Schultes schickt Stoßgebet zum Himmel
Siefermann hofft, dass mit Auflösung des Polizeipostens der Service für die Bürger erhalten bleibt
Polizeihauptkommissar Martin Weinzierle stellte dem Gemeinderat am Montagabend die Kriminalstatistik 2003 vor.
Die Anzahl der Straftaten ist in Renchen 2003 im Vergleich zu 2002 um 40 auf 364 gestiegen. Polizeihauptkommissar Martin Weinzierle erläuterte den Gemeinderäten die Zahlen und griff Auffälligkeiten heraus So scheinen 2003 sieben Sexualstraftaten auf, die allerdings zu 100 Prozent aufgeklärt werden konnten. Was auf den ersten Blick erschreckend aussieht, relativierte Weinzierle: Drei Fälle stammten aus dem Vorjahr, einer lag überhaupt schon über zehn Jahre zurück, wurde aber erst 2003 angezeigt. Zwei Vergewaltigungen haben innerhalb einer Beziehung stattgefunden (»der Täter sitzt«) und eine Tat sei nach »menschlichem und krimminalistischem Ermessen« nur vorgetäuscht worden.
Auch die 32 Körperverletzungen (+ 9 gegenüber 2002) beinhalten verschiedene Delikte – von der Ohrfeige über den Hundebiss bis zur wechselseitigen Körperverletzung. Weinzierle beruhigte: »Es sind darin keine Überfälle enthalten.«
Auffällig: Die Computerkriminalität hat sich von 2002 auf 2003 verdoppelt. Von den acht Fällen konnten auch nur zwei geklärt werden. »Es ist einfach, über ebay zu betrügen. Man bietet etwas an, verlangt Vorkasse und verschickt die Waren dann nicht«, so Weinzierle. Er ging zudem auf Zech- und Tankstellenbetrüge ein, die Rauschgiftkriminalität (sie ging zurück) und verwies auf Sachbeschädigungen wie im Grimmelshausenpark. Trotz der 35 Delikte habe es keine Serie wie im Jahr zuvor gegeben.
Etwa gleichgeblieben seien die Diebstahlsdelikte. »Die Opfer haben zwar stets mein Mitgefühl«, meinte Weinzierle verwies aber dennoch, dass auch »Gelegenheit Diebe macht« – so etwa bei den 32 Fahrraddiebstählen, bei denen elf Räder nicht verschlossen waren
»Stark beschäftigt« haben ihn und seine beiden Kollegen auch die Diebstähle in Geschäften. In sechs Fällen hätten Kundinnen ihre Geldtaschen offen im Einkaufskorb liegen lassen und es so den Dieben leicht gemacht. »Hier wäre eine Tat einfach zu verhindern«, sagte er. Ebenso im Schwimmbad, wo etwa offen Handys auf der Matte lagen und verschwanden.
»‘Und führe mich nicht in Versuchung’ steht schon in der Bibel«, meinte auch Frieda Weber (CDU), die die Präventivmaßnahmen lobte: »Prima, wie man auf die Jugendlichen zugeht.« Zuvor hatte Weinzierle erläutert, dass man vor Jugendlichen keine Vorträge hält, das sei der falsche Weg. »Prävention funktioniert nur, wenn man die ‘Kundschaft’ kennt«, weiß der Polizist aus der täglichen Arbeit. Mit seinen Kollegen versucht er, selbst zu straffällig gewordenen Jugendlichen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ein Polizeiposten vor Ort sei dafür unverzichtbar.
Wie wichtig den Renchenern die Präsenz ist, verwies auch Wolfgang Kehrer (FWV): »Erst vor 14 Tagen haben wir aus der Presse erfahren, dass Renchen mit der Kriminalität an elfter Stelle liegt.« Er konnte sich nicht vorstellen, dass es künftig – ohne eigenen Posten – besser wird. Auch Heinz Schäfer (SPD) fürchtete, dass der Kriminalität »Tür und Tor« geöffnet wird.
Weinzierle, dem bei dem Thema »das Herz blutete«, meinte, in der Statistik werde man in den nächsten zwei bis vier Jahren nicht merken, dass der Posten weg ist: »Die absolute Zahl der aufgenommenen Straftaten wird sogar zurückgehen.« Er appellierte deshalb, auch weiterhin alle Vorfälle anzuzeigen.
Während Herbert König (CDU) Weinzierles Engagement bei der Anti-Drogen-Disco in Erlach lobte, fehlte Hans Murrack (SPD) in den Ausführungen eine Schlägerei zwischen Kosovoalbanern und Spätaussiedlern beim Schwimmbadfest. »Es gibt zu bedenken, dass man heute für Veranstaltungen schon Securties beschäftigen muss«, so Murrack.
Bürgermeister Bernd Siefermann, der unter Beifall der Räte Weinzierle dankte, schickte abschließend »ein Stoßgebet zum Himmel«, dass der Sevice so blelibt.