Pfarrer beklagen Kirchenaustritte
46 Katholiken und 17 Evangelische nicht mehr dabei.
In den Jahresschluss-Gottesdiensten an Silvester zogen die Oberkircher Pfarrer Lukas Wehrle und Reinhard Sutter für ihre Kirchengemeinden Bilanz. Die Pfarrgemeinderatswahlen im März hätten etwas sichtbar gemacht vom hohen Engagement vieler Menschen in der Pfarrgemeinde, sagte Wehrle Dazu sei das Erlebnis der Priesterweihe und Primiz von Siegfried Huber gekommen. Die Ministrantenwallfahrt nach Rom mit 94 Jugendlichen aus der Seelsorgeeinheit Oberkirch sei ebenfalls ein Erlebnis lebendiger Kirche gewesen.
»Diese Erfahrungen standen alle vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle und dem damit verbundenen seelischen Schaden in vielen jungen Menschen, die zu Opfern geworden sind«, stellte Wehrle fest. Damit sei ein Vertrauensbruch verbunden gewesen. Dies schlage sich auch bei den Kirchenaustritten nieder: In Oberkirch gab es 2009 22 Kirchenaustritte, 2010 waren es 46. »Das tut natürlich weh«, bekannte Wehrle.
Es bleibe die Hoffnung, dass die Gemeinschaft der Kirche aus dieser schweren Krise schließlich erneuert hervorgehe. Hinzu kommt, dass in Oberkirch den 44 Taufen 89 Beerdigungen gegenüberstehen: Der Kirchenbesuch in Oberkirch sei im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, was an den besonderen Bedingungen des Zählsonntages liegen könne.
Pfarrer Reinhard Sutter meldete, dass die Zahl der Gemeindeglieder in der evangelischen Kirchengemeinde leicht zugenommen habe, auf 3271. Er habe 17 Kirchenaustritte zu beklagen. Dem standen zehn Eintritte gegenüber. Ferner zählte man 29 Taufen, darunter auch Konfirmanden- und Erwachsenentaufen, sowie 20 Beerdigungen. Neun Paare haben geheiratet. 21 Jungen und Mädchen wurden konfirmiert.
»Am 1. Advent konnten viele Mitarbeiter für langjährige Tätigkeit geehrt werden,« resümierte Sutter. Nach fast vier Jahrzehnten wurde Manfred Weidner als Kirchendiener verabschiedet. Seit Juni 2010 ist das Ehepaar Watschenko im Amt.
»Besonders erfreulich ist die Entwicklung in der Gruppe 55 Plus«, unterstrich Sutter die Aktivitäten der »jungen Alten.« Es hätten sich enorm viele Interessierte zu Projekten zusammengefunden. Auch die Spendenbereitschaft in der Gemeinde sei erfreulich. Für die Diakonie und »Brot für die Welt« seien 6675 Euro zusammengekommen. An Kirchgeld habe man bis jetzt 4623 Euro gezählt, und für die Renovierung des Gemeindehauses habe man 2765 Euro verbucht. »Obwohl die Renovierung abgeschlossen ist, können wir noch mehr Spenden brauchen«, schmunzelte Sutter.
Nach einigen Erläuterungen kam Pfarrer Sutter zu folgendem persönlichem Schluss: »Ich hätte gerne, dass 2011 aus dem Wutbürger ein Mutbürger wird, der den Mut hat, laut zu sagen, wo wir in die falsche Richtung rennen. Den Generälen und Politikern zu sagen: Wir wollen keinen Krieg, auch wenn er tausende Kilometer entfernt ist. Den Steuersparakrobaten und Steuerhinterziehern zu sagen, dass sie uns das Geld für Schulen und Kindertagesstätten stehlen sowie für das Lebensrecht Behinderter einzutreten.«
Pfarrer Lukas Wehrle hofft, dass die katholische Kirche erneuert aus der Krise hervorgeht
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