Sehnsucht: Zukunft in Oberkirch
Asylbewerberin aus Armenien möchte in Oberkirch beim Vater ihrer Kinder bleiben / Genehmigung fehlt
In Oberkirch wohnen zu dürfen, ist der erklärte Wunsch von Jeanna Mkrtchyan. Dort lebt der Lebensgefährte der Asylbewerberin aus Armenien, die in Nordrhein-Westfalen gemeldet ist. Doch sie erhält keine Zuzugsgenehmigung.
»Ich will nur in Ruhe mit meinem Mann und unseren Kindern zusammenleben«, formuliert Jeanna Mkrtchyan ihren größten Wunsch in diesen Tagen. Seit einigen Jahren lebt die 31 Jahre alte Armenierin in Deutschland und ist mit ihrer Familie in einer echten Notlage
Ihre Mutter und Geschwister waren an einer schweren Lungenkrankheit gestorben. Als die damals 24-Jährige ebenfalls an Tuberkulose erkrankte, verkaufte sie, was sie noch hatte und flog mit dem Erlös nach Deutschland. In einem Krankenhaus konnte Jeanna ihre Krankheit ausheilen, die Nebenwirkungen schwerer Medikamente bewirkten allerdings bleibende gesundheitliche Schäden. Bis heute hat sie nach eigenen Angaben kein Gefühl in den Beinen, ist beim Gehen unsicher und ermüdet schnell. Heute ist das Leben kaum erträglich für sie, da sie über die gesundheitlichen Schwierigkeiten hinaus durch verschiedene Probleme um den sogenannten »Status« belastet ist.
Im Flüchtlingsheim in Arnsberg im Sauerland lernte Jeanna in der Zeit nach dem sechsmonatigen Aufenthalt im Krankenhaus ihren Landsmann Afram Gazar kennen. Dieser ist mittlerweile seit 21 Jahren in Deutschland und lebt in Oberkirch. Die junge Frau wurde schwanger, erhielt aber auch nach der Geburt des Sohnes Karapet im Jahr 2008 keine Erlaubnis, zu ihrem Mann zu ziehen. 2009 brachte Jeanna die Tochter Susanna in Oberkirch zur Welt. Heute wohnt die Familie in einer kleinen Wohnung in Oberkirch und hat permanente Angst, abgeschoben zu werden. Ihr Asylgesuch wurde abgelehnt. Den Heiratswunsch konnte sich das Paar bislang nicht erfüllen, für die notwendigen Papiere wären insgesamt 600 Euro zu bezahlen und zudem der Gang zur Botschaft notwendig, was sich Jeanna Mkrtchyan auch aus Angst vor Abschiebung nicht traut.
Seit Geburt des zweiten Kindes erhält Jeanna Mkrtchan keine Unterstützung von der Stadt Arnsberg mehr. Die Stadt, in der die Mutter mit den beiden Kindern weiterhin ihren Wohnsitz behalten muss, verlangt den Aufenthalt im dortigen Heim für Flüchtlinge.
Eine Zuzugsgenehmigung zu ihrem Ehemann nach Oberkirch hat Jeanna Mkrtchyan bislang nicht erhalten. Die Familie lebt vom Einkommen des Vaters und mit der Hilfe von Freunden. Über den Vater sind die Kinder auch krankenversichert, Jeanna müsste im akuten Krankheitsfall den schwierigen Weg über die Stadt Arnsberg suchen.
Eine Tagesbetreuung über das Landratsamt Ortenaukreis erhält die Familie zumindest für den dreijährigen Sohn Karapet. Punktuelle Hilfen hat die christlich-orthodoxe Familie in den vergangenen Jahren auch durch die Kirchengemeinde und den Caritasverband Acher-Renchtal bekommen.
Sozialarbeiterin Gabriele Bögershausen weiß, dass die Mutter am meisten durch die große Angst vor Abschiebung belastet ist und auch an der daraus folgenden Gesamtsituation enorm leidet. »Die Familie bräuchte vor allem die Erlaubnis, dauerhafter hier zu leben, wo Familie und Bekannte sind«, betont Bögershausen, die der Familie auch einen unterstützenden Freundeskreis wünschen würde.
Enorme Fahrtkosten
Nicht zuletzt, so Gabriele Bögershausen, wäre eine feste Arbeitsstelle des Vaters in der Raumschaft Oberkirch gut. Afram Gazar arbeitet als Lkw-Fahrer in Stuttgart. Da seine Familie nicht dorthin ziehen darf, fallen zusätzlich zur Anstrengung auch enorme Kosten für die Fahrten an.
STICHWORT
Freundeskreis Asyl
Zur Unterstützung von Flüchtlingsfamilien plant der Caritasverband Acher- Renchtal die Gründung eines Freundeskreises Asyl. Hilfsbedürftige Familien sollen auf möglichst breiter Ebene Hilfen verschiedenster Art erhalten können. Kontakt: Gabriele Bögershausen und Carmelo Scalisi, •
0 78 41 / 62 140.
STICHWORT
Stadt bietet Hilfe an
Die Stadt Oberkirch weist darauf hin, dass sie mit dem zuständigen Ausländeramt in Arnsberg vereinbart hat, die Mutter und beide Kinder von der Residenzpflicht in Arnsberg zu befreien. Jeanna Mkrtchyan kann so mit dem Vater ihrer beiden Kinder in Oberkirch zusammenleben. Das Ausländeramt der Stadt habe ihr darüber hinaus angeboten, im Wege der Amtshilfe die ausländerrechtlichen Angelegenheiten wahrzunehmen, um ihr den weiten Weg nach Arnsberg zu ersparen. Von diesem Angebot der Oberkircher Verwaltung habe Frau Mkrtchyan bislang keinen Gebrauch gemacht.
Ungewisse Perspektiven: Susanna und Karapet sowie ihrer Mutter Jeanna Mkrtchyan droht die Abschiebung.
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