Schüsse auf 13-Jährigen in Draveil
»Strafe« für Belästigung der Freundin / Bürgermeister rettet Wald / Ex-Boxer sperrt Frau ein
Kriminelle Ausnahmefälle haben in Oberkirchs französischer Partnerstadt Draveil für Gesprächsstoff gesorgt. Daneben fanden einige Bürger noch Zeit, ich Gedanken über die Zukunft der Stadt zu machen und gegen das Abholzen von Bäumen zu protestieren.
Flirten kann man nicht mit jedem, zumal, wenn man gerade erst 13 Jahre alt ist. Diese Erfahrung musste jetzt auf schmerzvolle, ja kriminelle Art ein belgischer Junge machen, der sich zu einem kurzen Besuch in Draveil befand, in Oberkirchs französischer Partnerstadt südlich von Paris Denn als der Junge eine 19-jährige Frau auf der Straße ansprach, wohl mit Worten, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig ließen, fühlte sich die junge Dame belästigt. Als alle Abweisungen nichts halfen, rief sie ihren Freund zur Hilfe.
Der 28-Jährige fand die Konkurrenz eines 13-Jährigen alles andere als lustig. So sehr in Wut brachte ihn die Anmache eines Fremden, dass er kurzerhand auf den belgischen Casanova schoss. Mit einer Schrotpistole. Eine Kugel drang durch die Backe des Kindes. Der Täter mitsamt Freundin flüchtete, der 13-Jährige wurde ins Krankenhaus geliefert und musste dort tagelang bleiben.
Knapp vier Wochen später griff die Polizei zu, verhaftete den Schützen und dessen Freundin. Der 28-Jährige wird vor Gericht gestellt. Denn die Zeiten, dass es eine Frage der Ehre war, Konkurrenten um die Gunst der eigenen Dame mit Feuerwaffen zu bekämpfen, sind auch in Frankreich vorbei.
Und noch ein krimineller Fall sorgte für reichlich Gesprächsstoff in Draveil. Nämlich das unglückliche Ende einer unglücklichen Beziehung zwischen einem polnischen Modell und einem französischen Boxer. Die beiden – sie 37, er 41 Jahre alt – hatten erst vor einem Jahr geheiratet, als es zum Streit über 30 000 Euro kam, die die Frau auf einer Bank in Spanien angelegt hatte. Das Hin und Her beendete der Ex-Boxer damit, dass er seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Draveil einsperrte, festband, sie schlug und bedrohte.
Attacke auf der Straße
Als das Paar wenig später nach Spanien flog, um dort die 30 000 Euro zu holen, attackierte der Ex-Boxer seine Polin erneut, diesmal aber auf offener Straße. Die spanische Polizei ließ sich nicht zweimal bitten, nahm den Mann fest, der jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.
An den Kragen ging es auch einer Reihe von Bäumen, die im großen Wald von Sénart standen, der sich vom Siedlungsgebiet von Draveil aus 3000 Hektar nach Südosten erstreckt. Sie mussten Platz machen für die Pläne eines Netzbetreibers für Elektrizität. Draveils Bürgermeister Georges Tron war darüber genauso empört wie der Gemeinderat und viele Bewohner. Tron ließ seinen politischen Einfluss spielen – immerhin gehört er als Staatssekretär der französischen Regierung an – und erreichte ein Ende des Abholzens. Solche Aktionen im Sinne der Natur sollen ebenfalls die Stadtplanung für die nächsten 15 Jahre prägen. »Projekt zur Raumordnung und nachhaltigen Entwicklung« nennt sich der städtebauliche Plan, der zurzeit in Draveil erarbeitet wird. Die Bürger sollen bei wichtigen Entscheidungen mit eingebunden – zumindest angehört – werden.
Was sich aus Sicht der regierenden Konservativen bisher als Erfolgsgeschichte darstellt, wird von der Opposition im Gemeinderat kritisiert. So sei es zum Beispiel nicht sehr bürgerfreundlich gewesen, die erste Runde der öffentlichen Anhörungen in den Ferienmonaten Juli und August anzusetzen. Außerdem sei es nicht gerecht, dass bei Versammlungen in einem Stadtteil nur Bewohner dieses Stadtteils an der Diskussion teilnehmen dürften. Denn Staus zum Beispiel, so Fabienne Sorolla von der Zentrumspartei Modem, würden sich später auch nicht an Stadtteilgrenzen halten. Und das Stadtzentrum von Draveil wollten doch alle Bürger mal benutzen. Sie erhofft sich für die Zukunft tatsächlich offene Debatten und nicht nur ein Abnicken von bereits gefassten Plänen der Stadtführung.
Am Rande
Buch über Paris-Jardin
Paris-Jardin heißt in Draveil ein Stadtviertel der besonderen Art. 322 Häuser, die oftmals den Charakter einer Villa haben, stehen dort auf einer Fläche von 42 Hektar und sind vom Rest der Stadt durch eine Mauer getrennt. 1911 wurde diese Siedlung als Genossenschaft angelegt von Pariser Arbeitern, die außerhalb der immer größer werdenden Stadt in der Natur zusammenleben wollten. Genossenschaftlich ist Paris-Jardin immer noch organisiert. Es ist weiterhin durch Grünanlagen geprägt, hat mittlerweile jedoch eine Bewohnerschaft, die dem gehobenen Bürgertum angehört. Zur 100-Jahr-Feier dieser Siedlung wird in diesem Jahr ein Buch erscheinen. Eine Ausstellung auf dem Gelände von Paris-Jardin hat jetzt schon mal einen Vorgeschmack auf das gegeben, was 2011 in dem Schmöker nachgelesen und -geschaut werden kann.
Paris-Jardin: Teichanlage im Stadtviertel Paris-Jardin, das eine besondere Anlage in Oberkirchs französischer Partnerstadt Draveil ist
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