Rätsel um die Wirkung von DMS
Bundesumweltamt schweigt sich über das N,N-Dimethylsulfamid aus / Lautenbach kaum betroffen
Das Trinkwasser in Oberkirch ist weiterhin mit DMS belastet. Den Stadtwerken sind jedoch die Hände gebunden, denn es gibt kein praktikables Verfahren, das Wasser in großen Mengen vom Abbauprodukt eines Pflanzenschutzmittels zu reinigen.
Die letzten Untersuchungen des Trinkwassers in den Tiefbrunnen des Wasserwerks Waldbühnd in Renchen haben die Erwartungen bestätigt: Die Konzentration von N,N-Dimethylsulfamid (DMS), ein Abbauprodukt des Pilzbekämpfungsmittels Tolylfluanid, ist nicht gesunken Sie liegt je nach Jahreszeit und Niederschlag bei einem bis drei Mikrogramm pro Liter. Der Grenzwert liegt bei einem Mikrogramm – ein allgemeiner Wert, der bei allen Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten, relevanten Metaboliten, Abbau- und Reaktionsprodukten zugrundegelegt wird. Das Oberkircher Trinkwasser überschreitet damit fast immer den Grenzwert.
Das Wasser fließt durch die Hähne aller Oberkircher Haushalte mit Ausnahme Ödsbachs. Daneben werden auch Erlach, Ulm und wenige Haushalte in Renchen mit dem Trinkwasser versorgt. Auch Lautenbach bezieht Oberkircher Wasser. »Wir haben eine Pflichtabnahme von 30 Prozent«, erläutert Bürgermeister Karl Bühler. Falls die eigenen Tiefbrunnen leerlaufen, wird mehr Wasser bezogen. »Wir wollen jedoch so lange wie möglich an der untersten Grenze fahren«, erklärt Bühler. Aus Kostengründen und wegen der Schadstoffbelastung. Die eigenen zwei Brunnen enthalten nur 0,36 und 0,11 Mikrogramm DMS pro Liter. Vermischt mit dem Wasser aus Oberkirch wurden zuletzt im Trinkwasser 0,92 Mikrogramm pro Liter gemessen. »Die Werte sind leicht hochgegangen«, so Bühler. Dennoch liegt das Trinkwasser in Lautenbach noch unter dem Grenzwert. Oppenau und Bad Peterstal-Griesbach sind von dem chemischen Stoff nicht betroffen.
»Das DMS ist ein großflächiges Problem in Baden-Württemberg«, erklärt Diplom-Geologe Joachim Kiefer vom Technologiezentrum Karlsruhe
Überall dort, wo intensive Landwirtschaft betrieben werde. Noch warten die Wasserversorger auf eine umfangreiche Untersuchung von Dimethylsulfamid. In einer ersten Analyse 2006 ging das Bundesumweltamt davon aus, dass bei lebenslangem Genuss eine DMS-Belastung des Trinkwassers ab 10 Mikrogramm pro Liter bedenklich sei. Wissenschaftlich untermauert ist die These bis heute noch nicht.
»Nicht bedenklich«
Joachim Kiefer informiert, dass es bislang kein »umsetzbares Verfahren« zur Eliminierung von DMS im Trinkwasser gebe. Die Nanomembrantechnologie wie Umkehrosmose macht es zwar möglich, doch ist sie nicht für große Wassermengen geeignet (siehe Kasten).
Kiefer ist jedoch überzeugt, dass DMS gesundheitlich nicht bedenklich sei. So hätten andere Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalen, das Abbauprodukt als »nicht relevant« eingestuft. »Es handelt sich wohl um einen völlig harmlosen Stoff«, so der Geologe. Er räumt jedoch ein: »Es wäre positiv, wenn das Bundesumweltamt endlich klare Ergebnisse und Richtlinien herausgeben würde.«
Lautenbachs Bürgermeister Karl Bühler hat ein Auge auf die Entwicklung der Trinkwasserqualität.