergebnis betrachtet, wer alles Stimmen bekam, kann man doch sagen, die Demokratie hat tatsächlich gelebt. Alle, die ganz vorne mitgewählt wurden, die hätte ich auch unbedenklich gewählt – ob Heinz Schäfer, Klaus Brodbeck oder meine Frau. Ich freue mich über den Wahlausgang und, dass so viele heute Abend gekommen sind. Ich danke für die Glückwünsche und die gute Zusammenarbeit, die wir weiterführen wollen.
Herbert König, Ortsvorsteher Erlach: Wahlrecht ist Wahlpflicht, das haben sich die über 30 Prozent Erlacher, die sich an der Wahl beteiligt haben, gesagt. Mich erfüllt das natürlich auch mit Stolz. Ich wünsche mir weiterhin eine so gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister wie bisher. Denn letztlich haben wir alles zum Wohl der Gesamtstadt geleistet.
Peter Spraul, Ortsvorsteher Ulm: Ich wünsche Bernd Siefermann viel Kraft für die kommenden acht Jahre, die er brauchen wird, und uns eine weiterhin so gute Zusammenarbeit. Er hat sehr viel bisher für die Gesamtstadt gemacht. Die niedrige Wahlbeteiligung war ohne Gegenkandiaten vorherzusehen. Alle haben gesehen, dass er seine Arbeit gut macht.
STICHWORT
Das Ergebnis der Renchener Bürgermeisterwahl
Wahlberechtigte: 5699
Wähler: 1703
mit Wahlschein: 136
Wahlbeteiligung:
gesamt: 29,88 %
Renchen: 26,61 %
Ulm: 26,81 %
Erlach: 31,84 %
Gültige Stimmen: 1630
Ungültige Stimmen: 73
? Die Stimmenverteilung:
Bernd Siefermann (1536 Stimmen; 94,23 %); Heinz Schäfer (24 Stimmen); Klaus Brodbeck (23); Jutta Siefermann (20); Wolfgang Bär und Günther Misch (jeweils 4 Stimmen); Jürgen Nigey (2) sowie jeweils 1 Stimme: Horst Öhler, Bernd Meier, Doris Schlecht, Willi Weber, Dieter Schoch, Martin Förster, Jochen Graf, Alfred Baum, Roland Boldt, Gottfried Walz, Robert Meier, Peter Spraul, Karl-Heinz Moll, Peter Schrempp, Hans Murrack, Heidi Butz, Beda Grollmann und Berthold Eckstein.
Feierten die Wiederwahl (von links): Bernd, Katharina, Jutta Siefermann, Heinz Schäfer und Julian Siefermann.