Oberkircher Erfolgsgeschichte
Lebenshilfe unterstützt in Werkstätten und Wohneinrichtungen Selbstständigkeit von Behinderten
Seit ziemlich genau 15 Jahren bietet die Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch mit der Albert-Schweitzer-Werkstätte in den Mönchsmatten und mehreren Wohneinrichtungen in Oberkirch Menschen mit Behinderung einen geregelten Alltag. Die Leser-helfen- Aktion unserer Zeitung möchte in diesem Jahr der Einrichtung zu einem Sinnesgarten verhelfen.
Als am 27. November 1995 der Startschuss für die Zweigstelle der Albert-Schweitzer-Werkstätte der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch fiel, begann eine Erfolgsgeschichte, deren Höhepunkt noch nicht erreicht ist Aus dem gesamten Renchtal, dem Raum Durbach und Renchen kommen jeden Morgen bis zu 110 Menschen, teils durch die Unterstützung eines Sondertransportes, die einen normalen Arbeitsalltag nicht bewältigen können.
In den Räumlichkeiten der Mönchsmatten 5 wird diesen Mitarbeitern mit Behinderung ein adäquater Arbeitsplatz geboten, der den körperlichen und geistigen Fähigkeiten jedes Einzelnen entspricht. Um diese Individualförderung zu unterstützen, hat die Lebenshilfe mehrere Abteilungen geschaffen. Schaut man sich dort ein bisschen genauer um, fallen einem sofort die neugierigen und wachen Augen der Menschen auf, die zwar auf eine Art eingeschränkt, auf der anderen Seite aber einiges zu leisten imstande sind.
Zunächst durchläuft jeder »Neuling« den Berufsbildungsbereich/Lehrwerkstatt, in dem sich nach 27 Monaten, je nach persönlichen Fähigkeiten, ein »Berufsbild« herauskristallisiert. Danach werden die Menschen dann in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche entlassen. So montieren beispielsweise die Mitarbeiter des Bereichs »Serie«, 900 000 Strahlkörper pro Jahr, die in Duschbrausen verwendet werden. Menschen mit eher grobmotorischen Fähigkeiten haben beim Einpressen der Kartuschen in den Strahlkörper natürlich ihre Vorteile.
»Fast alle Auftraggeber der hergestellten Produkte sind Firmen aus der Region«, erklärt Michael Warda, Werkstattleitung-Arbeit. In den Abteilungen »Montage« und »Elektro« kommt es mehr aufs Fingerspitzengefühl an: Schläuche werden zerschnitten und wieder zusammengebaut oder Kabelbäume für Programmautomaten verbunden und geprüft.
»Arbeit macht viel Spaß«
Für Letzteres sind auch Christian Huber aus Durbach und Bianca Huber aus Bad Peterstal zuständig. Der 37-Jährige ist schon seit 15 Jahren dabei, die 29-Jährige seit sechs Jahren. Beide schneiden Drähte, konfektionieren diese und binden sie zu Kabelbäumen zusammen. Zum Schluss wird geschaut, ob alles funktioniert. »Wir prüfen alles zu 100 Prozent, es passieren fast keine Fehler mehr«, schmunzelt Bianca Huber. »Die Arbeit macht viel Spaß, auch wenn es am Anfang schon schwer war, alles richtig zu machen«, reflektiert Christian Huber, der jedoch mittlerweile zu einem »alten Hasen« geworden ist. »Die Löhne der behinderten Mitarbeiter werden durch die erwirtschafteten Erlöse aufgebracht«, erklärt Doris Oswald, Werkstattleitung-Soziales.
Neben den Werkstätten bietet die Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch noch Weiteres: In den Förder- und Betreuungsgruppen werden Schwerstbehinderte individuell gepflegt und gefördert, um ihnen Sicherheit und einen geregelten Tagesablauf zu gewährleisten. Die Abteilungen »Offene Hilfen« sind für die Beratung behinderter Menschen und deren Angehörigen sowie für eine umfangreiche Freizeitgestaltung verantwortlich. Abgerundet wird das Angebot durch spezielle Wohneinrichtungen in Oberkirch für mehr als 40 Personen. Auch hier steht die Förderung der Selbstständigkeit behinderter Menschen an oberster Stelle.
STICHWORT
Lebenshilfe
1965 wurde die Vereinigung »Lebenshilfe Offenburg e.V.« von betroffenen Eltern gegründet. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Dachorganisation »Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch«, die als alleiniger Gesellschafter der Albert-Schweitzer-Werkstätten und Wohneinrichtungen in Offenburg und Oberkirch ein umfassendes Betreuungs-, Förderungs- und Serviceangebot für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige anbietet. Weitere Informationen im Internet unter www.asw-we.de oder telefonisch unter •
07802/93950.
Hintergrund
Aktion Leser-helfen: Sinnesgarten
Die Albert-Schweitzer-Werkstätte (ASW) Offenburg hat in diesem Jahr den Zuschlag für die Spendenaktion Leser-helfen der Mittelbadischen Presse bekommen. Von der Aktion erhofft sich die Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch ein Spendenvolumen von 80 000 bis 120 000 Euro. Mit der Anlage ist die ASW bestrebt, das Lebensumfeld von Menschen mit schwersten Behinderungen zu verbessern. Der Therapiegarten ermöglicht Förder- und Betreuungsplätze. Die Schulung der Sinne beeinflusst positiv das psychische und physische Wohlbefinden von Menschen mit Behinderung. Nach Ende der Bauzeit steht der Sinnesgarten allen Behinderteneinrichtungen, Schulen sowie Kindergärten zur Verfügung.
Zwei der 30 Mitarbeiter des Arbeitsbereichs »Elektro: Bianca Huber (29) und Christian Huber (37) haben sichtlich Spaß beim Bestücken eines Blechs mit einem Kabelbaum. Mit dabei: Michael Warda, Werkstattleitung-Arbeit.
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